CD-Kritik Zur Startseite

The Inchtabokatables

Ultimate Live

(Strange Ways/Indigo)

Übertreibe ich, wenn ich bei The Inchtabokatables von einer deutschen Independent-Institution spreche? Ich glaube nicht. In den vergangenen elf Jahren hat sich das Quintett mit seinen Streichinstrumenten den Arsch abgespielt und wahrscheinlich in jedem Ort der Nation die Geigen ausgepackt. Als es das Genre Mittelalterrock noch gar nicht gab, sind The Inchtabokatables wie die Derwische über die Bühne gefegt und haben dieses zu enge Korsett hinter sich gelassen, als andere hinterhergehechelt kamen. Die experimentellen Noise-Ansätze auf den Alben "Quiet" und "Too Loud" haben sicherlich den ein oder anderen alten Fan vergrault, der dann wahrscheinlich das gelungene Abschlussalbum "Mitten im Krieg" nicht mehr mitbekommen hat.

Obwohl meine anfängliche Begeisterung auch mit der Zeit ein bisschen erlahmt ist, stimmt es mich jetzt doch traurig, dass die Inchtabokatables nach elf Jahren ihren Hut nehmen. Nach einer ausgedehnten Abschiedstournee ist jetzt Schluss und als Erinnerung gibt's die retrospektive Live-Doppel-CD "Ultimate Live". 24 Songs, einmal quer durch alle Schaffensphasen und von immergrünen Sachen wie "Three Gipsies" und "Das Beil" gibt es Schmankerl wie das unterbewertete "Rightful King" und das dynamische "You Chained Me Up".

Vieles klingt auf der Bühne bei weitem nicht so experimentell wie auf den vergangenen Studioalben und so ist "Ultimate Live" ein ausgewogenes Abschiedsgeschenk, das das Können und den Ausnahmestatus der Inchtabokatables deutlich unterstreicht. Ein würdiger Abschied für eine Band, die für gängige Schubladen einfach ein bisschen zu groß war. Farewell - well done!

(dmm)

 

The Inchtabokatables

Mitten im Krieg

(Strange Ways / Indigo)

1992, als die meisten Menschen "Mittelalterrock" noch für ein antikes Kleidungsstück hielten, fiel eine junge Band mit unaussprechlichem Namen ins Rampenlicht. The Inchtabokatables spielten Rock ohne Gitarren, getrieben von einem Cello und zwei Violinen. Als mittelalterliche Klänge dann in Mode kamen, hatten sich die Berliner schon experimentellen Industrialklängen zugewandt. Die Alben "Too Loud" und "Quiet" waren dann auch wilde Grenzgänge, die dem Hörer eine Menge abfordern. Ihren Majordeal haben sie zwar verloren, ihre Kreativität und der Mut zum Risiko sind anscheinend zurückgekehrt. Die Ziellosigkeit des vergangenen zwei Alben ist verschwunden. "Mitten im Krieg" ist wild und klingt unheimlich befreit.

Der Opener "Unsatisfied" legt zwar die Vermutung nahe, dass die CD Kratzer hat, aber im weiteren Verlauf gibt es einige Highlights, bei denen Wagemut und Pathos eine interessante Verbindung eingehen ("Healing Hands", "Rain"). Positiv fällt auf, dass die Band diesmal auf abstruse "Schweinereien" in den Lyrics verzichtet. "Mitten im Krieg" ist ein gutes, aber kein überragendes Album, zeigt aber überdeutlich, dass mit The Inchtabokatables immer noch gerechnet werden muss.

(dmm)


Zum Hinternet-Weblog Zum Kalender Galerie zum Archiv Impressum