CD-Kritik Zur Startseite

Infamis 

Alte Nacht

(Distillery Records Still 014)

Vorweg ein Kompliment an den Fotographen: dreimal dieselbe Straßenecke, nur mit unterschiedlichem Licht. Vorn sieht´s aus wie Amerika, in der Mitte wie die Reeperbahn, und hinten wie Blackpool!

Und dann an die Adresse der Band: Respekt! "Alte Nacht" kann sich hören lassen. Falls dies abwertend klingt, gilt es zu erklären: die Schuhe, die sich "Infamis" anziehen, sind riesig. Es sind die des großen Johhny Cash. Dass die Band damit nicht baden geht, zumal mit deutschen Texten, ist die wahre Leistung. Aber der Vergleich relativiert natürlich. Nach oben wie nach unten...

Sänger René Schwettge macht also einen auf "lonesome wolf". Grummelig, mit tiefer Stimme, bedeutungsschwanger und richtig dick aufgetragen. Und es funktioniert! Auch dank des ausgezeichneten, hochmelodischen Songmaterials. Reizvoll dazu: der düstere Zeitlupen-Country der restlichen Gruppe. Infamis sind eine Balladen-Band, aber mit vielen Gesichtern. Rootsy und folkig, rockig, mit Noise-Eruptionen oder bluesig... Hervorragend sind Infamis übrigens auch im Formen zerklüfteter, atmosphärischer Klang-Landschaften. Einzig die arg trockene Produktion ist fehl am Platze. Ansonsten: innovativ und eingängig, neo und traditionell. Ein Lichtblick!

(Katja Preissner)