CD-Kritik Zur Startseite

JJ72

I To Sky 

(Lakota/Sony Music)

Man könnte fast annehmen, Queen hätten einen Track auf die neue Scheibe von JJ 72 geschmuggelt. Ich spreche vom Opener "Nameless". Schöne Pianoakkorde, zu denen die knabenhafte und alles durchdringende, das Glas zum Bersten bringende Stimme von Mark Greaney ertönt. Schöner Beginn des Nachfolgers eines völlig unterschätzten und hier auf dem Festland verschmähten Debüts. Auf der Insel ging man – wie gewohnt – euphorisch mit dem Trio um. Das war nicht unverdient. Okay, man muss sich an Greaneys Stimme gewöhnen, die wirklich hoch hinaus will. Muss sie aber nicht immer, wie in dem mitreißenden Song "Serpent Sky" zu hören ist. Greaney klingt wütend, erbost und zu allem entschlossen. Das wirkt sich auf die Musik aus, die aus einem kleinen, vereinzelt dahinschwebenden Wölkchen einen tosenden Gewittersturm zaubert. Das ist mal ein Lied. Herrlich. Am anderen Ende des musikalischen Spektrums residiert der nachfolgende Song "Always And Forever" sowie die opulente Ballade "Brother Sleep". Der Sturm hat sich gelegt, die schönen Melodien sind zurückgeweht worden.

Es erstaunt einen immer wieder, welch Potenzial in dieser jungen Bande steckt. Oder sollte man sagen: in Mark Greaney? Er ist es, der alle Texte und Songs schreibt. Fergal Matthews (hinter dem Schlagzeug) und die bezaubernde wie unnahbar wirkende Bassistin Hillary Woods sind anscheinend nur das musikalische Beiwerk, die dem Genie Rückendeckung und eine Plattform zum Austoben geben. Diesen Freiraum nutzt er im Vergleich zum Debüt noch weitreichender aus. Die Songs sind wie auch deren Stimmungen abwechslungsreicher ausgefallen. Die Arrangements sind ausgeklügelter und man kann – sei es auch eine Phrase – von einer gereiften Band sprechen.

(kfb)



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