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Ronnie Lane with the band Slim Chance

Anymore For Anymore

(Alchemy/EfA)

 

Was, schon wieder ‘ne neue CD-Version von Ronnie Lanes 1974er Solodebüt? Und erstmals „digital remastered“, dazu eine Bonus-CD mit „rarem und unveröffentlichtem Material“! Der entsprechende Sticker auf dem Cover lässt Erwartungen aufkommen, die sich – schade, schade – nicht einlösen lassen. Das in „Alchemy“ umgetaufte Label „New Millennium“ versucht’s mal wieder mit Tricks: Bei der „Bonus-CD“ handelt es sich schlicht um die bereits 1998 erschienene Rarities-Compilation „Tin & Tambourine“!!! Ansonsten nix Unbekanntes, und auch das hübsch (und tatsächlich etwas neu) gestaltete Booklet enthält bereits veröffentliche Texte. Na ja, bleibt zu hoffen, dass wenigstens die „Lane family“ von den Tantiemen was abbekommt!

(rs)

 


Ronnie Lane

Live In Austin

(Sideburn Records)

 

Rund 10 Jahre verbrachte der "noble Englishman" aus dem Londoner East End nicht in New York, sondern vornehmlich in der texanischen Musik(er)metropole Austin. 1984 hatte der Mitbegründer der SMALL FACES und Initiator der FACES klammheimlich seine Heimat verlassen und war nach Houston übergesiedelt. Nicht freiwillig, sondern bedingt durch seine heimtückische Erkrankung (Multiple Sklerose). In Texas (und anderswo in den USA) erhoffte er sich Linderung und vielleicht sogar Heilung. Als Musiker war er längst abgeschrieben, seine typisch britische Country-Folk-Rock-Melange wollte eh niemand mehr hören. In die Saiten greifen konnte Ronnie, bedingt durch seine Krankheit, auch nicht mehr.

Er schaffte es allerdings schon bald, in seiner "Wahlheimat" wie ein Magnet junge, talentierte Musiker, aber auch "alte Hasen" wie z. B. ROLLING STONES-Saxophonist Bobby Keys, an sich zu ziehen. Gerade die Nachwuchsleute wollten von Ronnies langjährigen Erfahrungen im business profitieren, und Ronnie unterstützte sie gerne mit Rat und Tat. In den Jahren 1985 bis 1990 existierten diverse Bands in wechselnden Besetzungen, die sporadisch in den Clubs, natürlich vorwiegend im Süden der USA, auftraten. Dies hing vom jeweiligen Gesundheits- und auch Gemütszustand Ronnies ab. Mehr als eine halbe Stunde live war oft nicht drin, vor allem, wenn sich Ronnie nur am Mikrofonständer festhalten konnte.

Nachdem schon kurz vor seinem Tod 1997 Bruder Stan die Veröffentlichung des in England aufgenommenen musikalischen Nachlasses in die Wege geleitet hatte (link zu den anderen CDs), sind nun endlich auch die "texanischen Jahre" dokumentiert. Der unabhängige Journalist Kent Benjamin hat - zusammen mit Kollegen diverser Radiostationen - Archivaufnahmen ausgekramt, die nicht nur die Lane-Fans begeistern werden. Verschiedene Begleitbands, darunter THE TREMORS und die TEX-MEX-SLIM-CHANCE, waren seinerzeit mit Ronnie in die Studios der lokalen Sender gezogen und hatten dort eine beachtliche Anzahl von Songs aus Ronnies und auch fremder Feder (u. a. Derroll Adams) eingespielt. Fast alle Phasen von Ronnies Schaffen werden abgedeckt, von der FACES-Ära ("Ooh La La", "You're So Rude") über die Mid-70's-SLIM-CHANCE-Periode (u. a. "Roll On Babe", "The Poacher") und das Teamwork mit Pete Townshend für das Album "Rough Mix" bis zur letzten, weit unterschätzten LP "See Me" und dem jüngst veröffentlichten "lost album" mit Steve "Majic Midjit" Marriott. Immerhin drei Stücke stehen explizit für seine "Texas Years": der bis dato unbekannte Song "Spiritual Babe" (der auch von Joe Ely übernommen wurde), das fast schon autobiographisch anmutende "Under The April Skies" von bandmate R. C. Banks und "Rio Grande", die Neubearbeitung des "See Me"-outtakes "Bomber's Moon".

Natürlich merkt man etlichen Tracks an, dass Ronnie gesundheitlich nicht mehr auf der Höhe war: seine Stimme wirkt bisweilen angegriffen, trifft auch nicht mehr jeden Ton exakt. Doch gleicht er diese Schwächen mit Leidenschaft und Seele aus; die meisten Songs sind zudem neu, z. T. sehr "folky" arrangiert. Man spürt im übrigen, dass Ronnie mit den Mitmusikern (u. a. Alejandro Escovedo, Freddie Krc, Susan Voelz) wirklich Spaß hatte und trotz der Fluktuation in seinen Bands mit diesen harmonierte. Dass "Live In Austin" über eine reine Musik-CD hinausgeht, bedingen die O-Töne, die die Produzenten Jim Bradt und Kent Benjamin zwischen die einzelnen Stücke montierten: Ansagen, Interviewzitate und Auszüge aus Telefongesprächen (!) belegen Ronnies Emotionalität, Begeisterungsfähigkeit und ungebrochenen Humor auf eindrucksvolle Weise.

Eine liebevoll zusammengestellte CD mit ausführlichem Booklet in hübsch gestaltetem Digipack, die gewissermaßen die "Krönung" der bislang (wieder)veröffentlichten Ronnie-Lane-Alben darstellt.

(rs)

 

Ronnie Lane

Plonk

(New Millennium/EfA)

 
Das muß man den Hinterbliebenen und Freunden des im Juni 1997 verstorbenen britischen Country-Rockers schon attestieren: in puncto Geschäftstüchtigkeit und fan-freundlicher Nachlaßverwaltung sind sie nicht zu schlagen. Innerhalb von knapp zwei Jahren haben Bruder Stan & Co. mehr (eigenständige) Alben von Ronnie veröffentlicht als der (solo) zu Lebzeiten. Allerdings schießen sie m. E. jetzt ein bißchen über das Ziel hinaus. Die hübsch als Zigarettenschachtel aufgemachte 4-CD-Box "Plonk" (Ronnies Spitzname!) enthält nämlich drei bereits wiederveröffentlichte Longplayer: die Compilations "Kuschty Rye - The Singles 1973 - 1980" und "Tin & Tambourine" (Rarities & outtakes) sowie die um diverse Bonustracks erweiterte Debüt-LP "Anymore For Anymore". Einzig "neu" ist die Mini-CD "Lucky Seven" mit sieben Songs, die im Juli 1977 im ROLLING STONES MOBILE auf Ronnies walisischem Bauernhof aufgenommen worden waren. Doch dieser Mitschnitt ist wahrlich ein Juwel. Ganz entspannt spielt hier - während einer Tourneepause - die letzte SLIM CHANCE-Besetzung (inkl. STONES-Pianist Ian Stewart) mit ihrem "Headliner" Eric Clapton auf. Dabei kommen Standards wie "Annie Had A Baby" oder "Walk On By" zu Gehör, mal mit Ronnies unverwechselbaren Gesang, mal "nur" als instrumentale Skizzen (z. B. "Ron's Take", aus dem später "Kuschty Rye" wurde).

Beinharte Fans sollten, trotz des Preises und der Dubletten, zugreifen (letztere kann man ja gut verschenken!).

(rs)

 

 

Ronnie Lane

April Fool

(New Millennium/EfA)

Mit "April Fool" (der Titel bezieht sich auf einen autobiographischen Song - Ronnie war am 1. Apirl 1946 geboren worden) präsentiert uns das Label eine Compilation, die erstmals das gesamte Lebenswerk reflektiert: mit den drei SMALL FACES-Songs "Itchycoo Park", "Song Of A Baker" und "Lazy Sunday", wobei letzterer etwas unpassend ausgewählt scheint; der war nun mal auf Steve Marriotts Mist gewachsen, den vier FACES-Stücken "Richmond", "Ooh La La", "You're So Rude" (übrigens eine Aufnahme aus dem WDR-Rockpalast von 1980 mit der RONNIE LANE BAND) und "Debris" (alles Alternativversionen, keine FACES-Originale), aus der SLIM CHANCE-Ära "How Come", "The Poacher", "Give Me A Penny", "One For The Road" und "Harvest Home", aus dem Soundtrack mit Ron Wood für den kanadischen Spielfilm "Mahoney's Last Stand" das Instrumental "Tonight's Number", aus dem Duo-Album "Rough Mix" mit Pete Townshend "April Fool", aus dem letzten Soloalbum "See Me" die Clapton/Lane-Ballade "Barcelona" und "Kuschty Rie" und ganz aktuell, wenn auch unfreiwillig, das satirische "Send It To NATO" aus den legendären "Majic Midgets"-Sessions mit Steve Marriott. Diese Compilation mag für Leute, die Ronnie Lanes musikalisches Schaffen kennenlernen wollen, lohnen, für Fans ist sie nur bedingt nötig, trotz der gewiß gelungenen Zusammenstellung.

(rs)

 

 

Ronnie Lane

Tin & Tambourine

(New Millennium/EfA)

Alle Achtung! Stan Lane, der ältere Bruder (und Ex-Roadie!) des 1997 verstorbenen Singer/Songwriters und ehemaligen (SMALL) FACES-Gründers betreibt tatsächlich erstklassige Nachlaß-Pflege. Nach einer Doppel-CD mit BBC-"Live In The Studio"-Aufnahmen, einer Single-Compilation sowie einer mit Bonus-Tracks erweiterten Neuausgabe des SLIM CHANCE-Debütalbums "Anymore For Anymore" hat Stan weiteres, bislang unveröffentlichtes Material aus den Jahren 1974 bis 1980 aufgetan und wohldosiert zusammengestellt. Es handelt sich dabei zwar um weitgehend bekannte Songs, doch eben in z. T. ungewohnten Arrangements.

Bei den Studio-outtakes ist auch eine feine Version des Leiber-Stoller-Klassikers "Three Cool Cats" darunter. Dann gibt's noch drei Live-Stücke aus dem "Victoria Palace" zu London und einige Stücke aus dem Übungsraum, die die lässige und z. T. humorige Kommunikation unter den SLIM CHANCE-Musikern dokumentiert. "Tin & Tambourine" mag auf den ersten Blick nur was für beinharte Lane-Fans sein, diese Compilation ist aber auch für "Einsteiger" in das Lane-Oeuvre geeignet, die wissen wollen, wie britischer Country-Folk-Rock der Seventies geklungen hat.

(rs)

 

 

Cover Tin and tambourine