CD-Kritik Zur Startseite

Luna

Romantica

(Beggars Banquet)

Kleines Namedropping gefällig? Dean Wareham spielte bis 1990 bei der Indie-Legende Galaxy 500, holte sich nach Auflösung der Band Unterstützung von den Feelies und den Chills, um seine neue Band Luna ins Leben zu rufen. Mitte der Neunziger spielten Luna dann auch auf ausdrücklichen Wunsch von Lou Reed Support für die Velvet Underground Tour. Um noch weiter abzurunden, wurde Romantica von Dave Fridmann (Mercury Rev/Flaming Lips) produziert.

Selbst wenn man die Band nicht kennt, kann man sich schon vorstellen, wonach das in etwa klingt. Genau, Luna spielen psychedelischen Gitarren-Pop aus der Velvet-Schule vom Feinsten. Und so gut wie hier ist ihnen das schon seit dem 95er Album Penthouse nicht mehr gelungen. Zwar ist Penthouse mit Sicherheit immer noch der kreative Höhepunkt, aber mit neuer Bassistin, Zusammen mit Britta Phillips (ex-Ben Lee), lässt Dean "Poetry is about small observations" Wareham die Saiten flirren wie schon lange nicht mehr. Dave Fridmann plazierte in seinem Studio dann noch einiges an skurillen Soundeffekten um einfache und effektive Textzeilen wie, "once we have dreams, now we have schemes" oder "In 1995 I told a thousand lies". Relevant ist das für die Welt wie wir sie kennen natürlich überhaupt nicht, aber vielleicht für... Dein Leben.

"Wrap your troubles in dreams", sag ich da mal.

(rk)

 

Luna

Pup Tent

(Beggars Banquet/Rough Trade) [9-97]

Gute Gitarrenarbeit ist im Zeitalter der digitalen Vertonung von Emotionen zu einem Suchen nach Nuggets in schlammigen Wasser geworden. Wie einst die alten Goldschürfer durchwühlt man seinen Claim, wobei die Hoffnung auf neue Funde täglich schwindet. Findet man denn doch einen solch funkelnden Klumpen, so ist die Freude um so größer. Aber genug mit dem Fabulieren, mit "Pup Tent" von Luna ist endlich mal wieder eine Bandplatte herausgekommen, die solche Freude aufkommen läßt.

Historisch sei erwähnt, daß es sich bei "Pup Tent" um die vierte LP von Luna handelt und Galaxie 500 als Vorgängerband bezeichnet werden darf. Die Kritiker umschwärmen sie (zurecht!) und vergleichen sie spätestens seit ihrem Supportjob für Velvet Underground (1993) mit ebendiesen (nicht ganz zu unrecht). Formelle Parallelen mag man hier ziehen (rhythmusorientierte Gitarrenarbeit, leicht monotones Schlagzeug, leicht leiernder Gesang) mir drängt sich aber ein Adjektiv auf, daß ich zuvorderst nicht mit VU in Verbindung bringen würde: Geschmackvoll.

Die 10 Songs auf "Pup Tent" sind durchweg eben "geschmackvoll" arrangiert und lassen erkennen, daß das Quartett in den kleinen Fingern mehr Stil hat als andere Musiker im gesamten Großhirn. Liedarrangements, filigran wie belgische Klöppelarbeit, bilden einen Teppich indem die Einzelinstrumente wie eine Einheit eingewoben sind und Sounds (Wah Wah Gitarre, Keyboards, Xylophon etc.) Farbtupfer darstellen.

Zu erwähnen ist desweiteren der offene, differenzierte Sound der Platte, der sowohl Teil der Aufnahmetechnik ist, aber auch schon im Arrangement der Lieder begründet liegt und die Platte auch auf schlechten Anlagen groß und räumlich klingen läßt. Eine Platte, die nicht interpretiert, sondern gehört werden will. Ein Klassiker ohne Zeit und Raum.

(fw)

Cover Luna-Pup Tent

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