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Machine Head

Supercharger

(Roadrunner)

Machine Head ist beileibe keine Band, die man mit filigranen Arrangements und knackigen Melodien in Verbindung bringt. Warum eigentlich nicht? "Supercharger" ist zwar immer noch ein 1-A-Krachalbum, aber das Quartett weiß seine ungestüme Kraft zu zügeln. Vom lauen Lüftchen bis zum Orkan hat die Band alles drauf. Auch Robb Flynns Stimme passt sich diesem Wechselspiel perfekt an. Erstaunlich weich und melodisch in den Strophen, in den Refrains meistens hasserfüllt und wutschnaubend. Es tut gut, eine Band zu hören, die rasant Druck macht ohne die Spur zu verlieren und die ruhigen Parts nutzt, um Spannung und Dynamik aufzubauen. "Supercharger" reißt keine Mauern ein, ist aber der Beweis, dass Machine Head immer noch heftig losrocken.

(dmm)

 

Machine Head

The Burning Red

(Roadrunner/Connected)

Machine Head anno 1999, das bedeutet Überraschung um Überraschung. Ganz banal fängt es schon damit an, daß ihre Plattenfirma einen professionellen Schreiberkollegen zwecks Verfassen eines Bandinformationsblattes beauftragt hat. Lars Brinkmann von der viel geliebten/gehaßten 'Spex' durfte diese Aufgabe übernehmen. Und der kam er verständlicherweise gerne nach. Die zweite Überraschung ist, daß Robert Flynn nicht mehr nur schreit, sondern zu singen begonnen hat und auch mal etwas rappt. Das steht ihm und kommt den brandneuen Kompositionen sehr zu gute - so etwa in "Desire To Fire", "Exhale The Vile", "Message In A Bottle" oder "Silver".

Dann wäre da die überaus gelungene Produktion des Erfinders des Korn-Sounds: Ross Robinson. Allerdings haben Machine Head ihren charakteristischen Sound nicht dem Genie dieses Mannes unterworfen, sondern nur seine Fähigkeiten geschickt genutzt, um die MH-Soundwand zu verdichten und verstärken. Dazu Robb Flynn: "Ich hatte nie das Glück mit so jemandem wie ihm zusammenzuarbeiten; zuvor hörte ich höchstens mal 'Make the note perfect'. Ross hingegen hängt sich richtig rein - wir nehmen z.B. das Schlagzeug auf und er ist mit uns im Aufnahmeraum, plötzlich fängt er an, Ahrue rumzuschubsen oder verfickte Plastikflaschen ans Fenster zu schmettern während ich singe. Er brachte mich dazu, so zu singen als würden wir ein Konzert vor 100.000 Menschen geben; full fuckin' power, don't hold anything back."

Und hält man sich dann vor Augen, daß uns Schreiberlingen nicht einmal die "final version" vorliegt, diese einen allerdings schon aus dem Schreibtischstuhl bläst, dann können wir nur vage erahnen, welche Klanggewalt in Bälde auf uns zukommen mag. Des weiteren ist zu notieren, daß sich Neuzugang Ahrue Luster voll integriert zu haben scheint. Der Rausschmiß der Kreuzung aus Tattoo-Poser und prolligem Aufschneider (Logan Mader) schlägt sich demnach mehr als nur positiv nieder. Die Gitarrenspuren klingen ausgefeilter, abwechslungsreicher und schlichtweg besser.

Das gesamte Bandgefüge scheint sich gefestigt zu haben; die interne Balance und Ausgeglichenheit ist wieder eingekehrt und verhilft der Band zu neuen Taten. Die Sechssaiter werden flankiert von Adam Duce (Bass) und ex-Sacred Reich/ex-Murdercar-Trommler Dave McClain. Beide beherrschen ihr Geschäft und wissen, was es heißt, gehörig Druck zu machen. Der Titelsong selbst ist wie schon so vieles auf dieser Scheibe ein Bonbon aus der Trickkiste. Man könnte mit Fug und Recht behaupten, er sei die erste Ballade aus der Hand von Robb Flynn. Melodiöser Gesang, Drumcomputer, ein bißchen Bass und Gitarre - das reicht dem Maschinenkopfkopf aus, um zumindest mir ein Staunen zu entlocken. Ungewöhnlich ist natürlich auch die Wahl der Coverversion. Die fiel auf "Message In A Bottle", dem altbewährten und schon von anderen gecoverten Police-Hit. Ein Umstand, der Robb Flynn übrigens nicht bewußt war; er glaubte bis zu dem Interview mit mir (demnächst übrigens in "Heavy, oder was!?" nachzulesen), daß der Song unverbraucht sei. Doch die Venice Beach-Band Excel hatte sich schon daran gemacht. Und ich erinnere mich vage an weitere Interpretationen. Aber ist ja egal.

Als Fazit bleibt festzuhalten, daß diese Platte die Metal-Welt bereichern wird. Oder um es mit Brinkmanns Worten zu sagen: "In vieler Hinsicht verdient das Album 'The Burning Red' eine gesonderte Stellung im Oeuvre von Machine Head. (...) Die Ergebnisse [der Zusammenarbeit von verschiedenen Bands und Ross Robinson] sind ausnahmslos das beste, was die Bands bis dato aufgenommen haben. Da machen Machine Head mit 'The Burning Red' keinen Unterschied."

(kfb)

 Cover Machine Head

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