CD-Kritik Zur Startseite

Marylin Manson

The Last Tour On Earth

(Motor/Universal)

 

Marylin Manson is Marylin Manson, denn er ist und bleibt ein Spinner vor dem Herrn. Aber auch ein Mann mit einem Plan im Kopf. Er weiß wie er sich verhalten muß, um im Rampenlicht nicht zu schnell wie eine Motte zu verglühen, die nachts zu dicht an eine Lampe geflogen ist. Sein Image ist mittlerweile nervig. Vielen geht er mit seinem Pseudo-Psychopaten-Image auf den Keks. Mit Recht. Andererseits hat er die musikalische Entwicklung seiner Sklaven-Musikanten weiterhin im Griff und diktiert, was zu tun ist. Solange die sich das gefallen lassen, ist es in Ordnung. Wer aufmuckt bekommt zur Strafe das Schlagzeug über dem Hirn zerschmettert oder einen Mikrofonständer an selbiges gedonnert. Gnade ist ein Fremdwort für den Teufelsanbeter.

Trotz all dieser naiven Dummheiten liefert er nach wir vor gute Musik ab, Musik, die viel schwarze Seele hat und mehr ausdrückt als die manch anderer Band. Höre ich mir dieses Livealbum an (CD 2 der Special Edition kommt mit bisher unveröffentlichtem Material daher), muß ich unweigerlich an "Clockwork Orange" oder an die Krawalle während der '99er Woodstock-Tage denken. Marylin Manson hat seine Gefolgschaft fest im Griff und legt ihnen die Worte in den Mund, während seine Angestellten den Soundtrack des Bösen intonieren. Image hin, Image her, diese Musik hat Kraft.

(kfb )

 

Marylin Manson

Mechanimal Animals

(Nothing/Universal)

Eins will ich gleich klarstellen: Das Image des Herrn Manson, die alberne Kostümierung, sein idiotisches Verhalten auf der Bühne und sein Drang zur Selbstzerstörung gehen mir gehörig auf die Nüsse. Seit ein paar Wochen habe ich eigentlich die Nase gestrichen voll von dem Manson-Trubel. Ob es nun die einschlägigen Musikmagazine waren, oder die bekannten Musiksender, überall sein Gesicht und sein Gelaber. Das nervte! Tja, und dann kam dieses Album in meine Hütte geschneit.

Erst wollte ich es nicht hören und nun kann ich kaum noch davon lassen. Auf den ersten Blick fällt auf, daß "Mechanical Animals" weitaus vielfältiger angelegt wurde als die beiden Vorgängeralben. Dies ist schon einmal ein fetter Pluspunkt. Außerdem hat sich Herr Manson dazu überwunden, von wüsten Schreiorgien abzusehen und statt dessen passend zu den klebrigen Melodien seine Stimmbänder etwas zu schonen und lieber richtig zu singen. Ein weiterer wichtiger Pluspunkt, der dieses Album aufwertet. Zuletzt hätten wir den Song "The Speed Of Pain", der als astreine Akkustikballade (mit klassischen Rockrhythmen und souligen female vocals im Background angereichert) die größte Überraschung darstellt. Mit "Fundamentally Loathsome" findet sich gar eine zweite Ballade auf diesem Werk. Ich hätte viel erwartet, das jedoch nicht. Ich schiebe diese positiven Veränderungen einmal M. W. Gacy in die Schuhe, dessen Anteil am Songwriting im Vergleich zu "Antichrist Superstar" gewachsen ist. Er ist in aller Regel für die Keyboards und die Samples zuständig und gerade diese wissen dieses Mal besonders zu gefallen. Im Gesamten klingt "Mechanical Animals" weniger aggressiv, schwarz und nach Egotripping, dafür kompakt, schwungvoll, treibend und tanzbar.

Vielleicht hat Gacy auch in seinem Plattenschrank wieder ein paar Disco-Scheiben der Achtziger entdeckt und diese gleich digitalisiert: "Don't Like The Drugs (But The Drugs Like Me)" erinnert mich an Joan Jett und das Riff von "New Model No. 15" an "My Sharona" (bekannter '79er Hit, im Original von Knack). Ansonsten kommen mir phasenweise musikalische Ähnlichkeiten zu David Bowie und Depeche Mode in den Sinn.

(kfb)

 

Marilyn Manson

Datenschutz
Zum Hinternet-Weblog Zum Kalender Galerie zum Archiv Impressum