CD-Kritik Zur Startseite

Tom McRae 

Tom McRae

(DB Records/BMG)

"Don't call him a one-man Radiohead", heißt es warnend im Magazin "Q". Aber warum denn auch. Tom McRae, einer der zur Zeit vielen und fleißigen britischen Songschreiber, ist mit das Beste, was in den letzten Jahren aus Großbritannien zu uns rübergeschwappt ist. Seine Musik fesselt einen von der ersten Sekunde an, fasziniert dich, zerreißt deine Seele und näht sie in unzähligen Hördurchgängen mühsam wieder zusammen. Das fängt mit dem tieftraurigen und düsteren Opener "You Cut Her Hair" an. Ein Song, der von McRaes Besuch im Konzentrationslager von Dachau überschattet ist. Dort sah er ein Foto mit einer jungen Jüdin, der man den Kopf kahlgeschoren hatte. Er war schockiert und konnte es nicht fassen, wie respektlos ein Mensch sein kann. Und genau dieses Gefühl vermittelt das Stück zielsicher.

McRae schreibt über direct personal experiences ("Q"), über Dinge, die intim sind und ihn zutiefst berühren. "Alles dreht sich um Dinge, die für mich zur Obsession wurden: der Tod, das Leben, die Tatsache, dass man nur eine so kurze Spanne hat, um etwas zu erreichen, und dass der gegenwärtige Moment der ist, den man hat, um die Person zu sein, die man verkörpern möchte. Zur Zeit dreht sich alles um Bequemlichkeit und Vergnügen, und nicht darum, dass man denken muss. Und obwohl ich mir wünsche, auf eine bestimmte Art auch unterhaltsam zu sein, würde ich es vorziehen, dass die Leute sich unbehagen fühlen, statt sich einfach nur unterhalten vorzukommen" (Labelinfo). Das sagt ein Mann, der solche Trauerperlen wie "2nd Law" schreibt und in dieser singt: "Tell all my friends I've gone to the moon / tell all my friends I will write them soon / and tell them if you see them, that I am better left alone". Dazu Piano und diese Gänsehautstimme - manchmal wie Michael Stipe, manchmal wie Rick Davies von Supertramp oder Chris Martin von Coldplay. Umwerfend.

So gestrickt ist ein jedes Stück auf dem selbstbetitelten Album. Melancholiegeschwängerte Instrumentierung mittels Akustikgitarre, Piano, Streicher und Schlagzeug. Ein jedes Lied packt dich und lässt dich tagelang nicht in Ruhe. Seine Melodie verfolgt dich, sein Text durchschwirrt deine Gedanken. Du veränderst dich. Du denkst nach. Du wirst traurig und freust dich zugleich, diese Platte dein Eigen nennen zu dürfen.

(kfb)

 


Zum Hinternet-Weblog Zum Kalender Galerie zum Archiv Impressum