CD-Kritik Zur Startseite

Medeski Martin and Wood 

The Dropper

(Blue Note Records )

Blue Note ist mehr als ein Weltklasse-Jazzlabel: Blue Note ist eine sichere Bank für guten Geschmack. Und wenn Blue Note ein Album mit wilden, experimentellen Jazz-Improvisationen veröffentlicht, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass auch Rock-Fans ihre Freude dran haben.

Geradezu infernalisch ist das Getöse, dass aus "The Dropping" herausquillt. Im Innern zwar feingliedrig und verschachtelt - und natürlich gänzlich ohne Songstrukturen -, aber rauh in der Schale und feucht-dampfend im Sound. Das Wichtigste ergibt sich erst im Resultat: der unvergleichliche Groove! Er ist es, der "The Dropper" so herausragend macht. Nur vereinzelt lugt mal ein Melodiesprengsel hervor, wie vom Broadway her versehentlich durchs offene Fenster geweht. Einzig "Note Blue" fällt aus dem Rahmen: ein locker swingender, eingängiger Take mit viel Orgel - vielleicht eine Hommage ans Label, eine Verbeugung quasi vor den mittlerweile traditionalisierten, einst aber ungewohnten, modernen Klängen des Hauses.

Medeski Martin and Wood locken dagegen wieder mit ungewöhnlichen Sounds und ungewöhnlicher Produktion. Sie nutzen ihre technischen Möglichkeiten, experimentieren mit Filtern und Elektronik-Klängen (kombiniert mit einer Armada an Percussion-Instrumenten und Bässen, hinzu kommen wahlweise Gitarren, Bläser, Streicher und Piano). Ihre Musik speist sich zugleich aus Avantgarde-Zirkeln und den Sounds der Clubs. "The Dropper" ist ein unverkennbar urbanes Album. Es verbarrikadiert sich nicht elitär hinter seiner Unzugänglichkeit, sondern mischt den Hörer mit exotischen Tönen, erregenden Strukturen, manch bekannten Zitaten und unnachahmlichen Percussions auf. Wenn Improvisationen je sexy sind, dann hier. Ein Erlebnis!

(Katja Preissner)

 

 

 


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