CD-Kritik Zur Startseite

Miles

Don't Let The Cold In

(Nois-O-Lution/Indigo) [VÖ: 12.5.2003]

Ü ber die letzten Jahre hinweg hatten Miles kontinuierlich daran gearbeitet, aus dem Gros der deutschen Bands hervorzustechen. Ihr nunmehr viertes Album "Don't Let The Cold In" untermauert das Streben nach Anerkennung. Miles sind reif - reif für die Popohren und reif für die Insel. Nur wenig bezieht sich auf Musik aus Übersee. Lediglich bei "Give It Away": Hier rocken sie fast schon in Nirvana-Tradition drauflos. Das war es dann auch schon mit der US-Musik. Danach und davor ziehen Miles ganz andere Seiten auf.

"Silverspoon" wie "No Love" sind Midtempo-Britpop-Songs, wie sie eher von der Insel zu uns rüberschwappen. In "Magic" werden sie zwar wieder lauter, bleiben aber in Europa – genauer gesagt in Großbritannien. Da macht es natürlich Sinn, dass die sympathische Band zuletzt ein paar Abende lang vor den britischen Retro-Rockern Supergrass auf der Bühne stehen durfte.

(kfb)

 


Miles

Miles

(Big Store/V2 Records) [5-2000]

Was macht denn die fränkische Indie-Hoffnung auf ihrem neuen Album? Ich hätte viel von den vier Würzburgern erwartet, aber die Hinwendung zum Breitwand-Pop ist eine echte Überraschung. Abba spielt die größten Hits der Pet Shop Boys - so könnte man das schlicht "Miles" betitelte Album auf einen Nenner bringen. Pop-Musik im großen Stil, weg von den Alternativ-Gitarren, hin zu Fender Rhodes und Moog Synthesizer. Weißer Frack statt Jeans.

Im Opener "Disco Queen" denkt man zwangsläufig, dass "das noch kippt", die Gitarren-Erlösung schon in der nächsten Rille lauert, aber beim zweiten Song wird klar: Die meinen das ernst! Kein Tribute, keine Verarsche, sondern der mutige Versuch, den neuen Songs auch wirklich ein neues Gewand zu verpassen. Die erste Single "Perfect World" ist ein Glanzstück, bei dem das gesteckte Ziel voll erreicht wird. Pop mit all seinen Attributen. Bei manchen Songs können jedoch die üppigen Arrangements nicht darüber hinwegtäuschen, dass das wirklich große Songwriting noch fehlt. Schade ist auch, dass die Stimme von Tobias ein wenig dünn ist; hier fehlt (immer mal wieder) ein Mann der großen stimmlichen Gesten. Ich will jetzt keine Entertainer wie Frank Sinatra ausgraben, aber was macht eigentlich Tony Hadley? Egal, Miles machen jetzt Pop und das ziemlich gut.

Und wenn im zehnten Song "Baboon" überraschend die Gitarren losscheppern, ist man schon so im Bann des Albums, dass man fast misstrauisch auf Fender Rhodes und Moogs wartet, die schon in der nächsten Rille lauern könnten.....

(dmm)


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