CD-Kritik Zur Startseite

Kylie Minogue

Fever

(EMI)

Was hätten wir ihr nicht für ein tolles Album gewünscht. Hätten! "Fever" ist wieder nur Durchschnitt, lebt von seinen zwei, drei, vier starken Momenten und plätschert fernab derer im knöcheltiefen Kinderbecken. Ihren Höhepunkt erreicht die Scheibe mit "Can't Get You Out Of My Head". Wir reden hier von Genusshöhepunkt in Bezug auf die Musik, nicht auf die Optik bezogen, die uns täglich im Video zu Füssen gelegt wird.

Zum Eingrooven ist "More More More" gut. Zu mehr nicht. "Love At First Sight" erinnert an Daft Punk, lässt aber deren Wucht und Kompromisslosigkeit vermissen. Das Halb-Nackisch-Video-Stück hatten wir bereits hervorgehoben. Das Titelstück ist langweilig. Nix aufreizende Disco Queen. Das kann selbst Michael Jackson besser.

Es folgt das Britney Spears-Stück des Albums: "Give It To Me". Muss das sein? Dann 80er-All Saints beziehungsweise "Can't Get You Out Of My Head"-Kopie ("Come Into World"). Aber in gut, das muss man gestehen. Plötzlich schwule Ibiza-Diskothek ("In Your Eyes") und darauf endlich wieder einen Höhepunkt, der so klingt wie er heißt: "Dancefloor". Nochmals Scheitern ("Love Affair", "Your Love") und ein Abgang mit Daft Punk im Kopf ("Burning Up").

Insgesamt höchstens Durchschnitt! Brauchen wir ansehnliche Videos, um uns mit den Songs der Australierin anzufreunden? Was ist los mit ihr? In ihren Texten nur Männer- und Abschleppgeschichten und ihr Potenzial auf einen Über-Hit reduziert. Das reicht nicht. Schade drum. Wer mehr Optik mag, dem empfehle ich die DVD "On A Night Like This - Live In Sydney" (Warner Music Vision). Die lohnt sich auf alle Fälle.

(kfb)

 

 

Kylie Minogue

Light Years

(Parlophone / EMI)

Kylie, wie wir sie gerne nennen, ist uns allen als Duettpartnerin von Nick Cave oder durch ihre Zusammenarbeit mit den Manic Street Preachers in guter Erinnerung. Damals versuchte sie, vom Pop-Mädchen-Image wegzukommen und eine "seriösere" Richtung einzuschlagen. Viele nahmen ihr das nicht ab bzw. übel und ihr wurde es zudem mit der Zeit zuviel, sich gegen den Hang zum Glamour und Popdasein zu wehren. So kehrt sie mit ihrem neuen Album "Light Years" wieder dorthin zurück, wo sie hergekommen ist: In ein Land zwischen Ballermann, Disco, 80er Jahre-Pop, Madonna, Spaß, Lust und Laune. Sündige Lust und Glamour spielen verstärkt eine Rolle im Leben Kylies. Im Booklet räkelt sie sich verführerisch - fast so wie in einem Dessouskatalog - mal halbbedeckt, mal zum durchblinzeln. Im Video posiert sie im knappsten Gold-Höschen der Welt.

Ebenso verführerisch ihre Musik, die sich nicht als psychologischer Tiefgang versteht, sondern als Unterhaltung. Der witzigste Track ist ohne Zweifel "Your Disco Needs You" (übrigens in zwei Versionen vertreten). Der Titel ist Programm und im Englischen gibt es den wunderbaren Ausdruck cheesy für solch einen Song. Geschrieben haben das Stück Kylie, Guy Chambers und - täterätä - Robbie Williams, die einige Male auf dem Album Hand anlegten. Zum Beispiel bei "I'm So High" und der bereits auf Robbies Album erschienenen gemeinsamen Single "Kids" (hier in zensierter Fassung). Will Malone, Fachmann für Streicherarrangements (siehe The Verve und Massive Attack) hat indes "Bittersweet Goobye" bereichert, eine mit Kirchenglocken inszenierte Ballade, die an Weihnachten sicherlich die Charts mitbestimmen wird.

Sie hat sich gewandelt. Als hätte es Nick Cave nie gegeben, singt Kylie in "Loveboat" von "Martinis and bikinis / Oh, l'amour (...) Rub on some lotion / The places I can't reach cool down with cocktails". Morbides adé, willkommen im Lalaland. Obendrein covert sie auf Abba getrimmt "Under The Influence Of Love" von Barry White.

Zusammen mit "Koocachoo" und dem nicht betitelten Bonustrack am Ende der CD, wären das die Glanzpunkte auf "Light Years". Weniger einfallsreich und seichter als manch einem lieb sein mag klingt der Rest. Etwas abgedroschen und ohne Saft noch Kraft stampft "On A Night Like This" aus den Boxen. Der Refrain lässt sich noch ertragen. Der Rest des Songs ist Ibiza hoch zehn. Nicht viel besser ist das mit dem gleichen Beat unterlegten "So Now Goodbye". "Disco Down" (welch ein Titel!), "Light Years", "Butterfly" und "Please Stay" verstehen sich ebenfalls als einfach strukturierte Disco-Pop-Liedchen, die lediglich für gute Laune sorgen sollen. Nicht mehr, nicht weniger.

Die Power einer Madonna oder eines Robbie Williams hat sie noch nicht. Weniger anziehend wirkt sie aber auch nicht. Kylie ist noch nicht am Ende. Zumindest nicht, wenn sie Robbie Williams und Guy Chambers konsultiert. Die beiden (Robbie und Guy) haben sich gesucht und gefunden und sind das Kreativtraumpaar schlechthin. Dank ihnen gibt es genügend lichte Momente auf "Light Years", wohingegen der Ibizapop etwas billig daherkommt.

(kfb)

 


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