CD-Kritik Zur Startseite

David Munyon

Poet Wind

(Stockfisch) [4-98]

 
Neue Folge der Reihe "David Munyon - bester Singer-Songwriter der Welt", heute: Wohin die Winde wehen... Nach seinem kargen solistischen Ausflug vor zwei Jahren hat Munyon nun wieder eine Band im Rücken- und die tut seiner Musik gut - bei allem Respekt vor dem kompositorischen Talent des Meisters, aber so "ohne alles" sind die Songs wenig tragfähig, mit Band klingt´s einfach satter!

"Singer-Songwriter" - das klingt nach Tradition und Wertkonservatismus. Qualitätskriterium scheint eher Intensität statt Innovation zu sein. Singer-Songwriter-Fans wollen nichts "Neues", sondern einfach nur tief berührt werden und ein paar nette, rustikale Harmonien hören - mal provokant gesagt. Falls ich irre, bitte ich um heftigen Protest und dessen nähere Erläuterung. Jedenfalls trachtet auch Munyon nicht nach revolutionären musikalischen Neuerungen. Vom Country-Pfad ist er abgekommen, segelt aber gleichwohl zu neuen Ufern. "Poet wind" steht im Zeichen des Fisches: verlegt beim "Stockfisch"-Label (echt wahr!), die Lieder erzählen von Piraten, Walen, fernen Ländern etc. Und was einige wahnsinnige Kritiker (die sicher bald der Klabautermann holt) unter "Bistro-Klängen" ablegen, sind in Wirklichkeit traditionelle Shantie-Elemente: der einsame Matrose, mit seinem Schifferklavier lehnt er an der Reling...

Munyon ist also unter die Seebären gegangen, das ist das Novum des jüngsten Werks des vietnamerfahrenen Ex-Soldaten. Ansonsten meldet das Logbuch (erleichtert): Alles beim Alten. Rauh aber herzlich singt der Amerikaner mit der sonoren Stimme (hoher Gänsehaut-Faktor!) seine wunderbar melodisch fließenden, ziemlich melancholischen Songs, zwar ohne Pedal Steel Guitar, aber immer noch in solider Akustik-Handarbeit.

Mit dem Townes Van Zandt-Cover "Snowin´ on raton" zollt er dem Anfang 1997 verstorbenen Kollegen Tribut, von dem er sich zwar nicht im Pathos unterscheidet, diese Inbrunst aber anders als Van Zandt nicht gegen sich selbst, sondern gegen seine Umwelt, die "Gesellschaft" und sein Land richtet. Zugegeben, der narbengesichtige, wettergegerbte und irgendwie authentisch wirkende Munyon hat was von rebellischen, geläuterten Veteranen à la "Geboren am 14. Juli". Er wirkt einfach "redlich" - um es mit dem Lieblingswort des Sangeskollegen Reinhard Mey zu sagen - womit wir beim Punkt wären: Stichwort "Gutmensch". Und diese ganze Hinleitung nur, um auf Munyons peinlichen Weltverbesser-Song "Save the world" zu kommen, wo zu allem Überfluß auch noch ein Kinderchor zum Einsatz kommt. Herr Zuckowski läßt grüßen. Hilfe!

Das war´s aber auch schon an Kritik. "Poet wind" ist ein schönes solides Singer-Songwriter-Album, das meist akustisch swingt, gelegentlich auch rockt. Ruhig und ohne Mätzchen, dafür mit viel Tiefgang und Schwermut - in Abwandlung des Blues-Mottos: "Sailing round the world, feeling bad".

Natürlich lohnt auch diesmal wieder ein Blick in die zweiseitigen(!) Credits des Meisters (ja, ich weiß, der Begriff wird momentan ziemlich inflationär gebraucht, aber der joviale Munyon hat einfach etwas von einem "Meister"!): diesmal finden sich unter anderem Danksagungen an die Heilige Dreifaltigkeit und die himmlischen Heerscharen, an Krishna, Vishnu, Brahma, Shiva, Buddha, Allah, Mohammed, Jessie und Joshua, Ghandi, Walt Disney, Arnie, Amy Grant, John, Paul, George und Ringo, an U2, Elvis und "you, Babe". Sei´s drum.

(Katja Preissner)

 

Cover Poet Wind

David Munyon

Acrylic Teepees

(Glitterhouse)

Steve Earle hat Townes van Zandt einmal als besten Songwriter der Welt bezeichnet, und ich bin versucht, dasselbe von David Munyon zu sagen. "Acrylic Teepees" gehört zum Besten und Anrührendsten, was ich seit langem gehört habe!

In erster Linie ist Munyon der klassische Fall eines Singer-Songwriters - mit sonorer Stimme, dem üblichen Akustikgitarren-Gezupfe und hin und wieder rockigen E-Gitarren. Wenn da nicht noch sein ausgeprägter Hang zum Country-Pathos wäre - und ganz ohne Zweifel hat dieser Mann den Blues! Also, amerikanischer gehts gar nicht mehr (natürlich singt er auch noch über diverse Insignien des "American dream", zum Beispiel über Autos etc. ...).

Normalerweise ist Munyon allein unterwegs (und mit seiner Gitarre natürlich), aber bei diesen Aufnahmen hatter er ausnahmsweise eine Band mit im Studio. Und das ist gut so, denn Munyon solo klingt oft kratzig und karg. Sicher, seine Kompositionen sind eine Kunst für sich, aber auf dieser CD kommt noch die großartige "Verpackung" dazu. Ich spreche von zurückhaltenden Arrangements mit zum Heulen schönen Pedal Steel Guitars und raffinierten Percussions. So ausgefeilt und spannend, daß jeder Song ein kleines Kunstwerk ist! Außerdem beherrscht Munyon wie kein zweiter das Timing: obwohl er die Ruhe weg hat, verpaßt er seinen Songs immer gerade das richtige Maß an Drive.

Unterm Strich ist "Acrylic Teepees" ein zartes Country-Album, sehr ruhig und mit einer geballten Ladung Wehmut. Genau das richtige für einsame Wachen unterm Sternenhimmel am Lagerfeuer...

(Katja Preissner)

 

Cover Acrylic Teepees

David Munyon

Stories from the curve: Christian Hill Community, Alabama

(Glitterhouse) [10-96]

Eine Platte von David Munyon mit 12 Stücken die auch auf seinen anderen drei Platten drauf sind. Warum muß mensch die haben? Ganz einfach: Dies ist die optimale Art Munyon zu hören. Keine unnötigen Begleitinstrumente und kein störendes, dumm rumlaberndes Publikum. Nur Klarheit von Acoustic und Stimme, Melodie und beste, authentischste Geschichtenerzählerkunst. Niemand hat oder hatte jemals diese Kraft aus der Ruhe. Seine besten und politischsten Songs vereint sind ein Genuß. Ansonsten kann ich nur auf andere Rezensionen und das Interview verweisen. Ihr wollt ja nicht immer das gleiche Geschwafel von mir hören.

Bis jetzt fragte mich noch jede(r) woher die Scheibe kommt und warum mensch noch nie von ihm gehört hat. Keine Ahnung, aber irgendwie ist man ja auch froh die schönsten Dinge nicht mit allen teilen zu müssen. Dieses ´Ding´ ist lobenswerterweise limitiert. Ich hoffe, liebes Glitterhouse, es bleibt dabei.

Nicht das wir uns falsch verstehen: Munyon live lohnt auf alle Fälle, nur muß ab und an das Publikum zur Ordnung gerufen werden. (siehe Interview)

(carrzy)

Cover Stories from the curve

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