CD-Kritik Zur Startseite

Xavier Naidoo

Alles Gute vor uns

(Naidoo Records/SPV) [6-2003]

OK, diesmal keine inhaltliche Abhandlung, jetzt geht es nur um die Musik. "Alles Gute vor uns", das zweite Live-Album Xavier Naidoos, belegt erneut, dass man am Besten nur die Liveplatten des Mannes kauft. Eigentlich gibt es keinen Grund, bei zwei Studioalben zwei Tourmitschnitte in den Konsumentenkorb zu werfen, aber Xavier Naidoo ist er auf der Bühne ein anderes Kaliber als im Studio.

Soulig, fast schon dreckig kommt seine außergewöhnliche Stimme besser zum Tragen und der organische Bandklang tut seinen bisweilen anämischen Stücken mehr als gut. Gepowert von treffsicheren Damen im Background singt sich Naidoo ausschließlich durch Songs von "Zwischenspiel/Alle Gute für den Herrn". 20 sind es insgesamt und sowohl bei den rockigen Arrangements von z.B. "Wo willst du hin" als auch bei dem schwarz gefärbten "I'd Be Waiting" kommt keine Ödnis auf.

Wenn es Xavier Naidoo gelingt, diesen Spirit (und seine Liveband) mit ins Studio zu nehmen, dann wären auch seinen "normalen" Alben erfreulicher.

(dmm)


Xavier Naidoo

Zwischenspiel/Alles für den Herrn (DoCD)

(Naidoo Records/SPV) [3-2002]

Wie sang Bruce Cockburn vor rund 25 Jahren in "Laughter":

"Let's hear a laugh for the man of the world
who thinks he can make things work
tried to build the New Jerusalem
and ended up with New York."

Alles falsch - das neue Jerusalem ist Mannheim.

Xavier Naidoo hat in Offenbarung 21,16 den passenden Vers dazu entdeckt und verkündet in "Sie ist im Viereck angelegt" seine Erkenntnis: Aha, Mannheim ist also Zion.

Lange hat es gedauert, bis sich Xavier Naidoo mit einem vollständigen Album wieder zurückgemeldet hat. Jetzt gibt's eine Doppel-CD mit 30 Titeln, unterteilt in "Zwischenspiel" mit "weltlichen" Liedern zur Lage der Nation und "Alles für den Herrn", auf der er zarte Gebete ("Wenn du willst") vertont, aber auch mit "Ich lass sie sterben" wirklich starken Tobak unters Volk schleudert.

Musikalisch fehlt mir an vielen Stellen die Lockerheit, die sein Live-Album auszeichnet; vieles wirkt statisch und manches Mal auch überproduziert. Lediglich was Xavier Naidoo an stimmlicher Bandbreite präsentiert, lässt alle anderen selbst ernannten deutschen Soulsänger ziemlich blass aussehen. Im Moment ist aber sein musikalischer Kosmos aus Rap, Soul und Pop zu klein, um 30 Titel lang spannend zu bleiben.

Wer bei "Alles für den Herrn" etwas genauer hinhört, bekommt einen tiefen Einblick in die Gedankenwelt und in den Glauben des Soul-Barden. Dass er sich mit seiner krassen Offenheit nicht nur Freunde machen wird, scheint ihm egal zu sein. Dafür verdient er sicher Respekt, aber genau hier beginnt mein Problem mit dem Album. Während sich Naidoo in Interviews gerne sanftmütig und tolerant gibt, sprechen seine Texte eine andere Sprache. Zwischen Arroganz und Hass schleudert er seine Botschaft heraus und penetriert seine Erkenntnisse ins Dogmatische.

Die Trennlinie zwischen biblisch fundierten Aussagen und Interpretationen à la Naidoo ist schwer zu ziehen, und die Idee, Mannheim sei Zion, ist noch das harmloseste Beispiel. Zu stark ist der Eindruck, dass der Sänger die Erkenntnis mit Löffeln konsumiert hat, während alle anderen "Babylonier" sind. Es hinterlässt bei mir ein ziemlich ungutes Gefühl, dass diese Platte in die Charts crashen wird und die meisten nicht merken, was hier abgeht.

Wer von sich behauptet, die Bibel intensiv studiert zu haben und mit (scheinbarem) Genuss zusieht, wie die Welt den Bach runtergeht, der hat 'ne Menge von Jesu' Lehren überlesen.

(dmm)


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