CD-Kritik Zur Startseite

Naked Lunch

Songs For The Exhausted

(Motor Music/Universal)

Naked Lunch sind nicht vom Glück verwöhnt. Sie sind im positiven Sinne immer im oberen Mittelfeld mitgeschwommen. "Aber in manchen Belangen sind wir unseres eigenes Glückes Schmied. Da spielt auch Eigenverschulden mit", gesteht Oliver Welter. In 13 Jahren haben sie fünf Alben zustande bekommen. Ihr aktuelles, das bei einem Major erscheint, ist das reifste und beste. Die zuletzt gewonnene Abgeklärtheit hat sie zu neuen und zu anderen Taten motiviert. "Songs For The Exhausted" ist unter schwierigen Bedingungen entstanden. Welter stand zwischenzeitlich gar ohne Wohnung und Freundin da. Um Geld zu sparen, produzierte die mit Olaf Opal im heimischen Studio in Klagenfurt. Ohne Plattenvertrag wohlgemerkt.

Dass Motor Music – nach vielen Absagen anderer Kandidaten – bei "Songs For The Exhausted" zugriff, ist erfreulich. Denn eigentlich ist "es ein komplexes und schwieriges Album" (Welter). Es bedarf Zeit, sich mit den negativen Stimmungen vertraut zu machen. Doch das macht "Songs For The Exhausted" sympathisch. Es ist sicherlich kein Album für Zwischendurch. Die Fülle an Details – ob in Bezug auf den Sound oder die Instrumentierung – machen die besondere Würze aus. "Wir haben alles erdenkliche an Instrumentarien zusammengetragen" (Welter). Diese Mühe hat sich fürwahr gelohnt.

(kfb)

Naked Lunch

Love Junkies

(Big Store/Mercury)

Bei den ersten Klängen der Disco/New Wave angehauchten Nummer "Disco Madness" dachte ich nur an eine unnötige Eighties-Reminiszenz mit Klaus Cornfield (Remember Throw That Beat In The Garbagecan) am Gesang. Also schmiß ich die CD erst mal schulterzuckend auf den Stapel. Typischer Fall von Kritikerschwäche.

Ich laß dann einiges über Naked Lunch, was ich niemals mit dem gehörten Stück assoziiert hätte. Sixties, Pop, Himmelsstürmersongs, Liebeslieder voller Sehnsucht gaben die einschlägigen Gazetten der Musikwelt als Beschreibung an. Also wieder rein in die Schublade meines Players und schon wurde mein erster Eindruck über den Haufen geworfen. Die Attribute meiner Schreiberkollegen treffen zu und darüber hinaus kann man die Liste mit der Auszeichnung "internationales Format" versehen. Endlich mal eine deutsche Band, die klingt, als kämen sie direkt aus den englischen Charts (Irgendwann werde ich für die Verehrung des Vereinigten Königreiches wegen Vaterlandsverrat von Skins Schläge beziehen oder des Landes verwiesen - na und?!).

Absoluter Hit ist die (geglückte) Auskopplung "Closed Today" und das mit Streichern, Bläsern und Percussion angereicherte "Silvertown". Schön auch das von Bassist Herwig Zamernik gesungene "Summer Now". Gegen Ende wirkt "Love Junkies" allerdings, als hätte man die schwächeren Songs nach hinten verlagert, was die Angelegenheit etwas langatmig wirken lässt. Darüber hinaus ist der etwas knödelige auf Helium anmutende Gesang von Oliver Welter etwas nervtötend. Naja - einziger Wehrmutstropfen für eine ansonsten erstaunliche Platte.

(fred)


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