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Neurosis


Times Of Grace


(Music For Nations/RTD)
NEUROSIS sind und bleiben (vielleicht) für alle Ewigkeit eine meiner absoluten Favoriten im Bereich "harte Musik". Ihren die Seelen reinwaschenden, produktiven Szenarien zu lauschen ist für mich immer und immer wieder ein Erlebnis der ganz besonderen Art. Vor allem wenn ich mal nicht die Sonne in mein Herz gelassen habe und lieber schmolle und den Rest der Welt hasse, dann lege ich gerne eine Platte besagter Band auf. Und mit dieser Vorgehensweise bin ich nicht ganz allein, denn meines Wissens nach erfreuen sich NEUROSIS ständig wachsender Beliebtheit. Das kommt nicht von ungefähr. Ihre Alben und ihre Auftritte versprechen höchste Qualität. Von den alles andere als oberflächlichen Interviews ganz zu schweigen.

Um den hohen Qualitätsstandard halten zu können, werkelten die Neuroten eifrigst in ihrem Proberaum an Songideen und ließen diese gedeihen und reifen bevor sie sich dem Produzentengenie Steve Albini anvertrauten. Er hatte bei "Times Of Grace" die Nachfolge von Billy Andersson anzutreten und wie nicht anders zu erwarten war, löste er seine nicht unbedingt einfache Aufgabe ein weiteres Mal mit Bravour. Jeder Song ist durch das vorsichtige Drehen von Knöpfchen, das Schieben von Reglern und das genaue Ausrichten spezieller Mikrofone perfekt eingefangen worden. Das war auch wichtig, schließlich hatten es sich NEUROSIS zur Aufgabe gemacht, mit ihrem sechsten Album eine heikle Balance zwischen aufwühlenden Wutausbrüchen und besinnlichen, leicht depressiv angehauchten Ruhephasen zu finden. Das garantiert Abwechslung und Überraschungsmomente. Dave Edwardson hält sich mit seinen sonoren Schreien fast gänzlich zurück, statt dessen übernehmen Scott Kelly, Steve van Till und Noah Landis die Gesangparts. Sie wissen ihr Handwerk außerordentlich effektvoll einzusetzen und lassen (wie selten zuvor) keine Schwäche erkennen. Das Album wirkt wie aus einem Guß und überzeugt von vorne und hinten. Absolute Höhepunkte sind zweifelsohne "Belief", "Descent", "Times Of Grace" und "The Road Of Sovereignty".

(kfb)

 

Cover Times of Grace

Neurosis


Through silver in blood


(Iron City Records/Pias) [5-96]
Ziemlich harter Stoff, das Ganze. Die Platte liegt einem schwer im Magen, was nicht heißen soll, daß sie schlecht ist - alles, was dich irgendwie berührt, ist ja besser als Gleichgültigkeit. Obwohl ich mir da auch nicht immer sicher bin.

Ich mochte den Vergleich nie, weil er zu abgedroschen ist, aber beim neuen Album von Neurosis scheint er wirklich haargenau zu passen: Diese Platte ist ein Höllentrip durch die Seele. Der Soundtrack zum erneuten Durchleben deiner Alpträume aus der Nacht zuvor.

Quälend langsam schleppen sich die neun Stücke dahin, mal laut und hart, mal super-leise und fast verschwindend. Flüstern, Brüllen und Gitarrenlärm. Der expressive Gesang läßt ein Verstehen der Texte kaum zu. Dann wieder Passagen, die an Hörspiele erinnern.

Ein Wunderwerk der Dekonstruktion, ein verstörendes Hörerlebnis, das ich Gott sei Dank nicht im November, sondern im Frühling besprechen durfte. "Through silver in blood" hat die gleiche morbide Faszination wie ein Film, den du als Kind nie sehen durftest, weil er zu brutal, zu ehrlich war und von dem du heute weißt, er ist irgendwie gut - aber Angst macht er dir immer noch.

(km)

Cover NEUROSIS

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