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Nobodys


Generation XXX


(Hopeless Records)
Die ersten Takte dieses Album sind Geschrammel und krachende, scheppernde Becken-Tuschs, die normalerweise das Ende eines verschwitzten und erfolgreichen Konzertabends beschließen. Nicht aber bei den Nobodys. Hier bilden sie den Auftakt für 25 Stücke puren Rock'n'Rolls - und das frei nach dem Motto: "Chuck Berry was born to create rock-n-roll, we were born to destroy it." Dieser Devise folgen die Nobodys, die heftigst mit einem leicht durchschaubarem Proletenimage kokettieren und mit arroganten (oder doch nur provokanten?) Songtiteln um sich werfen. Aus der Generation X wird statt dessen die dreifach gekreuzte Nachwuchsgemeinde gemacht und die Songs werden von solch literarisch wertvollen und überaus intelligenten Titeln wie "Best Damn Tits (I've Ever Seen)", "Fat Hookers", "James Got A Blow Job", "I Love To Fuck", "Tania Got A Tit Job", "Ain't Noone Getting Laid" oder "I Really Like Girls" gekürt, die jeder Feministin das Blut zum Kochen bringen. Was das soll, weiß kein Mensch, die Band wohl am wenigsten. Bei denen scheint jegliche Rettung zu spät zu kommen. Auf ihrem Wohnzimmertisch stapeln sich nämlich leere Bierdosen neben leeren Pizzaschachteln, Videokassetten mit freizügigem Inhalt und verklebten Pornoheftchen.

Ihre Namen passen ebenfalls wie die Faust aufs Auge: Johnny Loser, Randy The Kid, Justin Disease (mit Traci Lords-T Shirt abgelichtet!) und Francis Anthony Superstar. Na ja, wer nicht hübsch ist, muß das mit kindischen Pseudonymen kompensieren (siehe Marylin Manson). Zu allem Übel schicken sie ihren Fans die folgende Message zu: "Send naked photos (...) OK kids - if you write and ask for free stuff, you will not get a response... we're just as broke as you jackass!" Na wunderbar. Alles also nur pure Provokation oder doch Lebenseinstellung? Diese Frage ist aus der Distanz schwer zu beantworten, obwohl das Konzept dermaßen überladen ist mit billigen Klischees, daß die Nobodys beileibe nicht ernst zu nehmen sind. Eins ist sicher: So oder so ist es kein rühmliches Bild, das die vier gelangweilt bis böse dreinschauenden Jungs da abliefern. Eine CD, die ohne schlechtes Gewissen im Mülleimer landen könnte, ja, wenn da nicht die Musik wäre. Zwar hat der Schlagzeuger neben dem Studieren von Nackedei-Zeitschriften nur Zeit zum Erlernen eines Rhythmus gefunden, dafür holen seine drei Kollegen das ein oder andere Eisen aus dem lodernden Feuer.

Andererseits verblaßt die Musik im Laufe der Zeit sehr schnell und verliert aufgrund der vorherrschenden Eintönigkeit im Nu an Reiz. Am Ende halt doch nur Durchschnitt, da rettet sie alles andere auch nicht.

(kfb)

 

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