CD-Kritik Zur Startseite

The Notwist 

Neon Golden

(City Slang/ Virgin)

Ich bin Stimmen-Fetischist - eine gute Stimme kann eine Platte schon mal über den Durchschnitt heben, wenn sonst der Rest nicht so prall ist. Markus Acher von The Notwist ist definitiv kein guter Sänger; "Neon Golden" ist trotzdem ein gutes Album. Versucht, The Notwist mit allen Vorurteilen dieser Welt zu begegnen, versucht krampfhaft, diese Platte scheiße zu finden - es wird euch beim Hören nicht gelingen.

Die zehn Songs lullen dich ein, entführen dich in einen Soundzirkus, in dem Dinge häufig nur angedeutet werden, aber so geschickt eingesetzt sind, dass sie am Schluss immer das Ganze ergeben. Auch auf ihrem fünften Album bleiben die Weilheimer ihrem Stil treu, tappern aber dieses Mal auf ruhigeren Pfaden.

Trotz aller Einflüsse, die hier verwurschtelt werden, und der vorwiegend elektronischen Klanglandschaft steht gutes altes Songwriting im Vordergrund. Das sind dann groovende kleine Soundmonster wie "Pilot", das beklemmende "Solitaire" oder der relativ eingängige Opener "One Step Inside Doesn't Mean You Understand". Und irgendwann hat man sich sogar an die nölende Stimme gewöhnt.

(dmm)

 

The Notwist

12

(Community/I.R.S.) [6-95]

Gäbe es so etwas wie die Indie Charts deutscher Bands, dann wären The Notwist aus Weilheim mit ihrer dritten full-length-CD von Platz 0 auf 1 gestartet, und die Konkurrenz hätte es sicherlich schwer, diesen Zustand in nächster Zeit zu ändern.

Mit Superlativen, wie Geniestreich, sollte man im Allgemeinen vorsichtig umgehen, doch sind die Gebrüder Acher und Martin Messerschmid nahe dran, einen solchen fabriziert zu haben. Wer hätte gedacht, daß der Folge-Release zu 'Nook' stilistisch soviel anders geartet wäre? Das ehemalige Konzept, wuchtige Heavy- Metal-Riffs mit J. Mascis (Dinosaur Jr.)- artigem Gesang zu verquicken, hat zu Gunsten einer experimentielleren Songgestaltung abgenommen. Etwas verspielt waren The Notwist ja schon immer, aber nur im Spektrum ihrer klassischen Rockbesetzung (Gitarre, Baß, Schlagzeug, Gesang).

Die Songstrukturen bei '12' wurden um einige Arrangements mit Baßklarinette, Kontrabaß, Cello und diversen Samples erweitert, so daß vor allem eine größere Abwechslung als zuvor geboten wird. Dieser Umstand geht allerdings nicht zu Lasten von wunderschönen Melodien, die hauptsächlich aus der Feder von Markus Acher stammen. Er hat das gleiche, treffsichere Händchen für Hits, wie Kollege Krite (Speedniggs, Great Tuna, Sharon Stoned etc...), der bei '12' den drei Weilheimern mit Gesang und Orgel zur Seite stand. Die Kollaboration zwischen Ostfestfalen (Krite und Schneider) und Bayern hat schon auf der letzten Sharon Stoned funktioniert und es ist für eine deutsche Szene, die in den letzten Jahren kaum Unterstützung aus dem eigenen Land erfahren hat, umso wichtiger, wenn eine gegenseitige, musikalische Befruchtung, wie in diesem Fall, in Zukunft Nachahmer finden würde.

Als besonderer Leckerbissen sind die ersten 5000 CDs mit einer Bonus-CD versehen. Auf ihr enthalten ist ein Remix von 'Torture Days', der durch den weiblichen Gesang von Cindy Dall (von Smog!) und das Arrangement sehr 'Tricky- mäßig' rüberkommt. Also auf die Plätze, fertig und ran an den Speck.

(fred)

 

Cover-The Notwist: 12

Datenschutz
Zum Hinternet-Weblog Zum Kalender Galerie zum Archiv Impressum