CD-Kritik Zur Startseite

Nightmares On Wax

Mind Elevation

(Warp/Zomba)

Ich sage es wirklich nicht gerne, komme aber nicht umhin, es zu tun. Nightmares On Wax haben an ihrer bis dato allseits be- und anerkannten Brillanz verloren. "Mind Elevation" ist nicht das von der ersten bis zur letzten Sekunde fesselnde Album geworden, da sich manch einer erträumt hatte. Es fehlt etwas. Der geniale Moment zum Beispiel, in dem man als Hörer felsenfest davon überzeugt ist und denkt: Das ist es. Der fehlt. Ob es daran liegt, dass George Evelyn seinen Drogenkonsum stark eingeschränkt hat? Er sagt, er wolle nicht den lieben langen Tag lang stoned sein. War das der entscheidende Fehler? Ist ihm dadurch die einstige Außergewöhnlichkeit abhanden gekommen? Es mag vielleicht auch daran liegen, dass die neue Frauenstimme der Band, Chyna B, nicht richtig bis zu unseren Ohren durchdringt, da sie abgesehen von ihrer Qualität viel zu selten auf den Stücken eingesetzt wurde.

Nun hört sich das alles so an, als wäre es "Mind Elevation" nicht wert, gehört zu werden. Das wiederum ist der falsche Schluss. Das Album hat durchaus seine Reize und verweist viele von Evelyns Konkurrenten in ihre Schranken. Das allerdings mag nicht ausreichen, um Anhänger der frühen Alben weiterhin an sich zu binden. Doch ich lasse mich gerne eines besseren belehren. Lichtblicke sind zumindest "Date With Destiny", "Environment", "Know My Name" und "70s 80s" (mit Sänger LSK). Der Rest plätschert etwas monoton vor sich. Oder war mein Anspruch schlichtweg zu hoch?

(kfb)

 

Nightmares On Wax

DJ-Kicks

(Stud!o K7/Zomba) [10-00]

Die mittlerweile etablierte DJ-Kicks-Serie aus dem Berliner Hause Stud!o K7 hat nach Kruder & Dorfmeister, Kemistry & Storm, Stereo MC's und Kid Loco ein weiteres Highlight anzubieten. Dieses Mal wurden Nightmares On Wax an die Plattenteller und Mischpulte gebeten, um die Remixkunst unter Beweis zu stellen. George Evelyn, der Nightmares On Wax-Mastermind, kam diesem Wunsch gerne nach. Der bei Warp unter Vertrag stehende DJ und Produzent aus Leeds hat mit den Alben "A Word Of Science: The 1st And Final Chapter", "Smoker's Delight" und "Carboot Soul" drei Klassiker des Elektrogenre komponiert, denen jede(r) globaldenkende Musikbegeisterte(r) wohl schon in der ein oder anderen Form begegnet sein dürfte/sollte.

Schon 1995 mit der Erstellung der DJ-Kicks-Platte beauftragt, brauchte er einige Jährchen, um dieses zu komplettieren. Die Mühsal jedoch zahlt sich aus. Zum einen beeindruckt seine Songauswahl, zum anderen sein Gespür, die verschiedenen Musikstile gekonnt und fließend ineinander zu faden. Ob eher klassischer HipHop, gemütliche Elektro-Sounds, jazzige Tunes oder Funk, in seinen Händen scheint alles zu Gold zu werden und dementsprechend zu glänzen. Vielleicht das beste DJ-Kicks-Album ever.

(kfb)

Nightmares On Wax

Car boot soul

(RTD) [4-99]

"Car boot soul" ist im Grunde ein Instrumental-Werk, und der musikalische Navigationsdienst ortet die Scheibe irgendwo zwischen Trip Hop und Funk-Jazz. Synthetik mit nervösen Rhythmen zu coolem Gewaber in gemäßigtem Tempo: für meinen Geschmack leider etwas uninspiriert, denn zum einen fehlen packende Melodien - ach was, hier fehlen Melodien schlechthin, wahrscheinlich lenken die beim Chill Out zu sehr ab. Aber so nudelt das Teil halt fade vor sich hin...

Das andere Defizit liegt in der mangelnden Tiefe, und das mein ich hier vollkommen perspektivisch: der Goodwill zum Sphärischen ist zwar vorhanden, aber richtiger Trance beginnt erst in anderen Gefilden. Gut, ich höre schon die berechtigen Einwände: "Aber wenn die nunmal keinen Trance machen wollen, sondern einfach nur verschrobenen, lahmen Hip Hop?!". Okay, aber die verquasten Loops und die Ansätze diverser Dub-Echos machen eher den Eindruck des Wenn-ich-mal-groß-bin-werd-ich-ein-tranciger-Trip-Hop. Irgendwas Langsames, Repetitives mit Beats halt.

Mit dem Wörtchen "Soul" im CD-Titel hat es zumindest seine Richtigkeit, denn die einzigen Vocal-Einsprengsel klingen schwarz und smooth. Und weiblich. Mit ihnen kommt tatsächlich auch so was wie Atmosphäre auf, aber mehr als akustische Deko sind sie nicht. Zum Schluß will ich jedoch noch etwas versöhnlich werden: Take 3 ist klasse und animiert meine Fußspitzen augenblicklich zum Mitwippen. Es handelt sich um eine Mischung aus Hip Hop und Acid-Jazz mit funkigen Bläsern und dezentem Hintergrund-Gesäusel im Stil quasi-instrumentaler Philly-Sound-Stücke. Und als Draufgabe gibt´s noch ein paar wunderbar hallende Beat-Gitarren à la Shadows und ein klein bißchen Hammond-Plüsch. Also, dieser Take ist wirklich begnadet, aber ich geb zu, daß mich auch die gefällige Melodie sofort für ihn einnimmt. Der Rest sind aneinandergestückelte Sample-Fragmente und haben in meinem Ohr nichts verloren

(Katja Preissner)

Cover Car Boot Soul

Nightmares On Wax

Smokers Delight

(RTD) [2-96]

"Smokers Delight" klingt wie die Musik zu dem noch zu drehenden Film "One Nation Under A Groove". Der Film müßte von einer Welt handeln, in der es nur Samstag-Nachmittage mit Sonnenschein und Strandpartys am heimischen Badeweiher gibt, und in der sich die Menschen immer im Flow der Musik bewegen und lieben.

Die musikalischen Grenzen auf der zweiten Platte des englischen DJ-Projektes NIGHTMARES ON WAX sind fließend. "...but at the end of a day it's Hip Hop" nennt E.A.S.E., alias George Evelyn, die Musik seines Ein-Mann-Projektes selber. Unzählige Sampleschleifen und Soundspielerein zeichnen die Platte aus. Wie schon das Debüt der NIGHTMARES (1991, "A Word Of Science", damals noch zu zweit) beginnt auch "Smokers Delight" mit einem fetten "Summer In The City"-Sample von Quincy Jones. Das Thema zieht sich wie ein roter Faden durch das gesamte Album, das wieder fast auschließlich Intrumentalmusik enthält. Neben vielen Soul- und Funksamples gibt es reichlich Ambient, Dub und Breakbeat - alles sehr smooth und mellow und irgendwie eben immer Hip Hop. Supergroße Platte.

(tk)

Cover Nightmares On Wax

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