CD-Kritik Zur Startseite

Zufallsgrafik von R. Wünsch

Blog

News & Texte & Kolumnen

Historischer Kalender

Aktuell 16205 Einträge

Galerie

Zeichnungen & Fotos

Archiv

Altlasten aus 15 Jahren


Oasis

Familiar To Millions

(Big Brother / Sony Music)

Die Ära 'Creation Records' beenden Oasis mit der Doppel-Live-CD "Familiar To Millions", die im Sommer 2000 im Wembley Stadion mitgeschnitten wurde. 18 Tracks, 70.000 Kehlen, ein Sound wie geleckt, viel Bombast, mächtig Druck und klasse Songs. Klingt 1A. Der Schein trügt etwas. Zu perfekt, zu geschniegelt und gestriegelt. Wenn da nicht doch ein paar Overdubs nötig waren, um dem Perfektionsdrang gerecht zu werden? Vielleicht aber auch einer der seltenen Momente, in denen sich Noel und Liam nicht gegenseitig von der Bühne mobben. Man weiß ja nie...

(kfb)

 

Oasis

Standing On The Shoulder Of Giants

(Epic)

Oasis ist eine Band, die man gut finden muß oder wenigstens sollte. Seit 1993 versuchen alle Musikjournalisten dieser Welt uns begreiflich zu machen, wie wichtig diese Band ist. Es wurde sogar eine eigene Schublade für sie kreiert: Brit-Pop. Folglich hatte kein Musikkritiker den Mut, etwas Schlechtes über die Beatles-Klone zu schreiben und jeder Konsument, der etwas auf guten Musikgeschmack hält, kaufte artig die CD´s.

Bis heute kenne ich aber niemanden persönlich, der Oasis wirklich gut findet! Jemand, der die CDs für eine absolute Offenbarung hält und sie nicht nur aus dem Regal zieht, wenn musikinteressierte Gäste da sind (Ach, du hast auch die neue Oasis?! Klar, ist ja auch ´ne geniale Platte.) Eigentlich logisch, daß sich irgendwann die Journaille an ihnen satt gehört hat, bzw. urplötzlich feststellt, daß die Jungs ja nie sooo gut waren. Als hätte man es ja schon immer gewußt. Somit hätten die fünf Engländer "Standing On The Shoulder Of Giants" (Epic) gar nicht veröffentlichen müssen - im Vorhinein war klar, daß der journalistische Kollektivzwang Oasis an die Wand schreibt.

Erlaubt mir hier einen kleinen thematischen Ausflug: Wer viele verschiedene Musikmagazine liest hat das Phänomen bestimmt schon bemerkt: Wenn z.B. die englische Presse ein Album bereits verrissen hat, schreiben eigentlich nur noch Schülerzeitungsredakteure von dem "Album des Jahres". Ein seriöser Musikredakteur quetscht sich dann höchstens noch ein "so schlecht ist die neue XY gar nicht" aus den Rippen. Grundsätzlich gilt: Wenn etwas schön schräg klingt und gar nicht gefällt, gibt´s immer Innovationspunkte - vielleicht verpaßt man ja die neue Supergroup während man zuhause immer noch die Platten aus den 70ern hört. Wenn dann Besuch kommt, hat man ja schließlich all die "interessantristischen" (Danke, Westbam, für diesen Ausdruck) CDs im Schrank, die man zwanghaft gut finden muß. Ausflug zu Ende.

Wenden wir uns wieder der Band zu, die auf der Schulter von Riesen steht. Liam hat seinen ersten Song veröffentlicht, Bassist und Gitarrist sind neu und Noel findet seinen Bruder immer noch scheiße. Summa summarum ist die neue CD auch nicht schlechter als die ersten drei Alben. Nur diesmal sind die schwachen Songs noch schattiger und es fehlen die richtigen Highlights à la "Wonderwall". Die experimentelle Krachnummer "Fuckin´ In The Bushes" ist völlig daneben, und auch die erste Single "Go Let It Out" entlockt keine Begeisterungsrufe. Gut wird die CD erst, wenn die Innovationswut nachläßt und Oasis "nur" noch melodischen Brit-Pop machen. Und da die Gallagher-Brüder scheinbar alles geben, um als unsympathische Vollspacken zu gelten, reicht es mir schon, wenn sie hin und wieder so ein nettes Lied wie "Where Did It All Go Wrong" veröffentlichen. (Deshalb verkneife ich mir jetzt, auf der Symbolik des Songtitels herumzureiten!)

(dmm)

 

Oasis

Be here now

(Sony)

Engländer können nicht kochen. "Made a meal and through it up on sunday, I`ve got a lot of things to learn" klagt Liam Gallagher. Singen kann er jedenfalls, und gute Songs schreiben auch. "Be here now" titelt das neue Album von Oasis, und, keine Angst, lieber Liam, wir sind hier. Jetzt und auch in Zukunft. Vor allem, wenn Du und Dein Bruder Noel weiter so tolle LPs abliefert...

Scherz beiseite, es liegt nicht nur an den Medien, daß, wenn immer über Oasis gesprochen wird, die Rede ist von Arroganz, Brüderzwist und grenzenloser Überheblichkeit. Gut für die Publicity, ja, aber auch kontraproduktiv. Leider. Über jeden Zweifel erhaben sind jedenfalls die Songs auf "Be here now". Klasse Arrangements verbinden sich mit dem leicht irreal wirkenden Gesang Liam Gallaghers, Gitarrist Noel sorgt mit einer gehörigen Prise Rock dafür, daß die Sound nicht in einem Popsumpf versinkt. Fast könnte man neidisch werden, wie leicht, mühelos sich die Musik von Oasis anhört.

Egal, ob Ohrwürmer ("Stand by me", "Don`t got away"), krachende Nummern ("Fade in - Fade out", "I hope, I think, I know") oder Balladen ("All around the world") - alles wirkt aus einem Guß, klingt stimmig und kommt gut rüber. Vielleicht, ja vielleicht hat ja Liam doch recht, wenn er meint, Oasis sei die beste Band der ... Doch halt, wollen wir nicht übertreiben. Solange jedenfalls diese Band solche Alben abliefert, wird kein Weg an ihr vorbei führen. Und außerdem: Wer seit Sam Coke sang "Stand by me" schöner? Eben.

(ms)


Zum Hinternet-Weblog Zum Kalender Galerie zum Archiv Impressum