CD-Kritik Zur Startseite

Orbital 

The Altogether

(ffrrr/Warner)

Alle Jahre wieder bescheren uns die Gebrüder Hartknoll eine neue Lektion wie sich elektronische Musik in England anzuhören hat - großspurig, ravend, ohne minimale Ausflüge auskommend. So die Bestandsaufnahme bis dato. In Verbund mit den anderen Größen der Insel so wie Underworld, Prodigy und den Chemicals sind Orbital einen Tick weniger Hauruck und versuchen doch eine Menge Abwechslung in ihr Programm einfließen zu lassen.

Ihre ganz große Zeit liegt allerdings bis Anfang und Mitte der Neunziger zurück, als sie zuerst durch das Album "Snivilization" und der zugehörigen Single "Are we here?" den Brit Award für das beste Dance Video/-Album 1994 gewannen und dann ein Jahr später mit der LP "Insides" und dem dazu gehörenden Smash Hit "The Box" noch einen draufsetzen konnten- wer erinnert sich nicht gerne an das Spion-Video, indem die Hartknolls ihre Köpfe austauschen und im Köfferchen mit sich rumtragen?

Dann die große Enttäuschung: Das Album "In the Middle Of Nowhere" (2000) verpuffte einfach sang- und klanglos im nichts- und das nachdem Orbital zu sowas wie den Helden der Dance Armada avanciert waren, alle großen Raves beschallten und mit ihrer weniger prolligen Variante dieser Generation immer zeigten, wie smart es ist Bon Jovis "Living On A Prayer" mit Belinda Carlisles "Heaven is a Place on Earth" zu verwursteln.

Man kann auch auf "The Altogether" den Spassfaktor beim Samplen raushören und liest man die Anmerkungen zu den Samplequellen im Booklet nach, dann ist es offensichtlich, dass sich Orbital vornehmlich weißer Künstler - oft aus dem Rock`n´Roll-Bereich bedienen, so wie The Bananamens "Surfin`Bird" im eirigen Opener "Tension", Ian Durys "Hit Me With Your Rhythm Stick" bei der Auskopplung "Funny Break", die auch wirklich Hit-Charakter besitzt, oder gar Tools "Sober" im elektrobeatlastigen "Tootled".

Wie man an der Beschreibung unschwer kann: diese Platte ist ein Gemischtwarenladen an Sounds und Beats. Orbital hatten ja noch nie Angst vor komplexen Geschichten, auch nicht vor Gitarren. Die Englische Mesh-Culture noch mal auf den Punkt gebracht. Mit "The Altogether" können die Hartknolls vielleicht wieder auf der Insel an frühere Erfolge anknüpfen, da neben dem Groove wieder gute Hooks existieren. Ob der Rest der Welt sich allerdings noch an dem etwas altbackenen Konzept des "Mehr ist mehr" laben können wird, ziehe ich in Zweifel.

(fred)

 

 


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