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Pizzicato 5


Playboy & Playgirl


(Matador/Rough Trade) [4-98]
Nach drei auch für den westlichen Markt erhältlichen Platten kommt nach zwei Jahren und etlichen Remix-Projekten die vierte Pizzicato Five wie der Frühling über einen zu langen Winter. Irgendwelche gravierenden Auffälligkeiten zum sonstigen Ouevre gibt es keine. Gut so?

Eingeschworene Easy-Listening-, Bungalow-Label- und Sixties-Fans werden nach wie vor dieser Musik eine Liebeserklärung zukommen lassen. Mastermind Yasuharu Konishi hat immer noch eine der bestsortierten Plattensammlungen was Soundtracks aus den Sechzigern angeht, doch ich vermisse den magischen Moment den Twiggy vs. James Bond bei Made in USA ausgemacht hat. Vielleicht liegt es daran, daß Pizzicato Five mittlerweile einen Rattenschwanz von Epigonen nach sich zieht und man sich an diese Kinderpop-Kitsch-Clownerie allmählich gewöhnt hat; doch Ehre wem Ehre gebührt, schließlich haben wir es hier mit den Originalen zu tun!

Schade finde ich, daß Maki Nomiya mittlerweile nur noch in ihrer Muttersprache singt. (Nicht von den englischen Titeln irreführen lassen!) Das Englische gepaart mit japanischem Akzent sorgte nachhaltig für einen zusätzlichen Augenzwinker. Laut Info sehen sich P5 mittlerweile von sogenannten Soft-Rock Arrangements eines Curt Boettcher und Jimmi Webb (The Associaton, The Fifth Dimension) inspiriert. Waren es zuvor etwa andere Einflüsse? Naja vielleicht diesmal etwas weniger Burt Bacharach oder Bert Kaempfert, diesmal mehr Henry Mancini und Peter Thomas, wer weiß? Dieses Urteil überlasse ich gerne den Easy-Listening-Spezialisten.

(Fred)

 

Cover Pizzicato 5

Happy End of the World


(Matador/Rough Trade) [10-97]
Japanische Verwirrungstaktiken.

Da klingt ein Stück nach leichtfüssigem, französischem Chanson, heißt auch noch "Ma vie, lété de vie", der Text ist aber auch für Frankophone gänzlich unverständlich - weil japanisch.
Da sind die Fotos im CD-Booklet, die Pizzicato 5 als Menschen mit altmodischem (Mode)Geschmack und zugleich einem Hang zu moderner Technik ausweisen.
Und da ist der Widerspruch des CD-Titels.

Ja, die Welt der Pizzicato 5 ist geprägt von Gegensätzen. In den über 10 Jahren ihres Bestehens waren Pizzicato 5 nie mehr als drei. Inzwischen besteht die Band nur noch aus Sängerin Maki Nomyia und dem Soundtüftler Yasaharu Konishi (die zahlreichen Gastmusiker nicht gezählt). Sie - die divenhafte Sängerin, die vom Auftreten her an Audrey Hepburn in "Frühstück bei Tiffany" erinnert, er der Tüftler, für den das Studio wohl so etwas wie ein musikalisches Legoland ist, in dem fröhlich Easy Listening, brasilianische Rhythmen, französisches Chanson, Filmmusik und (viel) Drum'n'Bass zusammengemischt werden.

Das Ergebnis ist ein ebenso leichtfüssiges wie abwechslungsreiches Vergnügen. Popmusik wie sie sein sollte: eingängig und fortschrittlich zugleich.

(wm)

Cover Pizzicato 5

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