CD-Kritik Zur Startseite

Ringsgwandl 

Gache Wurzn

(Lawine/Virgin 7243 850763 2 9)

Ringsgwandl? Der telegene Kauz mit dem Sprachfehler? Quatsch. Chuck Berrys "C´est la vie" als eingedeutschter Opener stellt klar: That´s Rock´n´Roll. Und das Kauderwelsch ist Bayerisch. Komma nix moachn. Warum auch? Wertkonservativ und rustikal, wie man´s in Bayern nunmal mag, pflegt man dort auch den akustischen Schrammelrock alter Schule. Und zwar so beseelt, wie vielleicht nichtmal in Hamburg, London, Tennessee. Flinke Finger swingen durch den wunderbar runden, funkelnden Gitarren-Sound uramerikanischer Prägung. Elektrischer Singer-Songwriter-Rock für lange Fahrten nachts auf der Autobahn. Mal rootsy, mal folky, mal bluesig und meistens mit fließenden Melodien. Bei Ringsgwandl (Tak: Bass; Skip: Drums; Georg Ringsgwandl: Gesang und Gitarre, Nick Woodland: Gitarre) kreuzen sich Stephane Grappelli und Neil Young. Und Young singt hier Dylan-Schärfe und Haindling-Idiom.

So nebenbei reflektiert Ringsgwandl dabei mit gewohntem Lakonismus den ganz normalen Wahnsinn im bundesdeutschen Alltag, liefert die Geschichten hinter den Unfallmeldungen in der Tagesschau, deckt mit diebischer Freude das Grauen hinter den weißen Gardinen auf. Ringsgwandl eben. Kein Kuriosum, sondern die letzte Rock´n´Roll-Bastion vor der Grenze. Tief im Süden.

(Katja Preissner)

 

 


Zum Hinternet-Weblog Zum Kalender Galerie zum Archiv Impressum