CD-Kritik Zur Startseite

Sand 11

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(Ladomat/Zomba)

Ein Label, das stets mit elektronischem Intelligenzpop zu überzeugen wußte, hier mit keiner Ausnahme. Schon die Namen der Mitglieder des Duos, Jimi Siebels (Ego Express) und Pascal Fuhlsbrügge (Kolossale Jugend - und L`age D`or-Mitbegründer), sind vorbelastet, so dass man enttäuscht wäre, wenn die Herangehensweise an poppige Housemusik so platt wäre, dass die zwölf Stücke nicht auch Platz für einen Diskurs über leichte Kost im Kühlregal des Popallerlei bieten würde. Kein House für die Großraumdisko, aber dennoch mit Massenappeal. Das Urteil verhält sich wie Obstgarten zu überzuckerten Puddings: Leicht und nicht zu süß; ja man kann diese Platte oft genießen, ohne daß sie einem wegen zu penetranter catchyness nach mehrmaligen Hören anödet.

Intelligenz drückt sich hier aber nicht in schwerer Zugänglichkeit oder Verschrobenheit aus, sondern vielmehr durch das Wissen um den geeigneten Zeitpunkt und an welcher Stelle eine Hi-Hat einsetzen muß, um dem Track das letzte Quentchen Schubkraft zuzufügen. Charmante Begrenztheit der Mittel und Selbstzensur im positiven Sinne gepaart mit einer Prise Do-It-Yourself-Charme sind die Eckpfeiler der Popdefinition von Sand 11. Die grobe Marschrichtung House bedeutet in diesem Kontext keine starre Haltung zu Beats, Filterbedienung und Disco-Samples. Patterns wechseln sich innerhalb eines Stückes auch mal ab. Verschiedene Teile wie in der klassischen Songschreiberschmiede deuten auf eine existierende Strophe und einen Refrain hin und liebliche Melodiechen werden mit dem was sich gerade im Studio findet und als zweckdienlich erscheint zusammengebastelt. Dabei wird auch mal auf die Stimmen illustrer Beiwohner zurückgegriffen.

Nach allen Floorkickern schließt "Drinks with Umbrellas" den Reigen clubtauglicher Tanzanimationen mit einer den Rahmen sprengenden countryesken Ballade. Frank Spilker von Die Sterne und Peta Devlin (die auch auf zwei weiteren Stücken ihren Gesang beisteuert) singen im Duett wie ein besoffenes Urlauberpärchens am Meer, das wegen der Routine des Strandprominierens die Ferien nur noch mit Alkohol zur ertragen scheint.

(fred)