CD-Kritik Zur Startseite

Olli Schulz & der Hund Marie 

Brichst Du mir das Herz, dann brech' ich Dir die Beine! 

(Grand Hotel Van Cleef 2003)

Das junge Hamburger GHVC-Label baut sein Repertoire langsam weiter aus. Neu im Stall ist Olli Schulz, der, anstatt immer nur die Verstärker zu schleppen, jetzt selbst auf der Bühne stehen will. Bei seinem Debütalbum handelt es sich um solide produzierten Gitarren-Erzähler-Pop mit vielen ruhigen Balladen. Es hinterlässt den Eindruck von durchaus vorhandenem Singer-/Songwriterpotential, welches aber noch reifen muss.

Bei dieser Art von Musik sind zwei Dinge immer sehr wichtig: die Stimme und die Texte. Ob Ollis Stimme eine zum Verlieben ist, läßt sich nicht objektivieren. Über die Texte läßt sich schon eher etwas sagen. In einem der besseren Songs gibt es die schönen Textzeilen "Trotzdem gehen wir beide getrennt / und Bruce spielt wieder ohne E-Street Band", die aber auch schon einen der wenigen lyrischen Höhepunkte darstellen. Manche der Texte haben nicht viel zu sagen; viele sind nicht rund, ohne sperrig zu sein; vieles dazu so angedeutet und verschlüsselt, dass man schnell weghört. Es handelt sich um eine Gefühlsplatte ohne besonders viele intensive oder gar extreme Gefühle. Eher geht es um alltägliche Probleme und Begegnungen, die auch eher alltäglich erählt werden. Dazu treten einige Comedy-Elemente, die unverbunden neben dem Rest des Albums stehen. Olli Schulz findet/fand es affektiert, als Musiker zu viel Schmerz zu zeigen und muß so teilweise auf Meta-Ebenen-Witze ausweichen: Ein Hit über die Produktion eines Hits; ein Song, der einen gut durch die Nacht bringen soll und in dem hauptsächlich genau davon gesungen wird; ein Mixtape-Song als Zaunpfahlwinkmaterial für Mixtapes.

Gegen Ende des Albums bekennt sich Olli Schulz dazu, sich "anders als der ganze Rest" zu fühlen und manchmal zu glauben, er lebe "nur aus Protest". Dabei sieht er sich als letztes Königskind einer längst vergangenen Zeit, der den Blues nicht neu erfunden hat, aber verdammt nah dran war/ist. Hier spielt Selbstironie mit, leider zuwenig und offensichtlich wird: Olli Schulz fühlt sich manchmal vereinzelt, ist damit und ansonsten aber ziemlich normal. Ich bin gespannt, ob und welche Entwicklung es zum zweiten Album geben wird.

(sk)



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