CD-Kritik Zur Startseite

Sepultura

Under A Pale Grey Sky

(Roadrunner/Universal)

Nur um Verwirrungen zu vermeiden: Unter freiem Himmel hatten Sepultura seinerzeit nicht gespielt. Es war der 16. Dezember 1996, der letzte Gig der Europatournee. Die fand in der Brixton Academy zu London ihren Abschluss. Damals war die Welt der Sepulturas noch in Ordnung – zumindest nach außen hin. Man ahnte nicht, dass sich Max mit Bruder Igor überworfen hatte. Es sollte allerdings der letzte Auftritt mit Max Cavalera gewesen sein, wie sich später herausstellen sollte. Insofern ist "Under A Pale Grey Sky" ein interessantes Zeitdokument. Waren bis dato nur vereinzelt Live-Stücke der Band auf B-Seiten, als Bonustracks oder auf einem miserabel mitgeschnittenen und überteuerten Bootleg zu bekommen, gibt es heute endlich die Live-Bedienung im ansprechenden Soundgewand und mit Sepultura-typischem Artwork. Und das sogar im Doppel-CD-Format. Was will man mehr? Dass die Band mit voller Intensität zur Sache geht, versteht sich sowieso von selbst.

(kfb)

Sepultura 

Nation

(Roadrunner / Connected) (3-01)

Jetzt gilt es allerspätestens zu zeigen, dass der Werggang von Sänger, Familien- und Bandmitglied Max Cavalera keine nicht wieder zu kittenden Risse im Firmament von Sepultura hinterlassen hat. "Nation" heißt das zweite Album der brasilianischen Band, auf dem Derrick Greene am Mikrophon zu hören ist. Er, der nach längerer Suche Max Cavalera zu ersetzen wusste, entpuppt sich als gute Wahl. Während sein Vorgänger, nunmehr Kopf von Soulfly, mit einem guten Debüt und einem verhängnisvoll schlechten zweiten Album an den Erfolg von einst nicht anknüpfen konnte, ergeht es seinen einstigen Wegbestreitern Andreas Kisser (Gitarre), Paolo Pinto (Bass) und Igor Cavalera (Schlagzeug) wesentlich besser. Sie können locker Schritt halten ohne gleich aus der Puste zu kommen. Daraus lässt sich der Schluss ziehen, dass der Input von Max nie so hoch war, dass er nicht nach dessen Ausstieg zu kompensieren war.

"Nation" ist ein typisches Sepultura-Album, das allerdings nicht (wie etwa Fear Factorys "Digimortal") für Stagnation steht. Das Quartett hat an sich gearbeitet und den bereits Jahre zuvor erarbeiteten Sound (Metal-, Tribal- und Hardcore-Einflüsse) verfeinert, sprich perfektioniert. Kompromisslos, hart und endlich auch wieder klasse. Plötzlich macht es wieder Spaß, eine schon für tot geglaubte Band zu hören. Man möchte am liebsten gleich "Arise" und "Roots Bloody Roots" hinterher schieben, um die geweckten Erinnerungen an einst nicht zu ersticken.

Ja, Sepultura leben und haben ihr Handwerk nicht verlernt. Dass sie auch in Musikerkreisen einen guten Ruf genießen, kann man an der von Album zu Album wachsenden Gästeliste ablesen. Dieses Mal waren es Marinho (Pavihao 9), DJ Product (Hed P.E.), Jello Biafra, Jamey Jasta (Hatebredd), Dener (Inferno) und Dub-Legende Dr. Israel. Sie tragen mit ihrem jeweils unterschiedlichen Background zum artenreichen Stilsammelbecken der Band bei. Lediglich Apocalyptica hätten zu Hause bleiben sollen. Ihre Klassik-goes-Metal-Crossover ist eine Totgeburt.

(kfb)

 


Zum Hinternet-Weblog Zum Kalender Galerie zum Archiv Impressum