CD-Kritik Zur Startseite

Sleep


Jerusalem


(Rise Above/Music For Nations/RTD)
Die Doom-Ikone Lee Dorrian, Besitzer und Gründer des Labels 'Rise Above', hat sich den Zuschlag für das letzte Werk von SLEEP gesichert. Leider ist die Band kurz nach den Studioaufnahmen in die ewigen Jagdgründe abgetaucht. Schade, denn was ich bis dato von SLEEP kannte, hat mich immer überzeugt. "Jerusalem" also heißt das Abschiedswerk der Amis und darauf befindet sich offiziell ein einziger Song (obwohl mein CD-Player immerhin sechs Stücke anzeigt!), der sage und schreibe 52 Minuten und acht Sekunden lang ist. Das nenne ich Doom. Kann man länger für einen Song brauchen? Okay, allerhöchstens 74 Minuten, denn dann ist die CD schließlich voll. Aber immerhin. Ich frage mich nur, wie die Jungs dieses Mammutstück eingespielt haben? Wochenlange Versuche und dabei wieder und wieder von vorne angefangen? Oder haben sie kleinere Fehler einfach in Kauf genommen?

Wie auch immer, so anstrengend oder öde es sich anhören mag, sich einem 52-minütigen Doom-Song widmen zu müssen, so klasse ist dieses Epos (diese CD? dieses letzte Lebenszeichen?). Das allerdings erkannte ein Major, der die Band schon unter Vertrag hatte, nicht und schmiß sie achtkantig raus. Das Budget des Studioaufenthaltes war wohl mehr als übertroffen worden. Die Gründe liegen auf der Hand: zu viel Dope gekauft und geraucht und zu viele Tage bekifft im Studio verbracht, um den Song endlich im Kasten zu haben. Auf der anderen Seite wirklich frech von SLEEP, so leichtfertig den hoch dotierten Majordeal aufs Spiel zu setzen. Sie haben sich demnach einen Scheißdreck um Geld und Erfolg geschert.

Einzig und allein die künstlerische Freiheit und die damit verbundene musikalische Entfaltung und Selbstbestätigung war ihnen wichtig. Nach dem geplatzten Deal und den vollendeten Aufnahmen kursierten Bootleg-Versionen von "Jerusalem" durch die eingeschworene Doom-Gemeinde und erst jetzt hat sich jemand getraut, das seinerzeit als "unveröffentlichbar" abgestempelte Werk der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Und obwohl der Song (das Album? das Werk?) aus lediglich drei Riffs besteht und nur selten gesungen wird und sich ewig in die Länge zu ziehen scheint, gehört er zum besten, was die Sparte Doom derzeit zu bieten hat. Wahrscheinlich wird noch in Jahren "Jerusalem" den üblichen Standard um Längen übertreffen können.

(kfb)

Cover Sleep: Jerusalem

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