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Sophia

People Are Like Seasons

(Labels)

--->Sophia-Interview

Nein, ich will mich nicht beklagen. Musikkritiken schreiben macht Spaß, aber zumindest ich bekomme alle paar Monate eine Sinnkrise. Wenig Neues, viele Mutanten und manches Mal scheint es keine Worte mehr zu geben, um das ewig Gleiche zu beschreiben. Wenn dann allerdings das neue Jahr mit einem musikalischen Highlight wie "People Are Like Seasons" beginnt, kommt der musikmissionarische Eifer mit einem Schlag zurück.

Sophia ist das Projekt von Robin Proper-Sheppard, der früher bei The God Machine war und mit "People Are Like Seasons" bereits das dritte Sophia Album veröffentlicht. Die ganz große Düsternis hat er abgelegt, aber mit der großen Hoffnung will es auch noch nicht so recht klappen. So schaukelt sich "People Are Like Seasons" durch eine ambivalente Gefühlswelt, die von Trauer, Wut über Resignation bis hin zu Aufbegehren die ganze Emotionspalette bereithält.

Die Stimme erinnert ein ums andere Mal an Billy Corgan und in den etwas härteren Songs sind Grunge-Nachwehen zu spüren. Aber Proper-Sheppard nutzt diese Einflüsse nur, um seinen eigenen Stil weiter auszubauen. Wer bei so viel Moll bei der Stange bleibt, wird dann am Ende mit "I Left You" und "Another Trauma" mit den zwei schönsten Titeln des Albums extraordinär belohnt. "...and I promise tomorrow I'll start with a smile yeah yeah yeah..." ("Another Trauma").

(dmm)


Sophia

De Nachten

( Flower Shop/Zomba)

Ihre Schallplatten und CDs werden im Internet hoch gehandelt. Ein Zeichen dafür, dass Angebot und Nachfrage ein Ungleichgewicht ergeben. Wer Sophia und deren Vorgängerband The God Machine kennt, der wird beide abgöttisch lieben und die Tonträger wahrscheinlich nie wieder freiwillig hergeben. "De Nachten" ist das neueste Lebenszeichen von Robin Proper-Sheppard, dem Mann, der mit seiner unverwechselbaren Stimme einen großen Anteil an der Einzigartigkeit beider Bands hat. Die Stücke - alt wie neu - wurden im Januar im Paradiso in Amsterdam live mitgeschnitten. Wie bei seinem Krefelder Konzert in der Lutherkirche Mitte April, sorgen Streicher für das perfekt-harmonische Volumen. So kommen die melancholisch-verträumten, ja fast schon hypnotischen Lieder/Texte, die einem eine Gänsehaut nach der anderen den Rücken runtertreiben, so richtig zur Geltung und lassen einen wieder und wieder die Repeat-Taste drücken und in einer Parallelwelt verschwinden.

(kfb)

 

 

Sophia

The Infinite Circle

(Flower Shop Recordings/RTD)

Meisterwerke sollen sicherlich ebensowenig vor dem Abend gelobt werden wie alles andere, das Gefallen weckt und ohne weiteres Begeisterung hervorruft. Daß Robin Proper-Sheppard Mist fabriziert, hätte ich als Fan seiner songschreiberischen Künste sowieso nicht für möglich gehalten. Schon zu The God Machine-Zeiten erwies sich seine Stimme und sein Gitarrenspiel als perfektes Auffangbecken negativer Emotionen, in denen sich der Hörer bis zum Weinkrampf ertränken konnte. Was dieser Mann zu Papier bringt, respektive in Töne verwandelt, gehört anscheinend automatisch zur Schattenseite unseres aller Daseins. Selten (wenn überhaupt) keimt Hoffnung in seinen Texten auf, selten (wenn überhaupt) kriechen frohlockende Tonfolgen aus den Speakern wenn ein SOPHIA-Silberling unter dem Laser rotiert.

Mister (oder lieber Monsieur) Sheppard (er wohnt nicht mehr in London, sondern in Belgien) scheint gezeichnet - und manchmal glaube ich, daß er noch immer nicht den Tod des "göttlichen" Bassisten Jimmy Fernandez verdaut hat, der zugleich einer seiner engsten Freunde war und Anfang der Neunziger mit ihm aus den USA flüchtete und sich in London niederließ. Er zeigt sich von Depression und Trauer angetrieben und bringt dies wie schon auf dem Debüt "Fixed Water" sehr überzeugend rüber. "The Infinite Circle" hört sich keiner im Schnelldurchlauf an und läßt sie links liegen, wenn er etwas Herz übrig hat und das ein oder andere Mal die kunterbunte Brille absetzt und der Realität ins kalte Auge schaut. Ich möchte mich fast für diese Schwarzmalerei entschuldigen, doch warum? Irgendwo haben wir alle unsere schwarzen Löcher und den damit verbundenen Hang zur Depression. Anbei daher folgende Textzeilen als Anreiz zum aufmerksamen Hinhören:
"Do you really think that I never loved you and every day I think of everything I could ever say" (aus "Every Day"), "Woman, you are a whore, at least you are a happy one, woman it is not easy to forget that you destroyed me, I don't think I'll ever be the same again" (aus "Woman") oder "Going to the river to find someone to protect me from what I've become" (aus "The River Song").

Diese Themen sind sicherlich nicht neu (wie auch, bei der Flut von Texten, die täglich irgendwo entstehen?), aber die Herangehensweise und die Sichtweise sind interessant. Vielleicht bin ich auch der einzige, der sich für solch depressive Musik derart begeistern kann.

(kfb)

 

Cover Sophia

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