CD-Kritik Zur Startseite

Squarepusher 

Go Plastic

(Warp/Zomba)

Nach "Music is rotten one note", dem 70-er Fusion Soundalike mit Kellerproduktion und Liveinstrumenten hatte ich Tom Jenkinson aus dem Auge verloren, erzählte mir jemand, das darauffolgende Album sei doch recht gewöhnlich und langsam und vielleicht gab es auch Spannenderes zu dem Zeitpunkt. Auf alle Fälle kann ich heute nicht mehr nachvollziehen, warum ich nach "Music is...", die mit seiner Bitches Brew - Aura eine Art unpopulärsten Retro zelebrierte, nicht weiter für ihn interessierte. Wie dem auch sei. "Go Plastic" makiert ein "Go-back to the roots": Frickel Drum`n´Bass wie Squarepusher auf seinem grossartigen - weil damals neuartigen - Erstlingswerk auf Restless der Menschheit zeigte, wie man Jaco Pastorius mit Aphex Twin kreuzen kann. Der Bass diente dem bärtigen Derrwisch damals - wie dem Weather Report - Bassisten - als Jazzfusion - Ausdrucksmittel, nur nicht in Richtung Rock, sondern Breakbeat. So abartig verhexelte Beats und die wahnwitzigen Bassläufe, die darauf aus waren schneller als der Drumcomputer Zwischenschläge mitzubetonen, hatte man bis dato noch nicht gehört. Auch heute quält Sqarepusher den Zuhörer noch mit seiner Atomisierung der Zeit - Beats. Der Bass frickelt nicht mehr mit, stattdessen serviert Squarepusher mehr Störgeräusche auf dem Neuling, dass man den Titel "Go Plastic" so verstehen kann, als wolle er diesmal jegliche Natur (-instrumente) aussen vor lassen.

Auch kurze Ergholpausen wie in Stück No. 5 täuschen nicht darüber hinweg, dass was Luke Vibert aus seiner Musik eliminierte, nämlich der radikale Nervnerd, hier nochmal voll aufgefahren wird. Der einzige Unterschied: Wir kennen diese Variante des Drum`n´Bass mittlerweile und der "Shock Of The New" wird sich nie wieder einstellen, wie anno 1997. Man erwartet von solchen Frühbegabten wie Squarepusher wahrscheinlich zu viel, wenn man den Novelty-Aspekt bei jedem seiner Platten erwartet. AC/DC waren auch mit ständigen Wiederholungen ihrer Musik gut- bis zu einem gewissen Punkt. Will hoffen, dass Tom Jenkinson weiss, wann Zeit ist in eine andere Richtung zu gehen, was er ja auch schon bewiesen hat.

(Fred)

 

 


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