CD-Kritik Zur Startseite

Subway To Sally

Engelskrieger

(Motor/Universal)

Wenn man in einer Sackgasse steckt, sollte man zusehen, dass man möglichst schnell wieder herauskommt. Da sich Mittelalter und Rock in den vergangenen Jahren nicht gerade zur Schnellstraße entwickelt hat, haben Subway To Sally einen Ausweg gesucht und sich in eine noch düsterere Sackgasse manövriert.

Der Rammstein-artige Opener "Geist des Kriegers" lässt zwar noch schlimmeres vermuten, aber auch die weiteren zehn Songs können nicht wirklich begeistern. Stumpfes Riffing, kalter Sound und eine bedrohliche Nähe zu ach so bösen Buben wie Rammstein und Konsorten. Es ist mir offen gestanden ein Rätsel, warum sich ein so begabter Songwriter und Musiker wie Ingo Hampf mit vergleichsweise uninspirierten NDH-Riffs über die Zeit rettet. Und ich jammere nicht dem Mittelaltersound hinterher, es ist vielmehr die Arrangementvielfalt, die auf "Engelskrieger" komplett verloren gegangen ist. Es dominiert ein wuchtiger Sound und Subway To Sally haben erkennbar ihren augenzwinkernden Humor verloren.

An manchen Stellen blitzt dann die Klasse dieser Band auf und ein Song wie "Unsterblich" wird trotz aller Härte mit einer unwiderstehlichen Hookline veredelt. "Engelskrieger" mag ein Neuanfang sein, aber das Septett ist extrem schlecht aus dem Startblock gekommen. Ich bin enttäuscht.

(dmm)


Subway To Sally

Herzblut

(Island Records/Universal)

Da sind sie wieder - die Mittelalterrocker, die bei so vielen Menschen Allergien auslösen. Wobei, ich kann mir vorstellen, dass auch einige treue Anhänger an "Herzblut" zu schlucken haben. Die Gitarren sind nicht mehr so brachial wie auf "Hochzeit", aber auch die folkloristischen Elemente der ersten Alben verblassen immer mehr. Subway To Sally 2001 sind eine hörbar gereifte Rockband, die sich von der Schublade "Mittelalter" nicht beschränken lassen. Der stärkste Song des Albums, "Kleid aus Rosen", flirtet mit moderner Rhythmik, während "Veitstanz" eher traditionell klingt. Richtig gut sind auf dem gesamten Album die sakral anmutenden Chorgesänge; ich bin gespannt, ob das in der Live-Umsetzung genauso präzise funktioniert. "Herzblut" ist vielschichtiger als Alles, was Subway To Sally bislang veröffentlicht haben. Besonders der Verzicht auf Mitgröhl-Refrains steht dem Septett gut zu Gesicht. Pünktlich zur Albumveröffentlichung sind die Musiker auch wieder ausgiebig on the road. Unbedingt anschauen!

(dmm)

Subway To Sally

Schrei

(BMG Ariola)

Subway To Sally ist eine Band für Fans. Wenn diese die Vorzüge der sieben Mittelalter-Rocker anführen, fallen die selben Begriffe, wie wenn die Gegner die Abscheulichkeiten aufzählen. Gut, über Texte, Pathos, Bühnenshow kann man diskutieren, "Schrei" ist eine wuchtige, ungeschminkte Live-CD, die Anhängern wie Gegnern gleichermaßen Argumente liefert, warum die Band so genial / unerträglich ist. Das Album ist definitv für all die Fans, die seit Jahren treu zu den Subway To Sally-Konzerten pilgern. Unter diesem Aspekt erfüllt das erste Live-Dokument der Band alle Erwartungen. In 73 Minuten donnert ein wahres Best-Of-Programm über die Köpfe hinweg. Fetter Sound, brodelnde Live-Atmosphäre und Songs wie "Traum vom Tod", "Grabrede" oder "Maria" lassen keine Wünsche offen. Die Chemie zwischen Musikern und Publikum ist fast greifbar. Selbst der größte Zweifler bekommt eine Ahnung davon, warum die Band immer vor vollem Haus spielt. Außerdem untermauern Subway To Sally deutlich, dass sie zu den "Machern" und nicht zu den "Nachmachern" des Mittelalter-Rock gehören.

(dmm)

 


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