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Trans-Am

AT

(Thrill Jockey/Indigo)

Major Tom? Depeche Mode? The Cure? Kraftwerk? Yes? Queen? Was ist denn im Hause Trans Am los? Früher ein Garant für Noise, dann mit Elektro angebändelt und jetzt in den Achtzigern gelandet. Sie überraschen einen immer wieder. "Cold War", "Molecules" und "Run With Me" geben Anlass für kleinere Irritationen. Die Nostalgie hat also selbst vor der Band aus Washington DC nicht halt gemacht. Auf dem Cover posen sie gar in weißen Anzügen. Oh je. Was wie ein Ankoppeln an einen Trendzug wirkt, ist ein authentischer Schachzug. Was Kylie Minogue kann, das können nämlich Trans Am schon lange. Also her mit altertümlichen Casio-Beats, Glam und Glitter und rein in die Zeitmaschine. The Car, New Order, The Human League, Visage - das waren Zeiten. Trans Am haben verstanden, worauf es damals ankam und die Ideen von einst mit modernen Strömungen vermischt, sprich Wave mit Punk und Rock und Elektro. Und trotzdem rocken ihre Songs wie die Hölle.

(kfb)

Trans-Am

Surrender to the night

(City Slang/Efa) [2-97]

  "Surrender to the night" ist ein Album-Titel, den man meiner Meinung nach nur wählt, wenn man a) das Mainstream-Hard-and-Heavy-Ghetto noch nie verlassen hat oder b) zeigen möchte, daß man Humor hat. Eine ganz bestimmte Sorte Humor, die eigentlich gar nicht so lustig ist. Wenn dann auf dem Cover auch noch ein Sonnenuntergang zu sehen ist, der ein bißchen zu romantisch für unsere postmoderne Zeit daherkommt, dann ist klar: Bei Trans Am sind wir im Land der intellektuellen Spitzfindigkeiten gelandet.

Leider gilt diese Bestandsaufnahme nicht nur für das Layout des Albums, sondern auch für die Musik. Um das mal klarzustellen: Ich habe nichts gegen Intellektualität - allerdings stelle ich mir darunter etwas anderes vor als akademisches Bildungsbürgertum. Aber genau diesen Eindruck vermitteln die Drei von Trans Am über weite Strecken der Platte: Hier basteln und pfriemeln sich 23jährige ein Album zusammen, das experimentell und anders sein soll und das dennoch sehr bemüht und blutleer klingt.

Anders als der "Trans Am" benannte Vorgänger läßt "Surrender to the night" keine klare Linie erkennen. Die Band hat ihr Spektrum der Instrumentalmusik (Zitat: "Gesang ist die größte und unnötigste Ablenkung der Welt") erweitert, was der CD aber nicht unbedingt gut tut. Zu beliebig ist die Aneinanderreihung von Stilen, sie spielen von jedem ein bißchen was, aber vertiefen nichts. Ein wenig Ambient, ein bißchen 70er-Elektronik-Geblubber, etwas Drum 'n' Bass und die vom Vorgänger-Album bekannten Bass-Gitarre-Schlagzeug-Rocker, die meiner Meinung nach noch am spannendsten sind.

Richtig aufregend wird's in der Mitte von "Rough Justice", dem fünften Take, einem dieser rockigen Stücke, das urplötzlich von einem Geräusch überdeckt wird, das nach einem über den Plattenteller rutschenden Tonarm klingt. In diesem Moment ist "Surrender to the night" das, was es idealerweise auf der gesamten Länge des Albums sein könnte: fesselnd und innovativ. Diese Qualitäten finden sich aber nicht oft, meist zeigen Trans Am nur, daß sie auf der Höhe der Zeit sind und sich im geschmackssicheren Bereich bewegen. Das ist dann zwar sehr nett anzuhören, kann mich aber nicht vom Stuhl hauen.

(km)

 

Cover Transam-Surrender to the night

Trans-am

Trans-Am

(City Slang/Efa) [4-96]

TRANS AM sind ein aus Maryland stammendes Instrumental-Trio mit deutlichen Bezügen zur Rockmusik. "Gesang ist die größte und unnötigste Ablenkung der Welt", meint Bassist Nathan Means, wie seine beiden Kollegen im Jahr 1973 geboren. Die experimentellen Sachen von KING CRIMSON ("Red") und deutscher Kraut-Rock scheinen die wichtigsten musikalischen Einflüsse für TRANS AM zu sein.

"Ballbados", die Eröffnungsnummer, ist zugleich auch das dynamischste Sück der CD. Kraftvoller Bass-Drum-Rhytmus und eine Gitarrengeniedel, das an seelige 70er-John McLaughlin-Jazz Rock-Tage erinnert. BLACK FLAG klangen bei ihren Instrumental-Experimenten ähnlich, wenn auch mit wesentlich schrägerem Sound. Neben Drum, Bass und Gitarre spielen die drei von TRANS AM auch noch auf diversen alten Casio-Keyboards herum. Experimentaler Trio-Rock soll das wohl sein. Stellenweise klingen TRANS AM schon sehr überzeugend, oftmals klingt es aber auch noch zuviel nach einer vom Kopf gewollten Abgrenzung gegenüber den mittlerweile zum Mainstream gewordenen US-Underground- und Alternative Rock-Bands.

Wahrscheinlich sind die drei Jungs von TRANS AM aber letztendens doch nur Fans der kanadischen Progressive-Hard-Rocker RUSH. Produziert hat die CD übrigens mal wieder John McEntire (TORTOISE, SEA & CAKE), der sich langsam aber sicher zum Bill Laswell der 90er Jahre zu entwickeln scheint. Vielleicht produziert er ja auch das nächste Mick Jagger Solo-Album.

(tk)

Cover Transam


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