CD-Kritik Zur Startseite

The Vines

Winning Days

(Capitol/EMI)

Die englische Musikpresse neigt bekanntlich gerne dazu, um die ein oder andere Band einen Hype zu kreieren. Mal berechtigt, mal weniger. Neben den Strokes, Kings Of Leon oder gerade jetzt Franz Ferdinand war vor knapp zwei Jahren der Fokus auf die australischen The Vines und ihr Debüt "Highly Evolved" gerichtet. Durchaus berechtigt. Jetzt kehrt das Quartett mit dem Nachfolger "Winning Days" zurück.

Weniger gespannt als damals, dafür aber mit einer höheren Erwartungshaltung, läuft die Platte und überzeugt direkt beim ersten Mal. Natürlich erfinden sich die Vines auf "Winning Days" nicht neu. Brauchen sie auch nicht. Denn in punkto Abwechslungs-reichtum glänzten die Sydneyer bereits auf ihrem Erstling.

Eine ähnlich bunte Mischung ist auch jetzt wieder zu hören. Mit dem wesentlichen Unterschied, dass laute Stücke wie "Fuck The World" oder "Animal Machine" noch kraftvoller klingen und ein ruhiger Song wie "Autum Shade II" eben noch leiser ausfällt als zuvor. Ob dies mit den Albumaufnahmen in den Bearsville Studios zu Woodstock in Verbindung steht, bleibt offen. Könnte aber durchaus zutreffen, da ein Gefühl von Friede-Freude-Eierkuchen bei etlichen Nummern der Platte mitschwingt. Warum auch sonst würde man noch heute einen Song "Sun Child" taufen?

Auf der anderen Seite stehen die schnellen und dreckigen Up Tempo-Tracks, bei denen Craig Nicholls Stimme gerne noch nie gehörte Töne anreißt. "Winning Days" ist ein mehr als ordentlicher Nachfolger der Vines, mit dem sie sich keineswegs hinter ihren Freunden Jet verstecken müssen - laut Bassist Patrick Mathews Meinung sind die nämlich besser.

(mm)

zuerst erschienen in: Nachtschicht 4/04


The Vines 

Highly Evolved 

(Heavenly/EMI)

Den Namen dieser Band müssen sie sich nicht sofort merken. In den kommenden Wochen wird er ihnen immerwährend eingebläut werden. So wie zuletzt der von The Strokes oder The White Stripes. Es ist abzusehen, dass The Vines dank ihres Debüts "Highly Evolved" (EMI) die Schlagzeilen der Feuilletons und Musikmagazine dominieren werden. Das britische Pop-Blatt NME umschrieb die Newcomer als perfekte Mischung aus Nirvana und den Beatles. Ein gar nicht so weit hergeholter Vergleich. Ihre erste Single "Highly Evolved" bringt es gerade mal auf knapp über anderthalb Minuten und versprüht die rohe Energie früher Nirvana-Songs. Gleiches lässt sich über die zweite Single "Get Free" sagen. Ein Nackenbrecher. Nicht zu vergessen die beiden Ohrwürmer "In The Jungle" und "Outtathaway!".

An anderen Stellen wandeln The Vines wie prophezeit auf ähnlichen Pfaden wie Lennon, McCartney, Starr und Harrison. Sie zügeln sich, lassen für ein paar Momente die schmetternden Gitarren und die wütenden Gesänge beiseite und widmen sich vor Selbstbewusstsein strotzenden Melodien, die mehr Britpop denn alles andere sind - "Autumn Shade", "Homesick", "Country Yard" oder "Mary Jane". Von wegen Jungspunde. Äußerlich vielleicht. Tief im Innern sind The Vines freche, alte Hasen. Sollte der Hype noch so groß um diese Band werden, die Musik wird darunter keineswegs leiden oder auch nur einen Deut schlechter werden. "Highly Evolved" gehört gehört.

(kfb)


Zum Hinternet-Weblog Zum Kalender Galerie zum Archiv Impressum