CD-Kritik Zur Startseite

Wagon Christ 

Musipal

(Ninja Tune/Vital)

Auf dieses Label passt Luke Vibert aka Wagon Christ wie der Papst zum Vatikan. Die Gründer des Zen-Imperiums, Coldcuts Matt Black und Jonathan More, gingen wohl in den Tagen ihrer Pioneerarbeit mit einer gleichsam ungestümen Leidenschaft an die Arbeit, die das Zusammenschneiden vieler kleiner Samples zu Loops, die eigentlich nicht zusammenpassen, beinhaltet. Auch Herr Vibert schustert sich so seine Stücke, meistens unterlegt von einem Hip-Hop-Groove oder sonstiger Breakbeatrhythmik gesellen sich Kinderhörspielkasetten zu den Jungle Brother´s "I House You" (Cris Chana), oder Jazzbecken zu Acidbasslines ("Tomorrow Acid").

Dem Spieltrieb Herrn Viberts sind wahrlich keine Grenzen gesetzt und so bekommt man ein Sammelsurium von Schnipseln aus der Wundertüte geschüttelt, dass man sich fragt, ob ein Überraschungsei mit drei Sachen auf einmal doch nicht zu wenig zu bieten hat. Schon 1997 entdeckte ich auf dem (Kölner?) Kleinstlabel "Electro Bunker" eine phosphoriszierende E.P. von Wagonchrist mit dem Titel "London is a country". Das Stimmensample für die Drum`n´Bass-auf-LSD-Nummer ist aus meinem absoluten Lieblingsfilm "Whitnail and I", und schon hatte ich Herrn Vibert ins Herz geschlossen. Auf der Suche nach mehr Weirdness stieß ich auf ein Beispiel, das zeigt, dass Remixe 1000 mal besser sein können als das Original: Der Wagonchrist - Remix von Ken Ishi`s Extra. Dann das Plug - Project, auch nerdigster Drum`n´Bass, der das Hektische von Squarepusher mit Global Goon´s süßen Kindermelodien paarte.

A propos Global Goon... Dessen Macher muß wohl öfters mit Herrn Richard James alias Aphex Twin und Herrn Vibert kiffend vorm Atari zugebracht haben - schließlich ließt man, dass diese gemeinsam ein Haus bewohnten. Die meisten Stücke von Musipal sind auch schon mindestens drei Jahre alt und haben alle immer noch diese Spleenigkeit, wofür ich Herrn Vibert danke. Ein paar langsamere Stücke reihen sich ein, was man dann aber auch von Herrn Viberts LP für MoWax kennt, die ich seinerzeit allerdings nicht sooo berauschend fand.

Musipal zeigt, dass Drum`n´Bass jenseits der Darkness eines Ed Rush UND der Mellowness von Herrn Bukem existieren kann. Und der Ganja Kru ruf ich zu: Versucht´s mal mit mehr Humor und kifft einen mit Herrn Vibert.

(fred)

 

 


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