CD-Kritik Zur Startseite

The Walkabouts

Shimmers

(Glitterhouse/Indigo)

Es ist eigentlich leicht: Wenn man ein Best-Of-Album zusammenstellt, klebt man alle Hits hintereinander und wartet, bis es Weihnachten ist. Oder man hat nur einen Hit, macht es sicher noch leichter und stellt einfach die Lieder zusammen, die man gerne mag und die zusammenpassen. Voller Unachtsamkeit veröffentlicht man das Ding kurz nach dem Hochsommer und dabei heraus kommt eines der stimmigsten Best-Of-Alben der vergangenen Jahre.

"Shimmers" spannt einen Bogen von 1993 bis 2001 und obwohl die Songs keiner Chronologie folgen klingt das Album homogen. Die älteste Aufnahme "Poor Side Of Town" fällt gegen das neue Material wie "Radiant" weder klanglich noch qualitativ ab. Und da so wunderbare Titel wie "Drown" und "Findlay's Motel" (Live) drauf sind, muss man "Shimmers" jedem ans Herz heften der nicht mindestens sechs Walkabouts Alben besitzt. Ach ja, der einzige Hit ist "The Light Will Stay On" und der war 1996 sogar auf Platz 99 in den englischen Charts.

(dmm)

Cover Walkabouts-Shimmer

The Walkabouts

Train leaves at eight

(Glitterhouse)

Wenn The Walkabouts mal etwas Zeit brauchen weil die Stücke für ein neues Album noch nicht beisammen sind und gerade keine Tournee und kein neues Chris & Carla-Projekt ansteht, dann produzieren sie gerne ein "Zwischendurch-Album". Vor sieben Jahren hieß das "Satisfied Mind", brachte ihnen viel Kritikerlob ein und versammelte diverse Coverversionen angelsächsischer Musiker. Das neue Überbrückungs-Werk heißt "Train Leaves At Eight" und ist wieder eine Sammlung von Fremdkompositionen, nur dass sich die Walkabouts diesmal auf Songschreiber vom europäischen Festland beschränken

Die Beschränkung auf den Kontinent ist vielleicht überraschend, aber durchaus konsequent. Denn die Walkabouts sind eine Band mit europäischer Ausrichtung - eine Band zudem, die auf unserer Seite des Atlantiks mehr gilt als in ihrer Heimat. Bei den ausgiebigen Tourneen quer durch Europa sammelten sie den musikalischen Repertoirefundus aus dem sie für dieses Album fleißig schöpfen. So findet sich auf "Train leaves at eight" ein buntes Kaleidoskop europäischer Songschreiberkunst das von Stars wie Mikis Theodorakis oder Jacques Brel über mäßig bekannte Namen wie Goran Bregovic, Deus, Solex und Stina Nordenstam bis hin zu bei uns kaum bekannten Musikern wie Lluis Llach oder Jose Maria Branco reicht. Auch zwei deutsche Bands werden von den Walkabouts gewürdigt: Blumfeld (mit "So lebe ich") und die - zumindest in Deutschland - immer noch chronisch unterbewerteten Neu!

"Train leaves at eight" ist ein Album im typischen Walkabouts-Stil: getragener Folk-Pop, mit gehöriger Portion Melancholie, ausgefeilt und technisch versiert. Was in letzter Zeit gelegentlich vor lauter handwerklicher Perfektion in gepflegter Langeweile zu erstarren drohte erhält durch die Fremdkompositionen eine belebende musikalische Infusion. Gute Melodien und die Herausforderung, eine neue, den Originalen trotzdem adäquate Umsetzung zu finden machen aus diesem "Zwischendurch-Album" eine Perle. Eine Perle, die einem neben exzellenter Musik auch die Möglichkeit bietet, neue Songschreiber zu entdecken.

(wm)

Cover: Walkabouts - Train leaves at eight

Datenschutz
Zum Hinternet-Weblog Zum Kalender Galerie zum Archiv Impressum