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Ween

White Pepper

(Mushroom/Zomba)

Wem beim Titel "White Pepper" nicht die Beatles einfallen, der ist selber schuld. Britischer Pop in den Hochzeiten des Psychedelic, durch den Wolf gedreht von einer amerikanischen Spaßtruppe namens Ween. Natürlich sind Dean und Gene keine echten Brüder, und natürlich heißen sie auch nicht Ween. Nicht mal Dean und Gene.

Bei allen historischen Referenzen - der Sound auf "White Pepper" bleibt der von Amerikanern, die über 30 Jahre später versuchen, wie die Fab Four zu klingen. Das kennt man von Weezer und von Wilco. Ween gehen die Sache allerdings viel gewitzter, viel cleverer an. Ihre Pop-Songs sind kleine Geniestreiche, strotzen nur so vor Gimmicks, nehmen von Western bis Easy Listening alles mit, was nicht bis drei auf den Bäumen ist, und lassen trotzdem noch den Schalk durch ihre perfekte High Fidelity-Produktion durchscheinen. Wie auch nicht, wenn zwischen den Space-Hymnen mit Hippie-Flair noch Platz ist für waschechten Calypso, Old School-Metal und Stoner Rock.

Die Kehrtwenden geschehen so blitzschnell und ohne jeglichen Reibungsverlust, dass man das Gefühl nicht loswird, einer einzigen Maskerade im Album-Format beizuwohnen. So sind sie halt, die Ween-Brüder. Ihr Opus geriert sich als großer Witz, und den Spaß geben sie an ihr Publikum weiter. Verglichen mit Ween ist Beck ein kühler Eklektiker und Lenny Kravitz eine müde Retro-Spacke. Und während wir uns noch an den Beatles-Wiedergängern erfreuen, ist die Truppe aus Pennsylvania längst einen Schritt weiter und heckt den nächsten Streich aus...

(Katja Preissner)

 

Ween

Paintin' The Town Brown.
Ween Live '90 - '98

(Elektra/eastwest)

Ween sind eine absolute Ausnahmeerscheinung am Rockfirmament. Egal, was die Band plant und in die Tat umsetzt, man kann ihr nichts übel nehmen. Die Gebrüder Ween haben Narrenfreiheit. Angefangen hatte alles 1992 mit "Pure Guava". Diesem folgten "The Pod" und das exzellente "Chocolate And Cheese", das nicht nur wegen seines Covers für Aufsehen sorgte. 1996 legten sie dann ihr Country-Album "12 Golden Country Greats" nach - ein sehr unterhaltsames Stück Musik, allerdings entgegen seinem Titel nur schlappe 10 Songs lang. Ja, so sind die Ween-Brüder: unberechenbar.

Das trifft auch auf ihr letztes Studioalbum "The Mollusk" zu. Wie immer ist jeder Song anders. Hier Himmel, da Hölle. Erst oben, dann unten. Bei Ween ist nichts wie es scheint. Es ändern sich alle Parameter im Sekundentakt. Nie scheint die Marschrichtung klar abgesteckt geschweige denn vorhersehbar zu sein. Nein, berechenbar sind sie wirklich nicht. In diesem Jahr darf sich der Ween-Fan mit "Paintin' The Town Brown: Ween Live '90-'98" zufrieden geben. Zwei CDs geben Aufschluss über die Livequalität der Band. Eigentlich hätte dieses Album nie erscheinen sollen, zumindest nicht wenn es nach Dean und Gene Ween gegangen wäre. Lieber hätten sie sich schmerzenden Zahnbehandlungen unterzogen, denn diese Platte gemacht. Doch alles kam anders: Im Internet handelten Ween-Fans eifrigst mit Live-Material der Band. Tapes, CD Roms und MP3-Files machten die Runde. Aus der Not wurde daher eine Tugend. Im Internet sammelten Ween Bootleg-Versionen ihrer Songs und wollten diese zuerst auf eine CD packen, die ausschließlich über ihre Website hätte veröffentlicht werden sollen. In limitierter Anzahl versteht sich. Doch ihre Plattenfirma zeigte sich dermaßen interessiert, dass Ween ihren Plan über den Haufen warfen. Trotzdem wurden keine Overdubs gemacht. Alles ist so, wie es die Fans einmal für die Ewigkeit festhielten. So können wir uns jetzt an diesem Schmankerl ergötzen. Kniet nieder und betet die Ween-Götter an, denn sie werden kommen und euch den Kopf verdrehen.

(kfb)



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