Interview

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"Ich bin nicht so der Dusch-Typ."

Ein Götz Alsmann Interview

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Im April wird ihre neue CD "Filmreif" erscheinen. Was können wir davon erwarten? Ich selbst kenne leider nur ihre letztes Album "Zuckersüß".

Es ist stilistisch nicht viel anders. Ähnlich, mit teilweise anderen Mitteln. Deshalb sind sehr viele Schlager aus Filmen dabei. Es waren eigentlich immer Filmschlager dabei, diesmal nur ein paar mehr. Der Klang ist etwas anders. Wir haben keine Bläser dabei, dafür ein Ensemble aus sechs Opernsängern und Streichern. Ich sage immer: Es ist jazzartige, deutschsprachige Musik.

Sind Sie auf der Bühne ausschließlich Musiker oder auch der Entertainer, den man zum Beispiel aus "Zimmer Frei" kennt?

"Zimmer Frei" ist ja ein komplett improvisiertes Format. Das ist auf der Bühne nicht so. Die Lieder haben feste Arrangements, und irgendwann hört man auf, jeden Abend neue Witze auszuprobieren. Man kann nicht 120 Mal im Jahr einen Abend neu erfinden, um eine gewisse gleichbleibende Qualitätsstufe aufrechtzuerhalten. Das ist schwierig. Zu Beginn einer Tournee wird noch viel improvisiert; dann versucht man das im Gedächtnis zu behalten, was gut ankam. Natürlich, es ändert sich ständig noch etwas und mäandert an den Rändern des Programms vor sich hin, doch nach 30 bis 40 Vorstellungen ist ein Programm festgedübelt.

Sendungsbewußtsein

Wie wichtig ist ihnen Abwechslung?

Meinen Sie im Leben oder auf der Bühne?

Als Entertainer - sprich bei Radio, TV und Musik...

Wenn ich Radio mache, bin ich sicherlich von einem größeren Sendungsbewusstsein getrieben, als wenn ich auf der Bühne stehe. Ich mache ja Spezialitäten-Radio und stelle Musiksendungen für den Abend zusammen. Dazu benutze ich ausschließlich mein eigenes Schallarchiv. Das hat also nichts mit üblichen Radioformaten zu tun. Sendungsbewusstsein habe ich auf der Bühne überhaupt nicht und im Fernsehen auch nur bis zu einem gewissen Grad. Da gibt es also in mir verschiedene... (kurze Pause)"

Götze!

Sehr schön. Danke. (lacht) Ja, der Live-Götz ist sicherlich ein Mann, der nur an diesen einen Abend denkt. Der will, dass am Ende der Vorstellung begeisterte Menschen nach Zugabe rufen. Im Rundfunk habe ich eine andere Funktion und im Fernsehen wahrscheinlich auch.

Welches der drei genannten Medien macht ihnen am meisten Spaß?

Es gibt Tage auf Tournee, wo man nicht so viel Lust hat. Das ändert sich dann meist, wenn das Konzert anfängt. Es gibt auch Drehtage, die einen nicht so glücklich machen. Auch da ändert sich das manchmal, wenn die Kameras an sind. Das changiert. (mit erhobener Stimme) Auch Pflicht kann Freude machen."

Sie haben gesagt, Sie spielen im Radio Lieder aus ihrem eigenen Schallarchiv. Wo finden Sie neues Material?

Ich kaufe bei Spezialitätenhändlern im Ausland. Ich informiere mich regelmäßig darüber, was es an Wiederveröffentlichungen gibt.

Das stelle ich mir in Ihrem besonderen Falle nicht einfach vor.

So schwierig ist das gar nicht. Es gibt einige Fanzines, die ich mir halte. Darüber hinaus wird mir vieles angeboten. Es hat sich im Laufe der Jahre rumgesprochen, was ich mache. Öfters kommen Leute auf mich zu, die mir Noten oder Schallplatten anbieten.

Sie sind demnach noch richtiger Sammler.

Ja, die Sammelleidenschaft ist noch nicht erkaltet. Ich habe gerade wieder eine größere Schellacksammlung von einem älteren Herrn geschenkt bekommen. Da sind ganz tolle Sachen dabei. Ich habe mittlerweile auch die entsprechende Technologie, um mir Schellackplatten anzuhören und sie zu überspielen."

Woher nehmen Sie die Zeit, all diesen Dingen nachzugehen?

Ich habe keine Zeit.

Was ist mir Ihrer Familie? Die müsste ihnen doch aufs Dach steigen...

Ja, aber die Familie freut sich, dass es ihr gut geht.

Und Ihnen?

Mir geht es auch gut. Danke der Nachfrage.

Ich habe gelesen, dass Sie an einem Buch über Unterhaltungsmusik arbeiten.

Oh, das ist ein wunder Punkt. Da arbeite ich bereits lange dran, und das hätte schon längst fertig sein sollen.

Wann wird es denn fertig sein?

Ja, demnächst irgendwann. Es ist keine umfassende Anthologie. Es ist ein spekulatives Sachbuch. Mit anekdotischen Kapiteln, die sich mit einzelnen Künstlern beschäftigen, und ein paar verblüffenden Geschichten - die meisten davon sind wahr.

Im Februar sollen Sie für das ZDF in Hamburg die "Götz Alsmann Show" aufgenommen haben. Stimmt das?

Das war nur ein Pilot.

Und? Wie war es?

Lustig. Das Konzept ist bereits von einer Sendung, die ich früher für den NDR gemacht habe, bekannt. Es ist eine musikalische Late Night-Show. Es ist ziemlich fix aus dem Boden gestampft worden. Einfach nur, um auszuprobieren, wie so etwas geht. Interessant für mich war, dass meine Band mit von der Partie war. So wie damals beim NDR. Zudem waren wunderbare Gäste da. Zum Beispiel Reinhard Mey.

Soll diese Sendung jeden Abend laufen?

Nein, um Gottes Willen. Es geht ja ums ZDF. Einmal wöchentlich ist geplant. Der Artikel in der "Gala" vom 08. März war doch sehr irreführend. Da hieß es: Achtung, Harald Schmidt, zieh dich warm an. Das ist sehr übers Ziel hinausgeschossen.

Lesen Sie regelmäßig das, was über Sie geschrieben wird?

Ich versuche Kritiken zu meinen Gastspielen zu verfolgen. Außerdem hält mich der Pressemann von "Zimmer Frei" auf dem Laufenden.

Müssen Sie sich oft über Artikel ärgern?

Das kommt immer drauf an, was geschrieben wurde. Vor einiger Zeit stand zum Beispiel in einem Berliner Boulevardblatt, dass meine Frau mich rausgeschmissen hätte. Sie sitzt mir gerade gegenüber, das nur zur Klärung. Das stand einfach so da. Nur weil jemand noch eine Zeile voll zu schreiben hatte. Das habe ich Gott sei Dank erst Monate später erfahren, so dass ich es auf die leichte Schulter nehmen konnte.

Wären Sie ansonsten dagegen vorgegangen?

Sagen wir mal so: Wenn es montags erschienen wäre, dienstags hätte ich es erfahren und mittwochs wäre die Gegendarstellung drin gewesen. Dann ja. Aber so nicht. Morgen wird ein toter Fisch drin eingewickelt.

Wahrscheinlich. Heute wird die Echo-Verleihung ausgestrahlt. Werden Sie sich das anschauen?

Das wusste ich gar nicht. (kurze Pause) Letztes Jahr war ich sogar in der Kategorie "Internationale Jazz Produktion" nominiert.

Und?

Wir haben knapp gegen den Buena Vista Social Club verloren.

Gegen die kann man ruhig verlieren.

Ich wusste nicht einmal, dass ich nominiert war. Die Plattenfirma hatte vergessen, es mir zu sagen.

Da stimmt die Kommunikation ja noch.

Ja, war mal was Neues.

Haben Sie eigentlich ein Lieblingslied?

Nein, wer so viel Musik hört wie ich, der hat kein Lieblingslied. Höchstens Lieder, die Temporärfavoriten sind und dann so oft gehört werden, bis man sie nicht mehr ertragen kann.

Weiter mit Teil 3

 

 

 


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