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DIE STERNE im Hinterview


Die Sterne in Vorfreude auf das Interview Hinter-Net!: Es ist ja viel die Rede von der "Hamburger Schule", von den Kontakten der Hamburger Bands untereinander. Auch dieser `Bad-Salzuflen-Bezug´ taucht immer wieder in den Zeitschriften auf. Wie haltet Ihr es mit diesen Dingen?

Sterne:Frank Spilker, unser Sänger, kommt tatsächlich aus Bad Salzuflen. Er kennt Bernd Begemann und Jochen Distelmeyer von Blumfeld noch aus dieser Zeit, also schon etwas länger. Die restlichen Drei von uns kommen aus Hamburg und Umgebung und in dieser Stadt leben und arbeiten wir jetzt. Das ist alles.
Was früher war und auch der Hamburger-Schule-Kram ist uns relativ egal. "Die Sterne" wurden gegründet, um etwas Neues, Eigenes zu machen. Wir sind da sehr auf uns selbst bezogen.

Hinter-Net!: Wo wohnt Ihr in Hamburg?

Sterne: Wir haben St. Pauli sozusagen von drei Seiten eingekreist.

Hinter-Net!: Die wohl obligatorische Frage in Richtung Business: Ihr seid jetzt auf einem Major-Label, bei Sony/Epic. Wie kam es dazu?

Sterne: Das hatte auche mit der Veränderung zu tun, die unser bisheriges Label L'Age D'Or vollzogen hat. Sie verstehen sich jetzt mehr als Management oder auch als 'ne Art Talentscout und wollen die eigentlichen Labelaufgaben nicht mehr machen. Wir haben uns dann gesagt, wenn schon weg, dann richtig. Also nicht wieder zu einem Indie-Label, sondern dahin, wo wir die meiste Unterstützung finden, und das war eben Sony/Epic als eine große Plattenfirma mit einer Menge Möglichkeiten.

Hinter-Net! Mirarbeiter und Sterne im kritischen Dialog vor ungemachten Betten

Hinter-Net!: Seid Ihr noch zufrieden mit dieser Entscheidung?

Sterne: Sehr zufrieden. Die Tourneen sind wesentlich stressfreier, vor allem, weil wir zwischendurch nicht mehr jobben müssen. Seit dieser Platte können wir von den Sternen leben.

Hinter-Net!: Wie langfristig ist Euer Vertrag?

Sterne: Der Vertrag läuft über 2 Platten und hat dann eine Option auf 2 weitere Alben.

Hinter-Net!: Wie lebt Ihr mit den Veränderungen der letzten Zeit, mit der größeren Bekanntheit durch Videos und Erfolge in den Charts? Wollt Ihr richtige "Rockstars" werden?

Sterne: Wir sind doch schon Rockstars (Gelächter), mehr Rummel, als wir jetzt schon haben, brauchen wir auch nicht. Darauf können wir gerne verzichten.

Hinter-Net!: Hat sich Euer Publikum verändert?

Sterne: Es kommen mehr Leute, natürlich. Was uns aufgefallen ist: Es sind nicht nur Jüngere, die uns von VIVA kennen, sondern auch schon mal ein paar Leute über 40.
Wir sind zufrieden mit unserem Publikum, aber was heißt schon `das Publikum´, du kannst da nicht so pauschal drüber reden, da gibt' s die verschiedensten Typen. Einige können fast alle Texte mitsingen und tun das auch, andere kennen halt die Singles oder nur die "Posen", unsere aktuelle CD und manche kommen vielleicht nur, weil ihre Clique hingeht.

Herr Spilker mit Zigarette vor ungemachtem Bett

Hinter-Net!: Stichwort Texte: Wie insidermäßig sind die Texte? Erkennt sich Euer Umfeld in den Texten wieder?

Sterne: Ja, auf jeden Fall, das ist ja auch nicht weiter verwunderlich. Texte entstehen aus Erfahrungen, die man macht, und das betrifft natürlich auch die Leute, die wir kennen.

Hinter-Net!: In SPEX war mal zu lesen, beim Text von "Was hat dich bloß so ruiniert" sei das Thema "das repressive System Elternhaus". Wie findet Ihr solche Interpretationen? Ist Euch das nicht zu kurz gefaßt?

Sterne: Nein, das kann man schon so sehen. Wenn einer das so auffaßt und schreibt, dann ist das okay für uns.
Bei Texten geht es doch um Kommunikation. Wir sind sehr interessiert an Meinungen und Auffassungen über unsere Stücke. Was unsere Texte ausmacht, ist, daß sie Fragen aufwerfen. Man stellt etwas in den Raum und andere beschäftigen sich damit. Daß dabei unterschiedliche Interpretationen rauskommen, ist doch normal. Wir beabsichtigen ja nicht, den Leuten unsere Sichtweisen auf's Auge zu drücken.
Wie gesagt, Kommunikation ist das entscheidende; die Texte sind offen genug, daß jeder eigene Bedeutungen finden kann. Wenn Leute sich selbst oder Teile ihrer Erfahrungen in den Stücken wiederfinden können, ist das vollkommen in Ordnung für uns.

Hinter-Net!: Momentan ist deutschsprachige Musik ja gut vertreten. Ob im Rockbereich, im Hip-Hop oder auch in diesen typischen Charts-Sachen, Mainstream-Techno usw. Es ist - auch kommerziell - angesagt, deutsche Texte zu haben. Wie schätzt Ihr die Möglichkeit ein, daß diese Entwicklung einen Rückfall ins andere Extrem erlebt? Seht Ihr einen Neue-Deutsche-Welle-Effekt auf uns zukommen?

Sterne: Nein, das ist überhaupt nicht zu vergleichen. Die NDW war in sich geschlossen und wurde sehr zentral gehypt. Was jetzt abläuft, hatte zwar durch VIVA seine Initialzündung, ist aber sehr heterogen und hat auch eine ganz andere Qualität. Das sind Musikrichtungen, die sich unabhängig voneinander entwickeln und die werden nicht so einfach verschwinden.

Hinter-Net!: Eine Frage, die Euch wahrscheinlich auch schon hundertmal gestellt wurde, aber man sollte Sie unserer Meinung nach unter den Tisch fallen lassen in diesen Tagen: Was haltet Ihr von der diskutierten Quote für deutschsprachige Musik im Rundfunk?

Sterne: Auf unserer Platte ist ein Stück, das heißt "Ich scheiß auf deutsche Texte", und das sagt alles, was man sagen muß. Da sind alle Antworten dazu enthalten.

Hinter-Net!: Wie ist Euer Verhältnis zu den neuen Technologien? "Die Sterne" und das Internet?

Sterne: Zu langsam. (Frank Spilker, der Sänger): Eine zeitlang hatte ich auch einen Zugang. Das war aber wegen der langen Wartezeiten nicht allzu spannend. Mittlerweile habe ich aber sowieso keinen Rechner mehr daheim.
Aber das Interview mit Euch werden wir uns schon ansehen.

Hinter-Net!: Wie denkt Ihr über Multimedia-Tracks auf einer Musik-CD?

Sterne: Prinzipiell ist das eine tolle Sache, damit hast du natürlich ganz neue Möglichkeiten als Band. Aber was wir da bislang gesehen haben, war doch sehr enttäuschend. Die meisten bringen solche Tracks nur zum Selbstzweck auf ihre CD. Solange man keine richtig gute Idee hat, ist das ganze doch wertlos.
Oft geht es ja gar nicht um die künstlerischen Möglichkeiten, viele stürzen sich nur auf das neue Medium und wollen Märkte abstecken, die es noch gar nicht gibt. Aber sie denken, sie müssen dabeisein, müssen mitziehen und da muß eben ein Multimedia-Track her, egal wie der aussieht.


Interview: Carsten Frank und Kai Martin
Fotos: Axel Fuhrmann
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