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noch mehr Tote

Das Bierbeben

No future no past

shitkatapult strike47

Was ist das bloß? Gerüchteweise (und Gerüchte scheinen ein Teil dieses etwas heimlichtuerischen Projektes zu sein) gestartet als bierseliges Politparolen-Punkprojekt auf Jan Müllers (Tocotronic) kleinem Punkarsch-Label, hatte die bunte Sammlung einzelner amtierender und ehemaliger Mitglieder bekannter und unbekannterer Berliner und Hamburger Punk-Intellektuellen-Diskursrock-Sonstwas-Kombos die Idee, den Primitiv-Punk durch minimalistischen tanzbaren Techno zu ersetzen.

Herausgekommen ist nach 2 EPs ein seltsames Album voller Saufproll-Anspielungen in den Künstlernamen, Dancefloor-Sounds und simplen ständig wiederholten Parolen (ist das die Stella-Sängerin?).
Das Bierbeben nimmt sich im Presseinfo selbst nicht richtig ernst („Agenda zeitloser Weisweinheiten“, „Alle Songs sind sowohl betrunken in der Öffentlichkeit tanzbar als auch astrein für heimlich zuhause“), will aber mit dem System abrechnen und visiert selbstironisch die Revolution mit „der werberelevanten Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen“ an.

Kommunikationsguerilla? Ein wenig. Nämlich „die Abrechnung des Spiegelbilds mit dem Original“ insofern, als das simple des Punks als auch das zwanghafte pseudosubversiver Parolenklopperei in linker Szene- und Mainstreammusik praktisch karikiert wird. Dann wirken viele Parolen aber doch wieder recht ernst gemeint, z.B. „Wenn Deutschlands Mauern fallen, möchte ich dabei sein“, das sich inzwischen auf hippen Antifa-Demos einen festen Platz erspielt haben soll, oder „Ihr seid Räder im Getriebe der Maschine die euch plattwalzt“. „Mach Deinen Fernseher kaputt“ wirkt als Songparole etwas ewig-gestrig, allenfalls interessant dadurch gebrochen, dass die Musik höchst modern produziert ist und so gar nicht zu der antimodernen oder romantischen Parole passt.

Der Video-Bonustrack spielt das Thema dann aber noch auf eine weitere Ebene, in dem die Sängerin (wer immer es jetzt auch ist) im Spitzennachthemd singt und tanzt, sich selbst als laszive sexy Tänzerin inszeniert und zu manchen Kamerazooms auf Augen oder Lippen nur noch das „Ruf mich an! 0190...“ fehlt. Der Zuschauer soll über Bildsprache an das Video gefesselt werden, dem artikulierten Inhalt nach aber das Trägermedium kaputtschlagen. Lustige Irritation. Ein Logo der Band, ein krickelig durchkreuzter Bundesadler blitzt zwischendurch kurz auf, als wolle er die anerotisierte Szenerie nutzen, um sich unbemerkt im Unbewussten des Betrachters festzusetzen. Witziger Trash.

Das Album irritiert und das will es auch. Tanzbar und hörbar ist es auf jeden Fall, aber empfehlenswert? Schlag Deine Stereoanlage kaputt.

(sk)