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Jon Auer

Songs From The Year Of Our Demise

DevilDuck Records/Indigo

Schon merkwürdig: Genau vor einem Jahr, im Januar 2006, hatte ich Jon Auer in einem Clubkonzert in Saarbrücken mit seiner reformierten Band, den POSIES aus Seattle, erleben können (→ Konzertkritik). Dieser Gig war sehr energiegeladen, vor allem sehr laut, jedenfalls zu laut, um differenziertes und phantasievolles Songwriting heraushören zu können.

In den 1990er Jahren hatten die Exponenten des von britischem Beat und Pop geprägten Quartetts ihre beste und (bedingt) erfolgreichste Zeit. Der 2005 eingeläutete Comebackversuch erzielte bis dato wenig nachhaltige Wirkung. Weshalb wohl die Bandmitglieder Auer und Stringfellow z. B. auch andere Wege verfolgen, bei Alex Chiltons BIG STAR mitmischen oder William Shatner beim Songschreiben zur Seite standen.

Nun hat - nach Stringfellow - 2006 auch Jon Auer einen Soloversuch gewagt, und dieses Album ist endlich in Deutschland erschienen. Und es lohnt sich tatsächlich: Ausgeklügelte Songs mit komplexen, dabei durchweg sehr eingängigen Melodien hat Auer geschmiedet, 15 offizielle plus drei Bonustracks. Fast keine Nieten sind darunter, und das ist heutzutage doch schon recht selten. Natürlich gibt es Power-Pop, wie wir ihn von den POSIES kennen, doch eben auch sehr abwechslungsreich und transparent arrangiert.

Eingespielt hat Auer fast alle Songs im Alleingang; hie und da helfen Freunde und Kollegen, vor allem bei den Drum-Parts (u. a. POSY Darius Minwalla), aus. Auffällig und erfreulich zugleich sind die entspannten, bisweilen spartanisch anmutenden Balladen, z. B. "Wicked World" oder "Cemetery Song", die in ihrer Struktur an Songs von Fab-Four-Paul erinnern. Die Lyrics sind oft versponnen, vieldeutig, melancholisch - Liebe, Tod und Traurigkeit werden thematisiert, dabei durchaus auch augenzwinkernd wie im Opener "Six Feet Under" oder dem finalen Titelsong. Wie bereits angedeutet: Viele Pop-Perlen ("You Used To Drive Me Around", "Josephine", "Such Is The Light"…), kaum Füller (vielleicht "Adios").

Charakteristisches Bindeglied des prallgefüllten Albums (über 60 Minuten!) ist Auers weiche, relativ hohe Stimme, die sich auch bestens für satte Harmony Vocals eignet. Gut vorstellbar, dass ein Album der HOLLIES (Sixties-Beat-Heroen aus Manchester) heute klänge wie das Auer-Debüt.

(rs)

Link: www.jonauer.com