Die Pfauenfeder

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3. November, ein Freitag

Einsames Frühstück eines einsamen Mannes in der Caféteria eines Kaufhauses. Naja, is besser als gestern in „Reich´s Tagescafé“, wo die Croissants älter waren als das Servierfräulein. Und Rentner gibt es hier wie dort. Horden von Rentnern. Horden von debattierenden Rentnern. Horden von debattierenden, laut schreienden, spuckenden, am-frühen-Morgen-Jägermeister-trinkenden Rentnern. Und das am Nebentisch. „Koks auf dem Parlamentsklo im Berliner Reichstag!“ haben die Zeitungen heute morgen unisono berichtet, und in den Debatten der Rentner feiert die Kunst des Synergieeffekts fröhliche Urständ! „Da ‘s dä Hehnäss aach dran schuld!“ hesselt einer, der noch älter zu sein scheint als Reich´s Croissants. „Seit wann sitzt´n der Daum im Bundestach?“ heischt eine fidele Rentnerin zu wissen, wird aber von der offensichtlichen Juniorin der Runde, einer knackigen Sechzigerin, sogleich auf den Boden der Tatsachen zurückverfrachtet: „Halts Maul, Elfriede, von Fußball verstehn wir Frauen nix!“

Apropos: Was macht eigentlich mein Roman? Gibts schon Reaktionen? Was macht Hinternet? Existiert diese Oase inmitten der kulturellen Wüste Deutschland noch? Oder hat man sie inzwischen per Razzia aus dem Verkehr gezogen? Schmachtet der Chefredakteur bei Wasser und warmem Fleischkäse in irgendeinem dunklen Verließ? Fragen. Ab ins Internetcafé.

Es ist passiert! Ich logge mich ein, da sitzt SIE neben mir: Ein Rasseweib fürwahr, und mein Vorsatz, während meiner Flucht die Finger von Frauen zu lassen (schon, um mich nicht dem Verdacht des Macho-ismus auszusetzen; dann lieber doch Maoist!), dieser Vorsatz also schwindet wie....wie Schnee in der Sonne?...Koks im Klobecken? Na, meinetwegen.

Sie sitzt neben mir. Schaut mich an. Sagt: „Ich will sie ja nicht ausspionieren...“ (Ha!), „...aber in was für einer interessanten Internetillustrierten blättern Sie da gerade?“ - Und ich erklär ihr alles! Ich pfeife auf die Sicherheit! Meinetwegen kann sie vom KGB sein. Oder vom GmbH. Scheiß drauf! Die Hormone blubbern wie Lava im Krater. Die Vergleiche sind so schief wie der berüchtigte Turm zu Pisa! Sie ist bezaubernde 20 Jahre! Nein, besser: 19! 18! Jetzt nicht passen! Jetzt den letzten Trumpf ausspielen: „Ha´m Sie Hunger? Darf ich Sie zu ‘nem Happen einladen?“ Sie sagt: „Ja.“ Beinahe hätte ich geschrieen: „Und danach gehe ich freiwillig in den Kerker und leiste meinem Chefredakteur Gesellschaft!“ Aber ich beherrsche mich. Wie soll das nur enden?

 

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die Mitteilung von gestern