Die Pfauenfeder

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6. November, ein Montag

Ménage à trois: Sylvia, Hutschenreuther und ich beim Frühstück in einer unbekannten Stadt, von der wir nach erster Kurzbesichtigung hoffen, Sie bleibe unserem Gedächtnis auch weiterhin unbekannt. „Was ist das für eine Republik, in der Hertha BSC Berlin sich Tabellenführer der Fußballbundesliga schimpfen darf?“ seufzt Hutschenreuther, und wir nicken nur resigniert. Gar nicht so uneben, der Mann. Das meint auch Sylvia, heute in einem Hauch von transparentem Rot, dem Hutschenreuther („Ich hab im Lotto gewonnen! Und meine Mutter, die vorgestern 65 geworden ist, weiß davon gar nix, die alte Schnepfe!“) verdächtig vertraulich zugewandt, so daß dieser plötzlich jubiliert: „Gnädiges Fräulein, Sie ha´m ja einen Leberfleck auf der Innenseite des rechten Oberschenkels!“

Später im Internetcafé schaut mir der fidele Lottogewinner und Speiseeisliebhaber über die Schulter. „Issn das? N Krimi? Die Pfauenfeder? Och, ich liiiiiebe Krimis!“ Er liest interessiert - alle Folgen! „Klasse!“ -Gar nicht so uneben, der Mann!

Sylvia, ganz Frau, macht einen Einkaufsbummel durch die Fußgängerzone, während wir Kaffee und Klaren trinken. „Da haben Sie aber eine hübsche Gefährtin!“ stellt Hutschenreuther fest. „Hab ihr mal 500 Mark gegeben, damit Sie´n paar scharfe Klamotten kaufen kann!“ Im Stillen mache ich mich mit dem Gedanken vertraut, bald auf die Begleitung von Sylvia und Hutschenreuther verzichten zu müssen. Spätestens heute abend werden sie mir durchbrennen, und ich überlege, ob mir diese Vorstellung gefallen soll oder nicht.

„Warum sind Sie eigentlich auf der Flucht, mein Lieber?“ Hutschenreuther rückt mir vertraulich und konspirativ auf den Pelz. „Steuerschulden? Liebeskummer? Is doch nicht so schlimm! Ich bin Lottogewinner! Ich leih Ihnen das Geld! Lieber Ihnen als meiner Mutter, die vorgestern 65 geworden ist. Ja, ja, Speiseeis eß ich für mein Leben gern, aber nur Erdbeer! Und ich glaub, wir kriegen Herbst, und vielleicht ist er schon da, man weiß ja heutzutage nie. Sogar in England haben sie Hochwasser, das war noch nie da, jedenfalls nicht in England seit ich lebe. Aber ich lebe natürlich noch nicht so lange wie meine Mutter, die vorgestern 65 geworden ist, aber von meinem Lottogewinn keinen Pfennig...“

Endlich kommt Sylvia, schwer bepackt. Sie hat uns ein Hotelzimmer angemietet. „Da steht auch ein Zusatzbett!“ Für wen? Für Hutschenreuther? Für mich? Hutschenreuther wühlt in den neuerworbenen Klamotten. „Mönsch! Erotik-Dessous! Poh, diese Slips! Wow, ein Bustier mit Brüsseler Spitze!“ Und skandiert schließlich - hat wohl einige Schnaps zuviel - lauthals „Ausziehn, ausziehn, ausziehn!“ Irgendwie lästig, der Typ.

Heute kein Neokonstruktivismus? So siehts aus. Sylvia und Hutschenreuther sind auf der Damentoilette verschwunden, „mal die neuen Sachen anprobieren“. Ich tippe derweil meine Mitteilungen und füge den guten Ratschlag hinzu: Schleunigst Reißaus nehmen, wenn dir Lottogewinner, Speiseeisliebhaber und Besitzer 65jähriger Mutter zu nahe kommen. Und warum kommt jetzt die Klofrau puterrot und völlig verwirrt aus der Damentoilette gerannt? Warum murmelt sie: „Das ist bestimmt wieder der Dieter Bohlen und eins seiner Flittchen?“ Keine Ahnung.

 

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die Mitteilung von gestern