Die Pfauenfeder

Zur Startseite

 

13. November, ein Montag

Furchtbare Nacht! Wir verbringen sie im einzigen Hotel der Stadt, im einzigen freien Zimmer, Doppelbett plus Liege für die Kids und „Rotten“, der zärtlich seine Pfoten auf Beates gepierctes Antlitz bettet und, während er lauthals schnarcht, Babies Gesicht ableckt! Wie macht das Tier das bloß!? Ende des Idylls. Wer soll ins Doppelbett? „Also ich“ bestimmt die große Vorsitzende, „ich brauche als treibende Kraft, als Judikative und Legislative, als Exekutive und Exzessive, meinen Schlaf am dringendsten. Die rechte Bettseite wäre somit vergeben, streitet euch um die linke.“

Auf dieses Stichwort haben alle gewartet. „Ich bin Lottogewinner!“ schreit Hutschenreuther, „Ein Glückskind sozusagen, das Maskottchen unserer innig geliebten Frau Präsidentin!“ Haberkorn schüttelt entschieden den Kopf. „Als Mann der Kirche, Besitzer einer ledergebundenen ‘Bibel der letzten Kirche des permanenten Weltuntergangs´ biete ich der hochgeehrten Hirtin dieser traurigen Schafherde hier nicht nur geistigen und seelischen Beistand. Ich bin auch der einzige unter uns, der nicht schnarcht!“ „Ja, ja!“ höhnt Hutschenreuther, „geistiger und seelischer Beistand! Glauben Sie mir! ICH kenne unsere phänomenale, nimmersatte Präsidentin! Was die Frau braucht, ist körperlicher Beistand, um nicht zu sagen -schlaf! Und wie steht es damit? Hä? Hä?“ Er blickt triumphierend von Haberkorn zum errötenden Dobrowski, vom errötenden Dobrowski zum wutroten Haberkorn.

Derweil die Damen untereinander in Streit geraten sind, wer das Bett des Hotelpagen teilen soll, der sich freundlicherweise bereiterklärt hat, zum Selbstkostenpreis ein Stück seiner nur 70 Zentimeter breiten Schlafstatt zur Verfügung zu stellen. „Ich würd ja alle drei Damen nehmen, aber leider bin ich ausgerechnet heute ein wenig unpäßlich!“ hatte der Wohltäter der weiblichen Menschheit bedauert und dabei sein Pagenkäppi kokett auf dem strohblonden Haupt zurechtgerückt.

Während Hutschenreuther und der erstaunlich mutige, weil müde Haberkorn Anstalten treffen, ihren Streit mit Fäusten auszutragen, beginnt Dobrowski sich langsam zu entkleiden. Die Kampfhähne halten inne und bestarren entgeistert das Schauspiel.

„Heinz!“ schreit Haberkorn, „mach dich nicht unglücklich!“ „Stopp!“ röhrt auch Hutschenreuther, „Sie sind viel zu jung für dieses Vollblutweib!“ Dubrowski jedoch fährt wie in Trance fort, ein Kleidungsstück nach dem anderen von seinem zarten Körper zu entfernen, bis schließlich an diesem nur noch ein Hauch von Tangaslip hängt bzw. eben nicht hängt, was begreiflicherweise der Interesse der Damen erregt. „Och, ist der süß!“ rufen die Streunerinnen begeistert, und selbst Sylvia, MEINE Sylvia, kann sich eines bewundernden „Aber hallo!“ nicht enthalten.

Zu spät. Schon haben sich Haberkorn und Hutschenreuther auf den Nackten gestürzt und zerren ihn aus dem Zimmer, von den begeisterten Damen gefolgt. Die Präsidentin und ich bleiben alleine im Raum zurück, vom selig entschlummerten Trio Beate/Baby/“Rotten“ abgesehen.

„Schließ die Tür ab.“ befiehlt die Vorsitzende und beginnt nun selbst, ein Kleidungsstück nach dem anderen von ihrem bei näherer Betrachtung durchaus betrachtenswerten Körper zu entfernen.

Was soll ich tun? Nicht abschließen? Das wäre Befehlsverweigerung! Noch sind wir zwar in Friedenszeiten, doch dräut ein Bürgerkrieg herauf, so wie ich die Sache sehe, und dann wäre Befehlsverweigerung auch nachträglich ein todeswürdiges Verbrechen! Durch die Mauern hört man die gedämpften Schreie der Restmitglieder. Ich drehe also den Schlüssel im Schloß und ergebe mich in mein Schicksal. Eine BWL-Studentin! Kann man tiefer sinken?

 

[ zurück zur Hauptseite ]

Bitte besuchen Sie auch unseren Sponsor, ohne den wir diese Seite nicht kostenlos anbieten könnten!

 

 

 

die Mitteilung von gestern