Die Pfauenfeder

Zur Startseite

 

14. November, ein Dienstag

Es ist passiert. Ich schäme mich so. Es war schön. Es war erniedrigend. Ich denke mit Schrecken an diese Nacht. Hoffentlich gibt es bald eine neue. Kurz: Ich bin verwirrt. Ich bin totunglücklich glücklich.

- Wäre da nicht Sylvia. Nachdem die ganze Sippschaft ausgesperrt worden war, hatte man sich wohl auf eine veritable Orgie geeinigt, und zwar in Zimmer und 70cm-Bett des Hotelpagen, der am Morgen danach mit geschorenem Irokesen und achtfach gepiercter Zunge zu sehen gewesen war, was seiner Absicht, „den Laden hier in spätestens dreißig Jahren zu übernehmen“, nicht unbedingt förderlich gewesen sein dürfte. Schlimmer noch: Sylvia hat jetzt Hutschenreuther, Haberkorn und Dombrowski fest auf ihrer Seite und meldet laute Zweifel an der Rechtmäßigkeit der Wahl Elfriede Winters zur Vereinsvorsitzenden an. Die drei Herren assistieren ihr mit hochgelehrten Reden: „Das war doch Lug und Trug, liebste Elfriede!“ gibt Hutschenreuther zu bedenken, und Haberkorn fügt besonnen hinzu: „In Russland würde man Sie dafür aufhängen!“

„Sag was!“ giftet mich dann die Winter von der Seite an. „Ja, also...“ beginne ich, komme aber selten weiter. „...was sind denn das für Argumente!“ lacht Hutschenreuther, „und noch dazu aus dem Munde eines....eines.... Callboys!“

Wir stehen kurz vor dem befürchteten Bürgerkrieg, und schuld daran sind, wie immer, Liebe und Machtwahn, ganz wie in den USA. Neue Stadt, neuer Anfang? Denkste! Ich versuche mich abzuseilen, frage nach dem nächsten Internetcafé, verdrücke mich unauffällig während des opulenten, aus meiner Tasche gezahlten Frühstücks in „Tina´s Breakfast Center“ und klage Ihnen jetzt, Herr Chefredakteur, sehr verehrter Herr Herausgeber der wunderbaren Online-Illustrierten HINTERNET!, mein Leid. Tun Sie was, aber dalli! Finden Sie Leser, die bereit wären, wenigstens jeweils einen von der unseligen Sippschaft bei sich aufzunehmen und seine Dummheit zu ertragen, bis der Tod sie scheide, und sei es durch den gezielten Einsatz von Gift, Küchenmesser, Günter Jauch.

Schwärzeste Gedanken durchziehen mein Hirn. Man sollte nach Österreich fahren und dort eine Gletscherbahn besteigen. Natürlich nicht ich, aber die anderen. Nein, das ist einfach zu zynisch und menschenverachtend. Man sollte sie zusammen mit einem Trommelrevolver in ein Zimmer sperren und den Schlüssel wegwerfen. Dann das Zimmer an der Spitze einer Raumkapsel ins Weltall schießen. Dann dem Raumschiff ein zweites hinterherschicken, welches das erste mittels einer Atomrakete... ja, das klingt human; das machen wir auch. Zurück in „Tina´s Breakfast Center“. „Die Rechnung, bitte!“ fordert Hutschenreuther die Frühstückschefin auf, „der Mann mit dem dicken Geldbeutel kommt! Wohl alles Liebeslohn, was! Sie sind ja NOCH schlimmer als meine 65jährige Mutter!“ Dobrowski und Haberkorn lachen. Ihre Homosexualität hat sich nach der Nacht mit Sylvia in Luft aufgelöst, jetzt haben sie Nachholbedarf und ziehen die süße, reizende, wahnsinnigmachende Sylvia ohne Unterlaß mit den Augen aus. Die Streunerinnen ihrerseits haben sich wortwörtlich in den Haaren. War doch Saskia beim Friseur und hat sich „eine stinknormale Faschofrisur“ machen lassen. Ihr Traumboy ist nun ein gewisser „Sasha“, bekannt aus Funk und Fernsehen. Angie kocht! „So´n Schmalzdackel!“ Beim Wort „Schmalzdackel“ fängt „Rotten“ furchtbar an zu jaulen. Auch ihn quält die Liebe, genauer: der Entzug derselben.

„Also!“ heizt Hutschenreuther, der notorische Zündler, die Stimmung weiter auf, „also: Wir werden die Wahl wiederholen. Stimmberechtigt sind alle Personen über 18, also - „ - er zeigt auf Beate und Baby und „Rotten“ -„keine Kleinkinder und Promenadenmischungen!“

„Das ist Aufruhr!“ kreischt Elfriede, „sag doch was! Mach doch was! Sollte ich dir meine Unschuld umsonst geopfert haben?“ Letzteres gilt mir, und ergo muß ich etwas sagen. „Hertha BSC ist immer noch Tabellenführer. Und wider Erwarten war Guido Westerwelle doch nicht am Sonntag bei Sabine Christiansen.“ „Aber Patrick Lindner!“ ergänzt Saskia, „und der ist fast so süß wie Sasha!“ Ein gezielter Tritt des Angiebeines unterbricht ihre Lobpreisung, und jetzt geht es wieder los. Alles schreit durcheinander, zerrt sich an den Haaren, flucht, spuckt, wirft mit dem Kaffeegeschirr. Die gestrige Schlagzeile der TAZ fällt mir ein: „Union im Beißkampf“. Wie wahr, wie wahr! Ich halte das nicht mehr aus!

 

[ zurück zur Hauptseite ]

Bitte besuchen Sie auch unseren Sponsor, ohne den wir diese Seite nicht kostenlos anbieten könnten!

 

 

 

die Mitteilung von gestern