Die Pfauenfeder

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15. November, ein Mittwoch

Welch ein Trost, es gibt sie noch!: Die Liebe! Die Romantik! Die wahre Herzensbildung! Nach zwei schlaflos verbrachten Nächten hat der Chefredakteur beschlossen, auf „die Neue“ fürderhin nicht mehr verzichten zu können, weder beruflich noch privat. „Sie fehlt mir irgendwie!“ mailt er mir sehnsüchtig und teilt mit, er werde sämtliche Hebel in Bewegung setzen, „die Neue“ von ihrer gefährlichen Mission zurück zu beordern.

„Um ihr meine aufrichtige Liebe zu beweisen und ihr Herz endgültig zu gewinnen, habe ich ihr die drei eiligen drei Paketboten nachgeschickt. UPS überrascht meine Angebetete mit einer Dose ALDI-Pizzatomaten, deren Clou die Dose selbst ist: echt Gold mit Rohdiamanten und Perlen von makellosester Schönheit besetzt, das Preisetikett von keinem Geringeren als Andy Warhol gestaltet. Von DPD kommt eine Sammlung mit Videokassetten, die sämtliche Episoden der Serie ‘Drei Engel für Charlie´ enthalten. Und zwar die ganz raren und daher wertvollen mongolischen Synchronisationen mit altgriechischen Untertiteln. Drittens und letztens sodann bringt die Deutsche Post meine vorjährige Steuererklärung. In teures Einhornleder gebunden, kalligrafisch wunderbar realisiert und mit einem Originalautogramm meines Steuerbeamten, des hierzulande legendären und wegen seiner Freizeittätigkeit als ‘Toni, die singende Säge´ hinlänglich berühmten Oberamtsrats Anton Fürst. Ebenfalls dabei eine Ausgabe des phänomenalen Lehrbuches ‘Das Kolumnistische Manifest´ des Autors der sagenhaften Hinternet-Kolumne ‘Wir lernen Computer´“. Ich bin erschüttert und gerührt zugleich.

Bei uns hier herrscht heute ein leidlicher Waffenstillstand, der aber nichts weiter sein kann als die Ruhe vor dem finalen und allesverheerenden Sturm. Ursache ist das bevorstehende Fußballfreundschaftsländerspiel zwischen Dänemark und Deutschland Schon ist jedes dritte Wort aus Hutschenreuthers vorlautem Maul ein langgezogenes „Ruuuuuuudi“, auch Dobrowski murmelt bisweilen versonnen, er habe so ein „Völlergefühl in der oberen Magengegend“, und seit dem Morgengrauen betet der gottesfürchtige Haberkorn für ausreichend Torschußglück der deutschen Sturmformation. Nur die Punkerinnen sind mit ihren „Börti, Börti“-Gesängen jenseits von Zeit und Raum, also in Leverkusen. „Rotten“ skandiert markerschütternde „UUUUUH“s, was wohl auch den Vornamen des Teamchefs auf verehrende Art und Weise wiedergeben soll.

In Liebesdingen hält sich jeder an den status quo: Ich mit Elfriede und alle mit Sylvia. Des allmählich außer Rand und Band geratenen Haberkorn dreister Versuch, eine gewisse Sonja, Bedienung im hiesigen „Frühstückspalast Wittmann“, zu einem Vereinsbeitritt zu animieren, konnte in letzter Sekunde vereitelt werden. Die Frau ist mindestens schon 55!

Sorgen macht mir Beate, auch „Baby“ genannt. Ihre vom Piercing malträtierte Zunge ist seit gestern abend auf das dreifache ihres Normalvolumens angeschwollen, so daß sie nicht einmal mehr in der Lage ist, in Hutschenreuthers „Ruuuuuudi“-Elogen einzufallen. „Tu doch was!“ herrscht mich Elfriede an, aber ich gebe zu bedenken, daß alles was ich tun könnte darin bestehen würde, Beate die Sicherheitsnadeln aus der Zunge zu ziehen. Das hätte jedoch den Nachteil, daß sie spätestens morgen wieder wie gewohnt plappern würde. Also empfehle ich einen guten Arzt und zucke ansonsten mit den Schultern.

Der fiese Hutschenreuther lacht sich eins. „Ja, ja, die bösen Frauen!“ flüstert er mir zu. „Heute steht in der Zeitung, daß sogar ein solch genialer Mensch wie Stephen Hawking möglicherweise von seiner eigenen Frau verprügelt worden ist. Muß man sich vorstellen! Ein Genie! Ein Behinderter! Aber das kann ihnen natürlich nicht passieren. Wo Sie doch kein Genie sind und Ihre Behinderung eher innerlich als äußerlich ist. Ha, ha, ha!“ Ich werde ihn eines Tages umbringen. Ich schwörs!

 

 

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