Die Pfauenfeder

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18. November, ein Samstag

Sehr geehrter Herr Chefredakteur, vielen Dank für Ihre Mail. Natürlich nehme ich Ihre Bedenken hinsichtlich der, wie Sie es nennen, „Einschaltquote“ ernst. Es ist auch wirklich unbefriedigend, wenn sich täglich bloß Stücker 50 Millionen Surfer zum PFAUENFEDER-Lesevergnügen einfinden, während die übrigen Stücker 697 Millionen ihre Onlinezeit bei irgendwelchen Porno- und Naziseiten vertrödeln.

Auch finde ich Ihre Idee, einen prominenten Flüchtling in unseren PFAUENFEDER-Reiseverein aufzunehmen, prinzipiell genial. Aber, mal ganz ehrlich, muß es unbedingt Sadam Hussein sein? Oder Slobodan Milosevic? Fidel Castro? Reinhard Klimmt? Daß sich Ihnen Herr Guido Westerwelle bereits prophylaktisch oder antizipierend angeboten hat, versteht sich. Aber vor was flüchtet Herr Westerwelle? Vor seiner Frisur? Seiner Flachheit? Der FDP? Seinem dummen Geschwätz? Gut, ich gebe zu: Das sind Gründe.

Ich würde vorschlagen, wir warten das Ergebnis der Handauszählung in Florida ab und übernehmen dann den Verlierer in unseren Verein. Und habe ich gestern nicht irgendwo gelesen, Claudia Schiffer sei auf der Flucht vor ihrer Popularität? Ich denke, daß eine nimmersatte, äh, satte Mehrheit unseres Vereins für die Aufnahme der Verfolgten stimmen würde.

Hinsichtlich der umkämpften, nichtsdestotrotz aber wohl bevorstehenden Neuwahl des Vereinsvorstandes haben sich die Dinge doch recht merkwürdig entwickelt. Es scheint zu einem Wahlbündnis Sylvia/Elfriede zu kommen, einer Art großen Koalition, nachdem die Chancen jeder Bewerberin für sich sehr vage, um nicht zu sagen, unsicher sind. Häufig sitzen sie jetzt zusammen und tuscheln. Was auch unter den Männern nicht unbemerkt geblieben ist und entsprechende Aktivitäten des hegemoniesüchtigen Hutschenreuther ausgelöst hat. Er plant eine Gegenkandidatur und bläst das Ganze zum „Kampf der Geschlechter“ auf. Unangenehme Folge des Konflikts: Is vorläufig nix mit Neokonstruktivismus. Die Damen verweigern sich, da sie es nicht mehr nötig haben. Unsere beiden Punkmädchen erklären bereits lauthals, wenn erst einmal die Frauen die alleinige Macht übernommen hätten, „gehts diesen Megofaschoschwanzgesteuerten so grell an die Eier, dasses fürn Riesenomelett reichen wird“. Worauf Hutschenreuther erwidert, im Notfall das Briefwahlrecht einzuführen und den z.Zt. abgängigen Winter als sichere Männerstimme zu verbuchen.

So, Herr Chefredakteur, das wäre es eigentlich. Wir hatten einen ziemlich turbulenten Tag in X., weil sich Haberkorn und Dobrowski mitten in der dortigen Fußgängerzone zu streiten begonnen und den PKW-Verkehr behindert haben. Bevor die berittenen Ordnungskräfte auftauchten, haben sie sich allerdings wohlweislich aus dem Staub gemacht.

Jetzt sitzen wir wieder im, wie der unvergeßliche Christian Anders einst sang, „Zug nach Nirgendwo“. Die Luft ist kalt, aber trocken, alles schläft, und ich tippe diese Mail in meinen nagelneuen Laptop, den ich der kleinen Beate für 40 Mark abgekauft habe. Sie hat ihn, wie sie sich ausdrückt, „bei KARSTADT gefunden, er stand ganz allein ohne Frauchen im Regal der Computerabteilung. Da hat mir der Kleine auf einmal so leidgetan.“. Ja, Mitleid ist die Schönheit der Kinder, oder so.

Was ist das jetzt wieder?“ Geschrei aus dem Nebenabteil, wo sich das Duumvirat Sylvia/Elfriede die Koje teilt und gewiß neue, teuflische Strategien zur Männerdominierung ausheckt? - Jetzt wird die Tür aufgerissen, Sylvia, erfreulich unbekleidet, stürzt in mein Refugium, muß sich erst mal setzen, wehrt alle Handgreiflichkeiten meinerseits resolut ab und keucht sodann: „Komm schnell! In unserem Abteil liegt eine Leiche! Mausetot! Zwar nur ein Mann, aber solange es noch strafbar ist, Männer kaltzumachen, sitzen wir ganz schön in der Scheiße!“.

Das kann man wohl sagen!

 

 

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