Die Pfauenfeder

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19. November, ein Sonntag

Knappe zehn Stunden sind nun seit der Entdeckung des Leichnams vergangen, und es ist meine Chronistenpflicht, Ihnen, verehrte Leserinnen und Leser, brühwarm zu berichten, was sich unmittelbar darauf an denkwürdigen Ereignissen zugetragen hat.

Als Sylvia und ich das Abteil erreichten, waren dort schon alle anderen, durch die Schreie alarmierten Reiseteilnehmer versammelt und starrten auf den grausigen Fund. Selbst einem Laien konnte nicht verborgen bleiben, daß der oder die Täter bei der Liquidierung ihres Opfers ganze Arbeit geleistet hatten. Die unglückliche Person war erdolcht, erschossen, erwürgt, erstickt, entmannt, erhängt und mit Starkstrom behandelt worden, auch wies sie starke Anzeichen von Vergiftung durch Curare, Arsen, Spitzenhäubchen, Jod S11-Körnchen und genmanipulierte Rostbratwürstl auf. Um ganz sicher zu gehen, hatte man den vielfach Getöteten mit einer Flasche Salzsäure übergossen, anschließend mit Benzin durchnäßt und angezündet, um den Brand endlich mit hochkonzentriertem Magnesiumkalksulfat zu löschen.

„Ein schrecklicher Unfall?“ mutmaßte Elfriede leicht danebenliegend. „Ich war doch die ganze Zeit auf Toilette und hab gar nix mitgekriegt! Wie kommt der nur hier rein? Wer ist das überhaupt?“ Sylvia beeilte sich, hinzuzufügen, sie habe fest geschlafen und sei durch ein unidentifizierbares Geräusch geweckt worden.

„Das deutet auf verbeamtete Mörder hin.“ schloß Hutschenreuther angesichts der Qualität der Arbeit nicht ohne Logik und sah mich dabei nachdenklich an. „Aber ich kenne doch den Mann überhaupt nicht!“ verteidigte ich mich und warf meinerseits kritische Blicke zu Sylvia und Elfriede. „Diese Tötung“ analysierte ich messerscharf „geschah eher aus unbändigem Männerhaß heraus. Ein bestialischer Ritualmord, in dem sich die jahrtausendelange Unterdrückung der Frau archaisch Luft verschafft hat.“

Die beiden Damen protestierten lautstark. „Ich gebe zu bedenken“ gab Haberkorn zu bedenken, „daß wir über die Identität des Opfers eine Beziehung zu seinem Mörder - oder der Mörderin - herstellen können. Wer also ist er?“ -„Das Opfer einer Verwechslung!“ schrie Dobrowski plötzlich auf und wurde noch bleicher als üblich. „Das feige Attentat galt einem männlichen Mitglied des Reisevereins! Mein Gott!! Gar mir!!!“ Er sank ohnmächtig zusammen und mußte durch gezielte Tritte der darauf spezialisierten Punkgörls wieder zu Bewußtsein gebracht werden.

„Keine ganz dumme Idee“ räumte Hutschenreuther ein. „Es war dunkel, um nicht zu sagen finster. Typischer Fall von Verwechslung!“

„Aber was wollte er in unserem Abteil?!“ fragte das Herrscherduo entgeistert. „Das, meine Damen, werden wir herausfinden!“ beschied ich streng und schaute dabei dämonisch entschlossen wie Charles Bronson und Michael Schanze zusammen. „Ebenso die Identität des Opfers. Ich weiß nur eins: Guido Westerwelle ist es nicht!“

In diesem Moment erregte ein lautstarker Doppelschrei aus den gepiercten Mündern Angies und Saskias unsere Aufmerksamkeit. „Eh! Ich werd verrückt! Der lebt ja noch! Er bewegt sich!“

Und tatsächlich. Trotz aller Vorkehrungen war es dem Mörder / der Mörderin nicht gelungen, gänzlich alles Leben aus dem Körper ihres Opfers zu vertreiben. „Er will uns etwas mitteilen!“ wies uns Haberkorn auf Mundbewegungen des Fasttoten hin. Ich beugte mich zu ihm hinunter, hielt mein Ohr ganz nah an seine Lippen.

„Der Mörder - oder die Mörderin“ begann das Opfer langsam und mühselig, „gehört dem PFAUENFEDER-Reiseverein an.“

„Nennen Sie den Namen!“ kreischte Elfriede, doch Hutschenreuther fiel ihr sofort ins Wort: „Kann es sich bei dem Mörder auch um ein Haustier handeln? Wenn nicht, können wir den Köter schon mal von der Liste streichen!“ Schwerfällig versuchte das Opfer zu antworten: „Der Mörder - oder die Mörderin - ist ... heißt....nennt sich...wird genannt....ist auf den Namen....besitzt einen Personalausweis auf den Namen....wurde als Kind folgendermaßen gerufen....“ Doch zu spät. Er tat seinen letzten Atemzug und verschied in meinen Armen.

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