Die Pfauenfeder

Zur Startseite

 

29. November, ein Mittwoch

„Abba nich daß dieser Spießifascho da widda mi´m Kalbsknochen vor meiner Nase rumfummelt!“ fordert die resolute Angie, nächstes Opfer unseres beliebten Verhörspiels. „Pah!“ grummelt Hutschenreuther, „welche Wiedergeburt würde sich denn so einen Wirtskörper aussuchen? Vielleicht ein nach Tran riechender Eskimo oder, der Frisur nach, der Letzte Mohikaner!“ „Wenn ich nur darum bitten dürfte“ bittet Haberkorn darum, „daß Sie Ihr Vokabular etwas der vorweihnachtlichen Feststimmung anpassen, gnädiges Fräulein.“ Dieses zeigt einen Stinkefinger, nickt dann aber, nicht unbeeindruckt von der feierlichen Stimmung im Raum.

Heute haben wir es uns im Hotelzimmer mit Kerzen und Glühwein gemütlich gemacht. „Stille Nacht“ dröhnt es aus dem Cassettenrecorder, Beate, auch „Baby“ genannt, verlangt lautstark nach „den Geschenken, aber nicht wieder dieses Geschnuller! Ich will die neue Playstation!“. Weihnachten naht! „Also“ beginnt Angie, „ich bin die Angie. Nee, der Weihnachtsmann hat mich nich gebracht, dafür der Klapperstorch, nachdem er meiner Mami die Pillen geklaut hat. Meinen Vater kenn ich nich. Der soll so´n durchreisender Rocker gewesen sein, so Hell´s Angels und so, obwohl meine Mami auch schon Punk war, so old school halt. Nee, Schule war nich. In der ersten Klasse die Tussi hatte´n Konterfei von diesem Discohopser, dem Travolta, auf die linke Backe tätowiert, und mit THE CLASH konnt se nix anfangen, da hab ich meine Schultüte geschnappt und bin gegangen, und wiedergesehen ham die mich da nich mehr. Hab lieber daheim auf die Pubertät gewartet, war aber nich so doll damit. Ich mein die Kerle, für die man sich dann so zu interessieren beginnt. Alles Heavy Metal- Fuzzis. Einer wollte mir seine Metallica-Sammlung zeigen, aber dann hatte er doch nur so´n Briefmarkenalbum.

Na, irgendwie ha´m die mich dann doch noch gezwungen, einen Schulabschluß zu machen, und ich hab dann Friseuse angefangen, aber nach dem ersten Irokesen für so ne Alte, die Dauerwelle wollte, ham die mich gefeuert, und das war mir recht so. Ich hab dann den Rotten gekriegt, also ich meine den Goethe, und dann ham wir uns in die Fußgängerzone gesetzt und nen Plastikbecher hochgehalten, und davon konnt man auch leben. Mit Männern war kaum was. Ja, und dann is die Saskia gekommen, aber mit der.... Ich meine: Ich hätte wirklich gern so´n Kind, und meinetwegen auch von ‘nem Rocker. Aber er müßte nen festen Job haben, weil, das ist echt ätzend, wenn man keine Kohle hat, aber´n Kind. So´n Beamter wär nich schlecht, und da würd ich auch kochen lernen für den. Und putzen. Und bügeln. Und ich würd mir die Haare nachwachsen lassen. Und Orgasmus simulieren, was man halt als Hausfrau so alles können muß. Und das Abitur machen. Und dann Jura studieren und Amtsrichterin werden. Oder Sekretärin. Oder Krankenschwester. Ja, Krankenschwester. Eh, das ist die Idee! Ich werd Krankenschwester, angel mir nen Arzt, der macht mir´n Kind, und dann lern ich putzen! Da in dem Friseurladen da ha´m sie gesagt, ich hätt ideale Haare für ‘ne Dauerwelle, und wenn ich dafür nich bügeln lernen muß, laß ich mir ne Dauerwelle machen, aber mein Kind wird´n Punker. Solange, bis es Abitur hat, und wenn´s´n Mädchen wird, zeig ich ihm auch, wie man putzt. Und kocht. Und bügelt. Und wenn´s´n Junge wird, kriegt er ‘ne Metallica-Sammlung, damit er sich später nich blamiert bei den Weibern. Und ich lern häkeln. Das ist geil! Häkeln! Oder Stricken. Aber nich beides. Ich bin doch nich faschonormalo oder was! Aber ich will schon in weiß heiraten! Das ist total trashy, eh! Und wenn du willst, kannste Trauzeugin werdn, Sassi, aber vorher mußte dir die Haare nachwachsen lassen, aber Dauerwelle brauchste nich unbedingt, obwohls natürlich schön wär, wenn ich heirate, daß du ne Dauerwelle hättest und kochen könntest und putzen, und dann hätte mein Mann, der Arzt, bestimmt noch ‘nen netten Kollegen, und dann würd ich dir den Brautstrauß zuwerfen, und dann fragst du den Kollegen von meinem Mann, ob er nich zufällich ne Metallicasammlung hat, und wenns dann wieder nur Briefmarken sind, dann nimmste ihn trotzdem, und ich leih dir dann auch mein Brautkleid, so Brüsseler Spitze und so und ‘nen ganz langen Schwanz da hinten, oder wie man das nennt, oder Schleppe, was weiß ich, und die Beate wird Brautjungfer.“

„Au ja!“ schreien im Duett Saskia und Beate, und auch uns wird bei diesen Visionen eines im Grunde liebenswerten deutschen Mädels gleich ganz warm ums Herz. Ist eben Weihnachten! Bald! Selbst Hutschenreuther kann eine Träne nicht zurückhalten und verspricht, als zweiter Trauzeuge des zukünftigen Paares zur Verfügung zu stehen, vorausgesetzt, Angie verkuppelt ihn mit einer strammen Ärztin, und ne Metallicasammlung, die würde er schon auftreiben können.

 

 

[ zurück zur Hauptseite ]

Bitte besuchen Sie auch unseren Sponsor, ohne den wir diese Seite nicht kostenlos anbieten könnten!

 

 

 

die Mitteilung von gestern