Die Pfauenfeder

Zur Startseite

 

30. November, ein Donnerstag

Ein ereignisloser Tag neigt sich seinem Ende zu, liebe PFAUENFEDER-Enthusiasten und -Enthusiastinnen, den zu schildern mir die Chronistenpflicht gebietet. Wiewohl es einige recht sonderbare Zufälle gegeben hat, aus denen ein durch die Massenmedien verdorbenes Gemüt schließen könnte, man trachte mir nach dem Leben. Doch lesen Sie selbst...

Da wir heute morgen schon recht früh den Zug bestiegen hatten, war ich gezwungen, mir mein Frühstück selbst zu bereiten. Es gab kalten Haferschleim, das Power-Breakfast also. Ich rührte ihn mir an, würzte ihn mit Pfeffer, Salz und einer halben Paprikaschote, die ich am Vorabend in Sojasoße und Hustensaft eingelegt hatte, kostete - und spuckte das Zeug angewidert aus.

„Das ist doch...“ schmeckte ich nach „...TIERMEHL!!! Wie kommt das in meine Haferflockentüte?“ „Unsinn!“ befand Hutschenreuther und kostete nun seinerseits von meinem Brei. „Hm. Schmeckt gut!“ schmatzte der Mensch und löffelte fleißig weiter. „Köstlich! Aber unbezweifelbar....Tiermehl!“ „Sage ich doch!“

Dobrowski wurde rot und verlegen und sagte leise: „Oh. Das ist mir jetzt peinlich. Ich habe gestern einen günstigen Restposten Tiermehl erstanden. Weil, wenn es ab Samstag verboten ist, könnte so ein Sack Tiermehl als gesuchtes Sammelobjekt beträchtlich im Wert steigen. Und in meinem Alter sollte man schon an später denken. Ich möchte nun einmal in ein schönes Seniorenheim kommen!“

„Verstehe ich“ nickte Hutschenreuther, der den Haferschleim restlos vertilgt hatte. „Hab auch schon überlegt, die NPD zu wählen, bevor die verboten wird. Dann lädt man mich in Talkshows ein, als den letzten Zeitzeugen, der noch von sich behaupten kann, damals die NPD...“

„Sie Idiot!“ schalt Haberkorn. „Die sind doch rechtsradikal!“ „Eben!“ pflichtete Sylvia bei, und die beiden Punkmädchen suchten schon nach Sicherheitsnadeln, um „diese Ultrafaschomachosau“ gehörig zu piesacken. „War doch nur Spaß!“ wiegelte Hutschenreuther ab und wischte sich den Mund an meinem neuen T-Shirt sauber.

Am frühen Nachmittag erreichten wir endlich den Bahnhof unseres Zielortes. Eine steile Treppe führte hinab zum Ausgang, und just als ich auf der obersten Stufe stand, verspürte ich einen heftigen Stoß im Rücken, sodaß ich stolperte und nur durch einen schnellen Reflex - ich klammerte mich am Geländer fest - den fatalen Sturz in die Tiefe vermeiden konnte. „Oh, Entschuldigung!“ stotterte Haberkorn. „Ich hatte plötzlich so eine unkontrollierte Muskel- und Nervenbewegung im rechten Arm. Er schnellte einfach vor und traf Sie direkt in der Rückengegend. Aber ist ja nichts passiert!“

„Genau!“ pflichtete Hutschenreuther bei und schlug mir so gewaltig auf die Schulter, daß ich beinahe doch noch die Treppe hinuntergefallen wäre. „Sie sind doch ein Mann!“ lachte er, „Der verträgt doch einiges!“

So, liebe Leserinnen und Leser! Ich liege endlich im Hotelbett, den Laptop auf dem Bauch, und habe diesen ereignislosen Tag geschildert. Beinahe hätte ich vergessen zu erwähnen, daß vor zehn Minuten ein heftiger Knall zu hören war, welcher vermutlich von einer Pistole herrührte, aus der irgend jemand einen Schuß durch die Tür abgegeben hat. Die Kugel pfiff haarscharf an meinem Kopf vorbei und steckt jetzt in der Wand.

„Oh, Verzeihung!“ hörte ich Sylvia von draußen rufen. „Ich wollte Herrn Hutschenreuther gerade meine MAGNUM zeigen, ein altes Familienerbstück. Dabei muß sich bedauerlicherweise der Schuß gelöst haben!“ „Macht nichts!“ rief ich zurück, „hat mich ja nicht getroffen!“

Ich verspüre ein Kitzeln am linken Oberschenkel und schlage die Bettdecke zurück. Eine kleine, hochgiftige grüne Baumschlange züngelt mir entgegen. „Hat jemand Beates kleine, hochgiftige grüne Baumschlange gesehen?“ ruft Elfriede in den Hotelflur. „Ohne sie kann das Kind doch nicht einschlafen! Ist auch völlig ungefährlich. Vorausgesetzt, man atmet nicht!“ Vorsichtig nehme ich das Tier und setze es auf den Fußboden, gleich neben den Plastiksprengstoff mit Zeitzünder. Ah! Endlich schlafen!

 

[ zurück zur Hauptseite ]

Bitte besuchen Sie auch unseren Sponsor, ohne den wir diese Seite nicht kostenlos anbieten könnten!

 

 

 

die Mitteilung von gestern