Die Pfauenfeder

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1.Dezember, ein Freitag

„Ich muß Ihnen etwas gestehen!“ gesteht Sylvia, die nach ihrer Nominierung zur Verhörkandidatin des Tages sichtlich verlegen geworden ist. „Aha!“ triumphiert der vorlaute Hutschenreuther, „wußt ichs doch! SIE und keine andere haben Herrn Werner Pagel, wohnhaft Düsseldorf, Sybillenweg 4a, Mitglied der Barmer Ersatzkasse und von Beruf ‘großer Unbekannter´ in vierzehntklassigen Internetkrimis, auf dem Gewissen! Sie sind überführt! Entlasten Sie Ihr Gewissen! Jetzt!“

Sylvia hat den Anschuldigungen Hutschenreuthers mit offenem Mund und geschütteltem Kopf zugehört, spricht jetzt: „Nein, um Himmelswillen! Ich kenne den großen Unbekannten doch überhaupt nicht! Außerdem hat er vorigen Monat seine Mitgliedschaft bei der Barmer Ersatzkasse gekündigt und ist der Techniker Krankenkasse beigetreten. Nein, nein, und nochmals nein! Was ich Ihnen gestehen muß, ist folgendes: Ich leide seit einem Jahr an vollständiger Totalanästhesie, das ist: kompletter, unheilbarer Gedächtnisverlust nach einem furchtbaren, irreparablen Schock.“

Wir sind betroffen. Selbst Hutschenreuther, fürwahr ein hard boiled man, murmelt seine Anteilnahme. „Dürften wir erfahren, welcher furchtbare Schock es war, der diese absolute, lebenszeitlange Totalanästhesie ausgelöst hat?“ möchte Herr Haberkorn erfahren. Sylvia seufzt. „Wenn ich das nur wüßte! Die von mir konsultierten Ärzte sind ebenso ratlos.“

„Dann“ murmelt Elfriede, „müssen wir herausfinden, welcherart der Schock gewesen ist, und wie eventuell Ihre Biografie aussehen könnte. Haben Sie vielleicht erfahren, daß Sie die uneheliche Tochter von Guido Westerwelle sind?“ „Machen Sie sich nicht lächerlich!“ fällt ihr Hutschenreuther ins Wort. „Einen solchen Schock würde nicht einmal ein Pferd überleben! Ich tippe auf was Sexuelles.“ Er schnatzt lüstern mit der Zunge. „Immerhin sind Sie wahrscheinlich 18 Jahre alt und so hübsch, daß bereits Ihre Mitschüler in der Grundschule Wanne-Eickel vorzeitig die Pubertät erlitten haben, wenn sie Sie nur anschauten!“

„Das ist sehr wohl möglich!“ mischt sich jetzt auch Dobrowski ein. „Schon Ihre Mutter, Frau Claudia Kardinal-Fehler, galt als unbeschreibliche Schönheit, was auch Ihrem Vater, dem zwielichtigen Alteisenhändler Eberhard Würges, nicht entgangen sein dürfte. Er zeugte Sie in einer wunderbar sternenklaren Nacht, zwischen 22 Uhr 44 und 22 Uhr 46, denn um 23 Uhr hatte er noch einen seiner Zwielichtigkeit gemäßen Geschäftstermin.“

„Jetzt, wo Sie es sagen...“ sinniert Sylvia sinnlich. „Aber welches war nur der Schock, der mich all das vergessen ließ?“

„Vielleicht“ gebe ich zu bedenken „besteht der Schock darin, daß Ihnen plötzlich bewußt wurde, in noch nicht einmal einem Jahr mit einer Horde merkwürdiger Typen durchs Land zu reisen. Und daß die tröstende Gewißheit, unter diesen merkwürdigen Typen befinde sich ein zu allem fähiger Autor, in die Panik umschlug, dieser zu allem fähige Autor wisse Ihre beträchtliche erotische Ausstrahlung nicht zu schätzen!“

„Ha!“ lacht Hutschenreuther gemein, „das wüßte ich aber! Immerhin hat Fräulein Sylvia den ehrenwerten Beruf der Stenotypistin gelernt, da fällt man nicht auf jeden dahergelaufenen Möchtegernkrimiautor herein!“

„Haben Sie eine Ahnung!“ kontere ich souverän. „Auf mich sind schon ganz andere reingefallen!“

„Meine Herren!“ mahnt Elfriede zur Ordnung, „Dies ist nicht der Zeitpunkt für Verbalinjurien. Ich schlage vor, wir gehen jetzt alle gemeinsam zu Bett und überlegen uns, was wir von der ganze Sache halten sollen. Ich meinerseits habe das Gefühl, in den letzten Minuten eine sehr entscheidende Äußerung gehört zu haben, welche uns der Klärung der Frage, wer den großen Unbekannten, Herrn Walter Pagel aus Düsseldorf, ermordet hat, näherbringen könnte. Aber ich kann mich partout nicht mehr erinnern, was es war. Es ist wie weggeblasen. Typischer Fall von Generalamnestie!“

Komisch. Mir geht es genauso. Haben vielleicht die Leserinnen und Leser dieser Zeilen etwas bemerkt? Mailen Sie uns! Wir sind für jeden Hinweis dankbar!

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