Die Pfauenfeder

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8. Dezember, ein Freitag

„Da haben wir den Salat!“ sagt, von der Lektüre seiner geliebten Bildzeitung aufblickend, der kauende Haberkorn. „Salat?“ fragt, von der Lektüre seiner geliebten „Kaiserslauterer Lottogewinner Illustrierten“ aufblickend, der ebenfalls kauende Hutschenreuther.

Wir sitzen beim Frühstück in „Christian´s Croissant Center“ und lassen uns das Sonderangebot munden: „Zwölf Dutzend Croissants zum Preis von 144!“ „Salat? Gibts etwa auch noch Salat dazu?“ fragen, von der Lektüre ihrer geliebten Leib- und Magenblätter aufblickend und schwer kauend, Sylvia („Frau im Spiegel“), Elfriede („Spiegel der Frau“), Dobrowski („Playboy“), die Punkgörls („Hochzeitsmoden für den kleinen Geldbeutel“), Beate, auch Baby genannt („Die Zeit“) sowie das Baby, auch Beate genannt („Windelpost“). „Nein, nein“ verneint, sich wieder in die Lektüre seiner geliebten Bildzeitung vertiefend, der kauende Haberkorn. „Ich spiele lediglich auf eine Schlagzeile in meiner heutigen geliebten Bildzeitung an. Sie lautet: ANDY MÖLLER DICHTET JETZT! IST ER TOTAL PLEMPLEM?“

„Mir schwant Fürchterliches!“ schwant mir Fürchterliches, und Haberkorn, dem das Fürchterliche nicht nur zu schwanen scheint, sondern bereits fürchterliche Wirklichkeit geworden ist, beginnt mit dem Vorlesen des Artikels aus seiner heutigen geliebten Bildzeitung:

„Der bekannte Fußballprofi Andy Möller dichtet! Immer wenn vor seinen Augen mit Mikrophonen herumgefummelt wird, erklärt der unsympathische Star, sei ihm, als spräche jemand anderes aus ihm. Und zwar in Reimen! Millionen entgeisterter Zuschauer wurden Zeuge folgenden, während eines Interviews geäußerten Gedichts: „Das Spiel dauert 90 Minuten / drum frisch ans Werk und kräftig sputen! / Und bleibt mir alle schön gesund! / Auf daß der Ball noch lange rund.“ - Der Psychologe Reiner F. erklärt dazu: ‘Das ist ein typischer Fall von psychosomatischer Verletzung eines Fußballprofis durch direkte Einwirkung des Gegners. Ich nehme an, Möller wurde von einem Ball oder Ellenbogen so schwer am Kopf getroffen, daß bislang verschüttete Teile seiner Intelligenz zum Vorschein gekommen sind.´ Möller selbst meint: ‘ Also ich sag mal: Wenn das nicht aufhört, werde ich Sportinvalide´. BILD wünscht gute Besserung!“

Haberkorn blickt von der Lektüre seiner geliebten Bildzeitung auf und uns an. „Ich brauche wohl nicht mehr zu erwähnen, in welchen Leib sich Herr Goethe nach des Autors Tritt auf den Hundeschwanz verzogen hat. Das muß eine absolute Panikreaktion gewesen sein. Anders ist die Wahl kaum zu erklären.“ Wir nicken zustimmend. „Dann müssen wir sofort nach Gelsenkirchen und diesen Möller einem strengen Verhör unterziehen! Der weiß, wer der Mörder ist, d.h. der Goethe in ihm weiß es.“

Für einen Moment sind wir still, kauen auf unseren Croissants und bedenken den Vorschlag Hutschenreuthers. Dann sage ich resigniert: „Wenn schon ein unbeabsichtiger und gewiß nicht traumatischer Tritt auf Rottens Schwanz Goethe zum Flüchten bringt, wie reagiert er dann erst, wenn Kohler Möller wie gehabt beim nächsten Derby Dortmund - Schalke in die Eier tritt? Dann ergreift er doch wieder die Flucht! Und wir gondeln umsonst nach Gelsenkirchen!“

„Wohl wahr!“ bestätigt die Runde, und Sylvia bestellt noch einmal das Croissant-Sonderangebot nebst 34 Kannen starken Kaffees. „Andererseits“ gibt Dobrowski, von der Lektüre seines geliebten Playboy aufblickend und stark kauend, zu bedenken, „andererseits“ wiederholt er, noch immer stark kauend und von der Lektüre seines geliebten Playboy aufblickend, „andererseits glaube ich kaum, daß dieser Möller noch lange Fußball spielt. Einer, der endreimen kann! Dem stehen doch alle Berufe dieser Welt offen! Der macht doch ein Schweinegeld in Werbung und Politik!“ Wir nicken kollektiv und vertiefen uns wieder in die Lektüre unserer geliebten Blätter, während Christian auch schon die nächste Runde Croissants auftischt.

 

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