Die Pfauenfeder

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17. Dezember, ein Sonntag

Hilflos, uns in Schmerzen wälzend, mußten wir gestern die Ergüsse und Gemeinheiten des sogenannten „Bahnhofsgaststättentesters“ Winter über uns ergehen lassen. Natürlich war Elfriede Winter vom Elaborat ihres Angetrauten begeistert, zumal sie hinter jeder Zeile den Tausendmarkschein witterte, den der Chefredakteur, ein ansonsten heller Kopf, diesem Windbeutel und Dreckschleuderer hinterher wirft. Nein, hauchte sie so manchesmal, das habe sie nach jahrelange Ehe nicht gedacht, daß dieser Versager sich als Karrierist entpuppe. Sie betrachtete versonnen ihre Brut und befand, diese habe ja doch, ganz überraschenderdings, gewisse Ähnlichkeiten mit Winter. „Das kann aber keine biologischen Ursachen haben, wie ich diesen impotenten Winter kenne!“ kommentierte Hutschenreuther gehäßig, und wir nickten zustimmend.

Nun ja. Jetzt sitzen wir im Zug und beschäftigen uns mit unserem Tagwerk. Ich jedenfalls. Der Chefredakteur hat mir die gestrige Leserpost zugemailt; sie besteht zu 90% aus Liebestraktaten an Sylvias und Elfriedes Adresse, auch Beate, „Baby“ genannt, hat inzwischen ihren Fankreis bei den 2- bis fünfjährigen Hinternetlesern, die ungefahr 80% der Gesamtklientele dieser anspruchsvollen und kritischen Internet-Illustrierten ausmachen. Sehr lästig sind mir die ständigen Meckereien des „Schutzverbandes des unbekannten Prominenten“, für die ihr Vorsitzender, der - ich zitiere -„Planstellenschauspieler Werner Bussig, jugendlicher Liebhaber am Stadttheater Ibbenbüren“ heftig Klage führt, wir erwähnten ständig nur Prominente wie Guido Westerwelle, Verona Feldbusch, Berti Vogts und Jenny Elvers, nicht aber, zum Beispiel, Charlotte de Connaisseur, die zweite Altstimme der Volksbühne Berchtesgaden, oder ihn, den Bussig höchstselbst, obwohl doch beide - sowie alle anderen Mitglieder des Schutzverbandes - es aufgrund ihrer künstlerischen Leistung verdient hätten, mehr im Rampenlicht zu stehen.

Sorry, Herr Bussig. Ich bin seit Jahrzehnten ein großer Verehrer ihres Schaffens, doch der Chefredakteur nötigt mich dazu, bestimmte Namen immer wieder in die Mitteilungen einzustreuen. „Da finden die Suchmaschinen auch regelmäßig das HINTERNET, wenn wieder so ein Idiot etwas über Guido, Verona, Berti oder Jenny wissen will. Und das gibt CLICKS, mein Lieber, das sind PAGEVIEWS bis zum Abwinken, und davon leben wir schließlich.“ Sylvia und Elfriede haben aus ihren Mails inzwischen all die aussortiert, denen nicht eine Kopie der letzten Verdienstbescheinigung als attachment beigefügt ist. Ein 77jähriger Rentner, nach eigenen Worten „noch voll im Saft und mit beachtlicher Bargeld- und Aktienreserve“, der vorsorglich beiden Damen seine Liebe gestanden hat, wird auch von beiden Damen in die engere Wahl genommen. Beate bemächtigt sich, als ich gerade auf der Toilette weile, meines Laptops und korrespondiert mit einem forschen Fünfjährigen, der alle diese Pokemons zu besitzen vorgibt und außerdem der uneheliche Sohn von -Verzeihung, Herr Bussig - Guido Westerwelle und Berti Vogts zusammen sein will. So verrinnt die Zeit.

Selbstverständlich haben uns wieder einmal jede Menge Mails von Sexismuskritikern, Frauenrechlerinnen, Tier- und Kinderschützern erreicht, die enorme Klage über den, wie wir sagen, CONTENT des Pfauenfeder-Krimis führen. Ja, soll ich mich denn ständig entschuldigen? Haben wir keine Pressefreiheit mehr in diesen Land? Rege ich mich etwa über jeden Scheiß auf, der ansonsten in HINTERNET verzapft wird? Die zynischen und bullettenverachtenden Kolumnen des Winter beispielsweise? Oder über „Fräulein Katjas Nähkästchen“, das zynische und Franz-Lambert-verachtende? Na, sehen Sie!

Endlich ist die Arbeit geschafft und ich gönne mir ein Schläfchen. Viele wirre Träume suchen mich heim. Herr Bussig steht mit einem Klappmesser an meinem Bett und will seinen Forderungen physisch Nachdruck verleihen. Ich fordere ihn auf, zuvor die Maske abzunehmen, er tut es - und wer steckt drunter? - Der unendlich publicitygeile Guido Westerwelle, natürlich. Schreiend erwache ich. Wir sind soeben in unserem Zielbahnhof eingefahren. „Aufstehen!“ kommandiert Hutschenreuther und versetzt mir einen Stoß in die Rippen. „Von Guido Westerwelle können Sie noch genug träumen!

 

 

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die Mitteilung von gestern